One Day with ... Julia Rick

Wakeboard-Worldchampion Julia Rick im Interview

Hallo Julia. In der Einleitung haben die Leser schon einiges über Dich erfahren. Jetzt kommt die neue Saison gerade voll ins Rollen und nach dem erfolgreichen letzten Jahr, darf man sich fragen, wie es weitergeht?

Julia: Erst einmal möchte ich auch 2016 wieder eine fulminante und ungeschlagene Saison hinlegen! Dieses Jahr stehen sogar zwei Weltmeisterschaften bei den beiden Weltverbänden (IWWF und WWA) an, die ich beide gewinnen möchte. Allgemein ist Gesundheit das Wichtigste und dafür benötigt man auch immer etwas Glück, um verletzungsfrei zu bleiben. Abseits der Wettkämpfe möchte ich mich persönlich und sportlich weiterentwickeln. Mein Ziel ist es, das Level der Frauen im Wakeboarden weiterhin zu pushen und weiterhin neue Tricks zu stehen.

Viel Erfolg dafür. Aus dem Fußball kennst Du die geregelten Trainingsstrukturen. Die meisten professionellen Wakeboarder halten es da etwas anders. Wie sieht das bei Dir aus?

Julia: Das ist richtig, aus dem Fußball kenne ich geregelte Trainingsstrukturen und ich denke das ist mein Vorteil. Seitdem ich mich komplett für das Wakeboarden entschieden habe, habe ich den Sport sehr professionell betrieben und das galt auch für mein Training. Neben einem gewissen Talent ist ein großer Trainingsfleiß nämlich sehr wichtig, gerade wenn man keinen Trainer hat und alles selbst organisieren und planen muss. Darin liegt nämlich einer der großen Unterschiede zwischen dem Wakeboarden und professionell strukturierten Mannschaftssportarten. Neben meinem Training auf dem Wasser lege ich auch sehr viel Wert auf Training abseits davon. Ich betreibe sowohl Ausdauer- als auch Krafttraining.
Wakeboarderin Julia Rick © Wilfried Rick
Julia Rick im Phuket Wake Park © Anatoli Kostik
Als Sportsoldatin bist Du in der glücklichen Lage Deinen Sport professionell zu betreiben. Vermutlich können sich die wenigsten vorstellen wie das abläuft. Daher wäre es schön, wenn Du mal den typischen Tag im Leben der Julia Rick schilderst.

Julia: Die Bundeswehr ermöglicht es mir, meinen Sport professionell auszuüben. Ich repräsentiere die Bundeswehr auf all meinen Wettkämpfen und weiteren Events weltweit. Da ich sehr viel unterwegs bin, ist mein Tagesablauf sehr unterschiedlich. Neben dem vielen Reisen genieße ich es natürlich auch mal zu Hause zu sein. Wenn ich zu Hause bin, habe ich meistens zwei bis drei Trainingseinheiten am Tag. Morgens bin ich entweder für meine erste Trainingseinheit auf dem Wasser an meiner Heimatanlage, Wasserski Bleibtreusee in Brühl, oder beginne den Tag mit einer Ausdauereinheit, bei der ich meist im Wald Laufen gehe. Nachmittags geht es dann wieder aufs Wasser und zusätzlich betreibe ich ca. drei bis viermal die Woche Krafttraining. Um meine Trainingseinheiten auf dem Wasser perfekt zu ergänzen, habe ich mir meinen eigenen Fitnessraum zu Hause eingerichtet. Das Krafttraining ist ein sehr wichtiger Zusatz und durch gezieltes, funktionelles Krafttraining verbunden mit Koordinationsübungen, baue ich eine widerstandsfähige Muskulatur auf und versuche Verletzungen vorzubeugen. Allgemein ist ein guter Fitnesszustand essentiell, um diesen Sport auf höchstem Niveau auszuüben. Daher achte ich auch auf eine ausgewogene und gesunde Ernährung. Dieses Jahr habe ich mein Bachelorstudium Betriebswirtschaftslehre an der Uni Köln erfolgreich abgeschlossen und bewerbe mich momentan für den Master. Neben dem Sport bereite ich mich also auch für Klausuren oder Veranstaltungen in meinem Studium vor. Das erledige ich meist abends oder aber auch unterwegs auf Wettkämpfen. Ich bin ungefähr die Hälfte des Jahres auf Wettkämpfen, anderen Events oder zur Trainingsvorbereitung unterwegs. Auf Wettkämpfen kann der Tagesablauf natürlich stark variieren und ist von dem jeweiligen Event abhängig. Von Oktober bis April ist es in Deutschland zu kalt zum Wakeboarden und die meisten Anlagen sind geschlossen. Ich versuche den Winter durch Reisen in das wärmere Ausland, wie z.B. in die USA oder nach Asien zu überbrücken. Dort finden dann mein Wintertraining und meine Saisonvorbereitung statt.

Klingt nicht so locker wie man es sich eigentlich vorstellt. Es wurde schon angesprochen, dass Du mit Deinem Repertoire an Tricks der Konkurrenz ziemlich voraus bist. Wie kannst Du Dich da weiter motivieren immer noch besser zu werden?

Julia: Besonders treiben mich meine ungebremste Leidenschaft und der Spaß an diesem Sport an. Zudem bin ich wie gesagt sehr ehrgeizig und möchte einfach immer die beste sein. Das motiviert mich sehr hart zu trainieren, über meine Grenzen zu gehen und spornt mich natürlich auch an, immer wieder neue Tricks zu lernen und damit nicht nur mein Level, sondern das Level von Frauen im Wakeboarden allgemein zu pushen. Auch freut mich natürlich der wachsende Rückhalt meiner Fangemeinde auf meinen Social Media Kanälen. Julia auf Facebook treffen
Wakeboarderin Julia Rick © Wilfried Rick
Julia Rick im Phuket Wake Park © Anatoli Kostik
Wie Du das angehst, ist zweifelsohne beeindruckend. Sicherlich auch ein Grund, dass Du als erstes Mädel überhaupt im Sommer 2016 bei Wake The Line in Köln dabei sein darfst. Wie sind da Deine Ziele, bzw. wie siehst Du Deine Chancen?

Julia: Genau, dieses Jahr bin ich zu Wake The Line, einem der größten Wakeboard Events weltweit, nominiert. Dies war bisher immer nur Männern vorbehalten und somit bin ich die erste Frau, die jemals an einem solchen Event teilnimmt. Früher saß ich immer auf der Zuschauertribüne und war begeistert von diesem Event und es war immer ein Traum, eines Tages mal dabei zu sein. Jetzt ist es einfach nur wahnsinnig toll, dass es geklappt hat! Da es zusätzlich in meiner Heimatstadt Köln stattfinden wird, werden in den Zuschauerreihen viele Freunde, Bekannte und Familienangehörige von mir sitzen, was einen natürlich noch mehr motiviert! Bei Wake The Line sind die besten Fahrer der Welt eingeladen, somit ist das fahrerische Niveau natürlich sehr hoch. Als einzige Frau sehe ich mich aber keinerlei Druck ausgesetzt, ich kann nichts verlieren. (grinst) Realistisch gesehen sind meine Chancen also natürlich nicht sehr hoch, aber einfach ein Teil dieses Events zu sein ist bereits ein großer Erfolg und einfach nur der Wahnsinn! Hier die "Wake The Line" Event-Website anschauen

Ne
ben dem Wakeboarding gibt es noch ein paar andere Sportarten, die diesem relativ nah sind. Hast Du Dich da schon mal versucht?

Julia: Neben dem Wakeboarden gehe ich auch gerne Kiteboarden oder Snowboarden! Ich habe eigenes Equipment und z.B. bin ich schon öfters mal für Kurztrips zum Kiten nach Holland gefahren. Ich finde jedoch momentan einfach nicht die Zeit dazu, da ich mich voll auf das Wakeboarden konzentriere. Besonders das Kiten ist dem Wakeboarden am Cable sehr ähnlich, daher kann ich meine Wakeboard-Tricks sehr schnell auch am Kite umsetzen.

Klingt so, als wäre es nicht ausgeschlossen, Dich in Zukunft auch am Kite zu sehen? Eine Karriere als Wakeboarderin ist zeitlich begrenzt. Was ist Dein Plan für danach?

Julia: Ich möchte so lange wie möglich meinen Sport, das Wakeboarden professionell ausüben und dafür auch ein Teil der Sportfördergruppe der Bundeswehr sein. Gleichzeitig möchte ich mich jedoch auch intellektuell bilden und mich persönlich weiterentwickeln. Nach meinem erfolgreichen Bachelor möchte ich ein weiterführendes Masterstudium im Bereich Marketing oder Sportmanagement anfangen. Durch meinen Sport knüpfe ich zahlreiche Kontakte zu Sponsoren und ich kann mir vorstellen, nach meiner Karriere einen Beruf in dieser Branche auszuüben.

Dann auch schon mal für die Zeit neben der Wakeboard-Karriere und auch danach viel Erfolg. Mit Deinem Ehrgeiz darf man sicher sein, dass Du es noch weit bringen wirst. Möchtest Du zum Abschluss noch einen Dank an Deine Sponsoren und Unterstützer loswerden?

Julia: Vielen Dank an meine Freunde, Familie und meine Sponsoren: Panasonic, Ronix Wake, Fox Wake, Bundeswehr, Deutsche Sporthilfe, ION, Barmenia Versicherungen, TwinCable Beckum und Wasserski Bleibtreusee.

Danke für den Einblick in Dein Leben, Julia, denn als erfolgreichste Wakeboarderin, die es bisher am Cable gegeben hat, war das doch sehr interessant. Wie man sieht, zahlt sich auch hier Fleiß aus und so hast Du Dir Deine Titel sicherlich voll verdient. Viel Erfolg für die kommende Saison, auf dass Du sie wieder so erfolgreich gestalten kannst, vor allem aber auch verletzungsfrei bleibst.

Übrigens: Julia ist nicht nur auf dem Wasser erfolgreich und aktiv, sondern vermarktet sich auch wie kaum eine ihrer Kolleginnen im Web. Kaum ein Tag vergeht, an dem sie kein Bild von den schönsten Ecken der Welt online stellt und so ihre Fans teilhaben lässt, wie sie als professionelle Wakeboarderin lebt. Und dann kommen da auch immer wieder überraschende Videos, in denen ein neuer Trick präsentiert wird, den vorher oftmals kein anderes Mädel gestanden hat oder einfach auch mal gezeigt wird, was so der aktuelle Stand bei Julia ist. Hier beweist sie auch beim Erstellen der Clips ihr Können. Respekt an die junge Dame, die, wenn es so weiter geht, noch viele erfolgreiche Jahre im Wakeboard-Zirkus vor sich haben dürfte!

Interview: Benjamin Wiedenhofer
Fotos: © Wilfried Rick und Anatoli Kostik

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