Spaniens wilde Küste

Anspruchsvolle Atlantiktörns vor Galizien

Spanien, Küste - Foto: pixabay
Wenn der Westwind mit Sturmstärke weht, und das tut er hier im Frühjahr oft, dann weiß man, warum dies die Küste des Todes genannt wird. Riesige Atlantikseen rollen heran, brechen gischtend nicht nur auf den Felsen und den dazwischen sehr romantisch versteckten, fein- sandigen Stränden, sondern auch auf etlichen tückischen Untiefen und Riffen, die der eigentlichen Küste vorgelagert sind. Hier scheiterten schon viele Schiffe, ertranken Tausende. Und der wilde Atem des Meeres reicht sogar bis in die kleinen Fischerhäfen hinein, wie zum Beispiel hier in Corme, an der Mündung des Ria de Corme y Lage am Nordwestzipfel Galiziens. Auch hinter der vermeintlich schützenden Mole ist das Wasser unruhig, hebt und senkt sich drohend im Rhythmus der tosenden See draußen.
Sturm lässt selbst Möwen Schutz suchen
So kommen die bunt bemalten Fischerboote selbst hier nicht zur Ruhe, sondern zerren an den Festmacherleinen, dass es nur so knirscht und knarzt. Solch eine Umwelt stimmt vielleicht den Reisenden an Land romantisch, ansonsten härtet sie eher ab. In der kleinen Bar am Hafen hocken Männer mit wettergegerbten, zerfurchten Gesichtern und mit riesigen Händen zum Anpacken und Festhalten. Heute können sie nicht zum Fischen raus, der Sturm lässt selbst die Möwen Schutz suchen, und der Leuchtturm, draußen auf der Huk von Punta Roncudo, ist in eine dauerhafte Gischtwolke gehüllt. »Aber sonst fahren wir fast jeden Tag!«, versichert Jose: »Putt, putt, putt, putt!«, so imitiert er ganz eingängig das monotone Geräusch eines zuverlässigen Schiffsdiesels und zeichnet mit der rechten Hand wellenförmige Bewegungen in die dicke Luft über der Bar. [...]
Teil der Keltischen Kante
Wer Galizien wirklich begreifen will kommt am besten über See, auf eigenem Kiel, wie all die unzähligen Seefahrer vorher, von Kolumbus bis zum Volvo Ocean Race, das 2005 in Vigo gestartet wurde. Schon durch ihre geografische Lage war diese Provinz an der Nordwestspitze Spaniens eher abgeschnitten vom Iberischen Festland, im Rücken die Berge der Kantabrischen Kordilleren, voraus der freie Atlantik. So gehört auch Galizien zur sogenannten Keltischen Kante, die sich am östlichen Atlantik von Nord nach Süd zieht, von Schottland und Irland über Cornwall und der Bretagne bis hierher.

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Immer grün durch feuchtes Klima
Keltensiedlungen wurden an verschiedenen Stellen gefunden, Reste davon sogar in einem Park mitten in der Großstadt Vigo. Keltisch aber ist auch die Landschaft irgendwie, vielleicht durch das ebenfalls keltische, feuchte Klima: Die gleichen bemoosten Bäume und Steine und weichen Farne wie an der schottischen Westküste oder in Cornwall.
Galizien - Foto: pixabay
Galizien - Foto: pixabay
"Wir lebten an Bord"
Von dort aus waren auch wir hierhergesegelt, damals, auf unserem langen Weg nach Süden, jedoch nicht nonstop. Das war vor Jahren, wir lebten an Bord, hatten also alle Zeit der Welt und haben uns deswegen alles unterwegs angesehen - mit langen Aufenthalten in der Bretagne und entlang der französischen Westküste. Heute allerdings reicht uns die gut ausgerüstete Charteryacht, die wir in La Coruña übernommen haben. [...] So segeln wir weiter, in kurzen und gemütlichen Tagesetappen entlang der großartigen Küste und über die Mündungen der großen Rias, die tief in dieses bergige und auch fruchtbare Land einschneiden. Natürlich hat Galizien mehr zu bieten als diesen schmalen Küstenstreifen, aber wir brauchen nicht mehr. Nicht mehr als die vielen kleinen und großen Häfen, romantische und geschützte Ankerplätze in den Rias und natürlich die Küstenorte.

Romantische Abgeschiedenheit in hervorragenden Naturhäfen
El Barquero ist solch ein Nest, zauberhaft in seiner romantischen Abgeschiedenheit klebt es zwischen Mole und Berg und blickt auf den breiten Fluss, der sich in einer großen Schleife vorbeiwindet. Für unser Schiff ist der zu flach, die Bucht davor bildet einen hervorragenden Naturhafen, in dem wir geschützt ankern. Mit dem Dinghi geht es in den Fluss und zu den zwei Bars des Dorfes, in denen wir den leckeren Albariño aus riesigen, bauchigen Gläsern trinken - ein frischer Weißwein, vergleichbar vielleicht mit einem knackigen Muscadet aus dem Loire-Tal: Es muss ja nicht immer Rioja sein.
Anlaufstellen nach dem Sprung über die Biskaya
Ganz anders sieht die Welt nur ein paar Seemeilen weiter in der quirligen Metropole La Coruña aus, der »gläsernen Stadt« (wegen der vielen verglasten Balkone an fast jeder Hausfassade). Für viele Segler ist dies der erste Hafen nach dem Sprung über die Biskaya, und entsprechend lebhaft ist es auch schon an den Stegen des Yachtclubs. Die Stadt hat viel zu bieten, vor allem eine sehr romantische Altstadt mit schummrigen Bodegas und mehr Festivals und Fiestas, als man zählen kann. Berühmt ist natürlich auch der Torre de Hercules, der älteste Leuchtturm der Welt (von den Römern erbaut), der noch in Betrieb ist. So einen Leuchtturm hat Vigo nicht, dafür wurde hier vor einigen Jahren das Volvo Ocean Race gestartet. So wetteifern die beiden Städte schon immer darum, welche von beiden die bedeutendere sei: In Vigo wird gearbeitet, in Santiago gebetet und in La Coruna gelebt, sagt man in Galizien.

Camarinhas - Beliebtes Ziel für Segler
[...] Die weite Bucht von Camarinhas hinter Cabo Villano ist ein beliebtes Ziel für Segler. Camarinhas bietet einen geschützten Hafen und ist ein hübscher kleiner Touristenort. In ruhigem Sommerwetter findet man in der Bucht außerdem verschiedene romantische Ankerplätze. Dies ist die letzte Bucht nördlich des notorischen Cabo Finisterre, welches aus einem eher unlogischen Grund von vielen als Tor nach Süden betrachtet wird: »Wenn wir doch erst einmal an Finisterre vorbei sind ...«, hört man immer wieder. Finisterre hat einen winzigen Hafen unterhalb der Felsen an der Innenseite des Kaps, aber tatsächlich ist man besser beraten, bis zu den Rias Bajas weiterzusegeln - dem Rio de Arosa, Ria de Pontevedra und Rio de Vigo. Beim Erkunden dieser Fjorde lassen sich viele angenehme Tage verleben.

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Baiona an der Grenze zu Portugal
Unser letzter spanischer Hafen ist Baiona, schon dicht an der Grenze zu Portugal. Kaum eine Yacht lässt diesen Hafen aus, mit einem recht formellen Yachtclub, der in einer wunderschönen alten Burg residiert (wie auch das luxuriöse Parador Hotel). Der Club ist jedoch, anders als andere spanische Segelclubs, die eher dem gesellschaftlichen Leben frönen, seglerisch sehr aktiv und organisiert mehrere Regatten im Jahr, außerdem, und das ist für uns wichtiger, hat er eine sehr schöne Bar.
Privilegierte Lage an einer kleinen Bucht
Besuchende Yachten können an den Stegen oder an Mooringbojen liegen. Dies ist einer der beliebtesten Ferienorte Galiziens, und wer die romantische Altstadt und die privilegierte Lage an einer kleinen Bucht am Südufer des Ria de Vigo, dicht an den von Ausflüglern und Seglern frequentierten Islas Cies, betrachtet, weiß, warum das so ist. Noch heute wird hier jedes Jahr im März die Ankunft von Kolumbus' letzter Karavelle, der Pinta, gefeiert. Die brachte im Jahre 1493 die Kunde von den neu entdeckten Westindischen Inseln, was ja bekanntlich der Anfang vom Ende der Karibik war. [...]
Revierinformationen im Überblick
BESTE SEGELZEIT: Mai bis Oktober. Im August stellenweise recht voll.
SCHWIERIGKEITSFAKTOR: Einfach bis mittel.
FAMILIENTAUGLICHKEIT: Hoch. Die Spanier sind sehr kinderfreundlich.
KOSTENFAKTOR: Mitteleuropäisches Niveau.
ALLGEMEINE INFO: Spanisches Fremdenverkehrsamt, tourspain.es

Autor: Detlef Jens
Ria de Vigo / Foto: © pixabay

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