19.01.2012

Graf GbR Bootsbau, Florian u. Günther Graf

Graf IPANEMA - Love me Tender

Ein klassisches Holz-Runabout - nicht nur als Beiboot - zum verlieben.
Wer sich im Internet auf die Suche nach Tenderbooten macht, wird
nicht unbedingt auf Anhieb fündig. Dies gilt umso mehr, je größer und
luxuriöser die dazugehörigen Mutterschiffe sind. Der Markt für Superyachten
mit einer Länge von 60 Metern und mehr gehört zu einem
der verschwiegensten und exklusivsten dieser Welt. Das liegt nicht
nur daran, dass derlei Schmuckstücke erst ab einem zweistelligen Euro-
Millionenbetrag zu haben sind (nach oben gibt es quasi keine natürlichen
Grenzen). Selbst die Neureichen aus der in Frage kommenden
Klientel gelten als außerordentlich öffentlichkeitssensibel. Dient doch
eine Superyacht ihrem Eigner vor allem als intimer Rückzugsort vor
aufdringlichen Paparazzi oder zwielichtigen Auftragskriminellen –
wenn sie nicht gerade zu repräsentativen Zwecken in Barbados, Monaco
oder Key West vor Anker liegt.
Diese Umstände muss man berücksichtigen, wenn die Auskunftsfreude
von Florian Graf, Juniorchef des exklusiven Allgäuer Bootsbauers
Graf, bei Fragen nach seinen Auftraggebern schlagartig abbricht.
Selbst ein intensives Studium ausgeklügelter Konstruktionspläne in
der heimischen Bootsbauerwerkstatt lässt er im Vergleich dazu entspannt
geschehen. »Unsere Kunden legen generell größten Wert auf
Diskretion«, so Graf beinahe entschuldigend. »Dabei spielt es praktisch
keine Rolle, ob das Boot nun als Tender einer Superyacht oder
als Sportboot im Binnenrevier gedacht ist«, fügt er erklärend hinzu.
Immerhin räumt er ein, den oder die Eigner bisweilen persönlich zu
Gesicht zu bekommen. »Das sind oft sehr sympathische und außerordentlich
bescheiden auftretende Menschen«, betont Graf.
Mit einem herkömmlichen Golf Cabrio würden diese allerdings eher
nicht anreisen, ergänzt er schmunzelnd. In der Regel treffe man sich
außerdem nicht hier in der Werft, sondern beim Boot am Wasser. Verständlicherweise
will die anspruchsvolle Klientel das Objekt der Begierde
natürlich selbst einmal steuern, bevor sie die nicht unerhebliche
Kleinigkeit von mindestens 380.000 EUR für die Grundversion der
Ipanema in die Hand nimmt.
Sein Erfolgsrezept beschreibt Florian Graf als eine Mischung aus
handwerklicher Kompromisslosigkeit und unbedingter Kundenorientierung.
»Viele Fachleute haben uns insgeheim belächelt, als sie von
unserem Projekt, ein perfektes klassisches Runabout aus Vollholz
bauen zu wollen, erfahren haben.« Die latente Überheblichkeit im
Lächeln weicht spätestens dann respektvoller Anerkennung, wenn
man eine Ipanema in Augenschein nimmt. Sowohl die bootsbauerische
Handwerkskunst, als auch die Ausstattung und das Oberflächenfinish
des von Konsturkteurslegende Wilfried H. Wilke gezeichneten
Entwurfs, sind schlicht atemberaubend. Edelste Materialien, ausgeklügelte
Detaillösungen und eine unerhört perfekte Qualitätsanmutung
entwickeln eine Ästhetik, der sich der Betrachter einfach nicht entziehen
kann.
Der Erfolg stellte sich für den Familienbetrieb in dritter Generation
nicht unmittelbar ein. »Am Anfang mussten wir viele Widerstände,
sowohl unter Kollegen, als auch im Markt überwinden«, stellt Seniorchef
Günter Graf mit kleinen Sorgenfalten auf der Stirn fest. Gleich
darauf fügt er jedoch lächelnd hinzu: »Gott sei Dank ist die Ipanema
ein ungeheuer charmanter Sympathieträger.« Mehr als drei der klassischen
Sportboote wollen die Grafs jedoch pro Jahr nicht bauen. »Das
sind wir unserem Qualitätsanspruch und der Flexibilität, mit der wir
auf Kundenwünsche eingehen, schuldig.«
Diese Flexibilität ist es auch, die das Interesse der Projektbüros, die
für den Bau von Superyachten und für ihre Ausstattung verantwortlich
sind, geweckt haben. Eine Ipanema kann man ein- oder zweimotorig,
mit Diesel- oder Benzin-Aggregaten, mit Wellen- oder Z-Antrieb, mit
Rechts- oder Center-Konsole, mit Soft- oder Hardtop und in unzähligen
anderen Varianten bekommen. Bei der Qualität der handwerklichen
Ausführung und bei der Eleganz des fertigen Bootes jedoch lassen
sich die Grafs nicht auf Kompromisse ein. »Da sind wir als Schwaben
einfach eigen!«, schmunzeln Vater und Sohn Graf unisono.
Ausstellerdatenblatt