Moderates Marktwachstum

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12.01.2017

Motorbootmarkt gewinnt weiter an Fahrt

Die maritime Branche in Deutschland befindet sich weiterhin auf Wachstumskurs. Auch international bleibt der Markt stabil, allerdings ohne nennenswerte positive Impulse. Deutlich spürbar ist der Trend zu Motorbooten und -yachten, die national wie international zulegen konnten. Die Umsätze im Segelyachtsegment sind dagegen leicht rückläufig.

In Deutschland beurteilen nach einer Konjunkturumfrage des Bundesverbandes Wassersportwirtschaft zum Jahresende 83,1% (Vorjahr: 83,5%) der Unternehmen die aktuelle Geschäftslage gleich gut oder besser als im Vorjahr. Der Markt wächst moderat aber stetig, so könnte man die aktuelle Situation zusammenfassen. Insgesamt erwartet die Branche für 2016 einen Gesamtumsatz an maritimen Gütern und Dienstleistungen von rund 2 Mrd. Euro (ohne Megayachtbereich).

Nach Einschätzung der Unternehmen wird der positive Markttrend anhalten: Gut 90% der Unternehmen rechnen mit gleichbleibenden oder besseren Geschäften im kommenden Jahr.

Neubootmarkt

Dennoch ergibt sich kein einheitliches Bild. Im Segelbootbereich nimmt die Nachfrage nach großen Segelyachten und -katamaranen weiterhin zu, während im mittleren und kleineren Bootssegment das Marktumfeld schwierig bleibt. Anders im Motorbootbereich. Zwar bleibt auch hier groß & teuer en vogue, kleine Motorboote bis 30 Fuß Bootslänge werden aber hier, anders als im Segelbootbereich, stark nachgefragt.

Deutlich im Trend liegen in diesem Segment mit Außenbordern motorisierte Boote. Geringere Verbrauchswerte und Wartungskosten sowie mehr Platz an Bord sind für viele Kunden hier die ausschlaggebenden Argumente. Das belegen auch die Verkaufszahlen der Außenborder. Im den ersten 10 Monaten des Jahres 2016 hat sich der Absatz an Außenbordmotoren im Leistungsbereich über 60 PS gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 13 % erhöht.

Entsprechend unterschiedlich bewerten die Unternehmen die Entwicklung im Segel- und Motorbootbereich. 93% der Motorboothändler berichten von gleich guten oder besseren Geschäften im Vergleich zum Vorjahr. Im Segelbootbereich sind dies lediglich 80%. Insgesamt rechnet die Branche mit einem Umsatz von rund 192 Mio. Euro im Neubootbereich.

Neueinsteiger beleben den Markt

Eine aktuelle bundesweite Studie* des Verbandes über den Bootsmarkt zeigt, dass in den letzten Jahren wieder mehr Neueinsteiger für den Bootssport gewonnen werden konnten. Aktuell gewinnt die Branche rund 7.000 – 7.500 Bootseigner jährlich hinzu. Weitaus größer dürfte die Anzahl derjenigen sein, die sich zunächst oder auf Dauer dem Chartermarkt zuwenden. Indikator hierfür ist die Anzahl der abgelegten Amtlichen Sportbootführerscheine Binnen und See. Zwischen 2006 und 2015 hat sich die Anzahl der erworbenen Führerscheine von 63.529 auf 81.049 (+ 27,6%) erhöht. Bootssport liegt also weiterhin im Trend.

Eine erfreuliche Entwicklung, die durch die bundesweite Kampagne für den Bootssport START BOATING weiter gefördert wird. 2016 haben rund 2.600 Personen den Bootssport auf einem der 7 Bootsevents kostenfrei ausprobieren können – und waren begeistert!

*Strukturen im Bootsmarkt – update 2016 unter: http://www.bvww.org/forschung/forschungsprojekte/strukturen-im-bootsmarkt/

Von den höheren Einstiegszahlen profitiert der Motorboot- stärker als der Segelbootbereich. 62% der rund 74.000 Neueinsteiger in den letzten 10 Jahren haben sich für ein Motorboot entschieden. Die Einstiegshürden (Ausbildung/Führerschein/ Erfahrung) werden im Motorbootbereich ganz offensichtlich als weniger hoch angesehen.

Auch wenn die meisten positiven Impulse zweifellos vom Binnenmarkt ausgehen, das Exportgeschäft bleibt für die deutschen Bootshersteller überlebenswichtig. Immerhin werden mehr als 80% der Bootsproduktion in das Ausland verkauft. Dank qualitativ hochwertiger und innovativer Produkte mit einem guten Preis-/Leistungsverhältnis konnten sich die deutschen Hersteller auf den Auslandsmärkten bestens behaupten. Insgesamt wurden im ersten Halbjahr 2016 1884 Motor- und Segelyachten im Wert von 135,1 Mio. Euro in das Ausland exportiert. Dies entspricht einem Zuwachs von 27,6% nach Stückzahlen und 3,2% bezogen auf den Wert.

Auch beim Export zeigt sich die weiter zunehmende Bedeutung des Motorboot-segmentes. Wertmäßig haben die Exporte von Motorbooten um 22% gegenüber dem Vorjahreshalbjahr zulegen können, bei den kleinen Motorbooten bis 7,5 m Bootslänge sogar um satte 52%. Der Export von Segelyachten ist im gleichen Zeitraum wertmäßig um 8,3% gesunken.

Gebrauchtbootmarkt

80% der Motorboothändler bezeichnen die aktuelle Geschäftslage als gleich gut oder besser als im Vorjahr. Im Segelbootbereich fällt die Bewertung mit 62,5% deutlich zurückhaltender aus. Gute und jüngere Gebrauchte sind inzwischen Mangelware und finden schnell einen neuen Eigner. Boote, die Jahrzehnte auf dem Buckel haben und in Design, Ausstattung und Komfort weit hinter modernen Booten zurückbleiben, erweisen sich hingegen immer öfter als unverkäufliche Ladenhüter.

Für die Unternehmen bleibt der Gebrauchtbootmarkt ein wichtiges Standbein, auch wenn längst nicht alle Boote über den Fachhandel verkauft werden. Rund 21.000 Boote und Yachten (nicht gerechnet Schlauch- und Kleinboote) stehen jährlich zum Verkauf und generieren einen Umsatz von rund 423 Mio. Euro.

Rund um das Boot

Die Marktsegmente Ausrüstung, Zubehör sowie Bootsservice und -wartung sind in der maritimen Wirtschaft wichtige Umsatzträger. Rund 680 Mio. Euro haben die Bootseigner 2016 in ihre Boote und Yachten investiert und damit das Vorjahresergebnis erreicht – trotz der Wetterkapriolen im abgelaufenen Jahr.

Brancheninsider wissen, dass die Wetterverhältnisse einen erheblichen Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung im maritimen Bereich haben. Das hat sich in diesem Jahr erneut bestätigt. Der frühe Ostertermin bei gleichzeitig kaltem und bis in den Vorsommer hinein sehr unbeständigem Wetter hatte bis in den Mai hinein zu Umsatzeinbußen geführt, die allerdings durch den annehmbaren Sommer und den überraschend guten Herbst ausgeglichen werden konnten.

Service- und Wartungsbetriebe dürfen sich also auch weiterhin über eine hervorragende Auslastung freuen. 92,5% der Unternehmen berichten von einer gleich guten oder besseren Geschäftsentwicklung im Vergleich zum Vorjahr. Im Bereich Ausrüstung und Zubehör beträgt dieser Wert rund 84%.

Maritimer Tourismus

Unbeeindruckt vom aktuellen Wettergeschehen blieb der Chartermarkt. Hier wird das Buchungsverhalten von den Vorjahresbedingungen beeinflusst. Und die waren insgesamt gut. Die Unternehmen vermelden dementsprechend sowohl im Inlands- als auch im Auslandsgeschäft Zuwachsraten. Dies gilt allerdings nicht für die Türkei, die von den Charterkunden aufgrund der sich weiter zuspitzenden politischen Verhältnisse gemieden wird.

Urlaub in Deutschland wird immer beliebter. Nicht nur die Deutschen selbst verbringen immer häufiger die schönsten Wochen des Jahres im eigenen Land, auch für Gäste aus dem Ausland, beispielsweise aus der Schweiz, gewinnen Urlaube in Deutschland ganz offensichtlich an Reiz. Davon profitieren sowohl die Charterunternehmen an der Küste als auch im Binnenland.

Im Bereich der Motorboot- und Hausbootcharter wirken sich zudem die inzwischen auch international konkurrenzfähigen Führerscheinbedingungen aus. Auf den Bundeswasser-straßen (Ausnahme Rhein) bleibt das Vergnügen bis 15 PS generell führerscheinfrei. Hinzu kommen rund 700 km touristisch besonders reizvolle deutsche Wasserstraßen in Berlin, Brandenburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt und im Saarland, die im Rahmen der Charterscheinregelung mit Booten bis zu einer Länge von 15 m führerscheinfrei gefahren werden dürfen.

Auch die Vermieter von Kanus und Kajaks sind mit dem Geschäftsjahr 2016 zufrieden. 82,6% der Unternehmen berichten von einem gleich guten oder besseren Geschäfts-verlauf als im Vorjahr.

Tauchsport

13 Jahre lang begeisterte die TV-Serie „Geheimnisse des Meeres“ (Erstausstrahlung 1969) im deutschen Fernsehen bei jeder Folge ein Millionenpublikum. Sie machte nicht nur den Verfasser und Meeresforscher Jacques-Yves Cousteau weltberühmt, sondern verhalf dem Tauchsport zu einem enormen Aufschwung. Inzwischen umfasst nach einer Studie*, die der Tauchsport-Industrieverband in Auftrag gegeben hatte, die deutsche Tauchgemeinde 406.000 Sporttaucher, 177.000 Intensivtaucher mit eigener Ausrüstung und 229.000 Gelegenheitstaucher, die mit geliehener Ausrüstung ihrem Freizeithobby nachgehen.

Auch wirtschaftlich fristet der Tauchsport längst kein Nischendasein mehr. Rund 120 Mio. Euro geben die Sporttaucher jährlich für ihre Ausrüstung aus, 67 Mio. Euro für Tauchkurse und Fortbildung sowie rund 590 Mio. Euro für Tauchreisen. Auf Europas größter Tauchsportmesse der boot Düsseldorf belegt die Branche mit rund 380 Ausstellern 20.000 qm Ausstellungsfläche.

*Tauchen in Zukunft – update 2014 unter: http://www.bvww.org/forschung/forschungsprojekte/tauchen-in-zukunft/

Ausblick

Die Unternehmen blicken weiterhin mit Optimismus in die Zukunft. Mehr als 90% der Betriebe glauben im Hinblick auf die kommende Wassersportsaison an gleichbleibende oder bessere Geschäfte. Lediglich 9% rechnen mit einer geringfügigen konjunkturellen Abschwächung.

Diese Einschätzung wird durch die weiterhin positiven wirtschaftlichen Rahmen-bedingungen in Deutschland untermauert. Mit 5,9% befindet sich die Arbeitslosenquote auf dem niedrigsten Stand seit 25 Jahren. Ein Wirtschaftswachstum von 1,5% sowie ein prognostizierter Anstieg der verfügbaren Einkommen von 2,9% im Jahr 2017 werden auch weiterhin für ein gutes Konsumklima sorgen.

Dennoch gibt es auch Risiken. Hierzu gehört auf internationaler Ebene die weiterhin steigende Staatsverschuldung in den Mittelmeeranrainerstaaten und damit einhergehend die Stabilität des Euro. Auf nationaler Ebene wird die zukünftige Entwicklung ganz wesentlich davon abhängen, welche Rahmenbedingungen die Bundesregierung für die zukünftige Entwicklung des Wassertourismus in Deutschland vorsieht.

Die maritime Wirtschaft blickt mit großer Sorge auf die sich abzeichnende Entwicklung. Einerseits möchte sich der Bund zumindest teilweise aus der Finanzierung der rund 2.800 km zu Nebenwasserstraßen herabgestuften Bundeswasserstraßen mit seinen 120 Wehr- und 140 Schleusenanlagen zurückziehen und sich dieser möglichst durch Entwidmung entledigen und andererseits sollen im Rahmen des Bundesprogramms „Blaues Band Deutschland“ Fließgewässer und Auen, insbesondere im Bereich der Nebenwasser-straßen, renaturiert werden.

Die weitere positive Entwicklung des Wassertourismus in Deutschland, und hier insbesondere in ländlichen und strukturschwachen Räumen, könnte durch diese Entwicklungen ernsthaft infrage gestellt werden.

Die Spitzenverbände aus Wassersport, Wassersportwirtschaft und Tourismus fordern daher Erhalt und langfristige Sicherung der Netzfunktion und der durchgängigen Befahrbarkeit der Bundeswasserstraßen und setzen sich für dafür ein, dass Ökonomie und Ökologie gleichermaßen gefördert werden.

Köln, den 1. Dezember 2016

 

Bundesverband Wassersportwirtschaft e.V. (BVWW)
Gunther-Plüschow-Straße 8
50829 Köln

Ansprechpartner: Jürgen Tracht

Tel.:       +49 221 59 57 115
Fax:       +49 221 59 57 110

mailto:   tracht@bvww.org
Web:     www.bvww.org

www.entdecke-wassersport.de
www.start-boating.de

Der Bundesverband Wassersportwirtschaft e.V. (BVWW) ist das wirtschaftspolitische Sprachrohr der Wassersportwirtschaft in Deutschland und setzt sich seit über 50 Jahren für die Belange der Branche auf nationaler und internationaler Ebene ein. Zu seinen Mitgliedern gehören Unternehmen und Verbände, die in der Wassersportwirtschaft gewerblich tätig sind. Der Verband ist ideeller Träger der weltgrößten Wassersportfreizeitmesse - der boot Düsseldorf - und sorgt gemeinsam mit der Messe für wichtige Impulse in der Wassersportbranche.

Cathrin Imkampe
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