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Ratgeber ungiftige Antifoulings

Foto: Bewuchs am Unterwasserschiff
Ein sauberes Unterwasserschiff während der ganzen Saison – das ist der Wunsch aller Eigner. Doch leider erlebt so mancher beim Auskranen im Herbst eine böse Überraschung: Der Rumpf ist voller Bewuchs und man hat neben dem Spott der Zuschauer auch noch viel zusätzliche Arbeit mit der mühevollen Reinigung.
Was heißt "Fouling"?
Fouling (engl.) heißt simpel übersetzt Bewuchs und man versteht darunter Wasserorganismen (z.B. Seepocken, Algen), die sich auf festen, unbeweglichen Unterwasseroberflächen festsetzen. Dabei wählen sie aber leider nicht nur Felsen, Steine oder Steganlagen aus, sondern auch Bootsrümpfe. Dies stellt für die Bootseigner ein beträchtliches Problem dar. Der Aufwuchs beeinflusst die Reibung und den Widerstand von fahrenden Schiffen, reduziert die Fahrgeschwindigkeit, sorgt für höheren Treibstoffverbrauch und treibt die Kosten der Bootsbesitzer in die Höhe.
Braucht mein Boot Antifouling?
Nicht jedes Boot benötigt zwingend einen Antifouling-Anstrich. Für Boote, die nur für eine kurze Zeit im Wasser verbleiben wie z.B. für Regatten oder einen kurzen Urlaubstörn, kann man sich die Zeit und Kosten für den Schutzanstrich sparen. Sollte sich dennoch ein Biofilm auf dem Rumpf gebildet haben, kann man diesen relativ leicht wieder herunterwaschen. Nur wenn den Wasserorganismen genügend Zeit zur Ansiedlung am Rumpf verbleibt, ist ein Bewuchsschutz sinnvoll.

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Ungiftige und trotzdem wirksame Antibewuchsanstriche gesucht
Der Giftstoff Tributylzinn (kurz TBT) ist für Antifoulinganstriche europaweit für alle Schiffe verboten worden, weil er durch seine giftige und hormonähnliche Wirkung starke Schädigungen von Meereslebewesen verursacht hat. Seitdem werden in Antifoulinganstrichen wieder vermehr Kupferverbindungen eingesetzt. Kupfer wirkt gut gegen den tierischen Bewuchs mit Seepocken, Muscheln etc. Gegen den pflanzlichen Bewuchs mit Algen werden zusätzlich organische Biozide eingesetzt, z.B. Diuron, Irgarol 1051 (s-Triazin), Chlorthalonil, Isothiazolin (Sea-NINE 211), Dichlofluanid und Dithiocarbamate. Diese Biozide sind ebenfalls bedenklich für die Meeresumwelt und daher in Schweden, Großbritannien und Dänemark bereits teilweise verboten. Auch für die giftigen Kupferverbindungen kann es durchaus zu einem EU-weiten Verbot kommen, die Frage ist nur, wann. Aus diesen Gründen haben die Hersteller von Antifoulingfarben (u.a. in Projekten mit WWF und LimnoMar) in den vergangenen Jahren intensive Anstrengungen unternommen, um völlig ungiftige Bewuchsschutzsysteme auf den Markt zu bringen.

Antihaftbeschichtungen
Bei Antihaftbeschichtungen wird der Bewuchs nicht durch einen Giftstoff verhindert, sondern beruht auf einem physikalischen Prinzip: Die Oberflächenspannung ist bei Silikonen, Wachsen und Teflon sehr gering und die unerwünschten Organismen können sich hier nicht festsetzen. Die bekanntesten und wirksamsten Vertreter dieser Gruppe sind die Silikonbeschichtungen. Mehrere Hersteller bieten diesen Beschichtungstyp an, der in der Großschiffahrt bereits eingesetzt wird.
Vorteile Professionell applizierte Silikone erzielen eine gute bis sehr gute Wirkung. Bei geringem mechanischen Einfluss kann eine Silikonbeschichtung bis zu 5 Jahre funktionieren.
Nachteile Wie alle Neuentwicklungen sind Silikone z.Zt. noch relativ teuer und können nicht selbst aufgebracht werden. Stattdessen sollte die Applikation durch eine professionelle Firma erfolgen. Diese Zusatzkosten rentieren sich nur, wenn eine Haltbarkeit von mehreren Jahren erzielt werden kann, in denen die Beschichtung allenfalls mit geringem Wasserdruck gereinigt werden darf. Da die Oberfläche der Silikone aber weich ist, trifft dies nur auf Schiffe zu, die: keinem Eisgang ausgesetzt sind, keine Grundberührungen haben, keinen direkten Kontakt mit Stegen, Dalben etc. haben, schonend gekrant und getrailert werden. Weiterhin ist die Entschichtung einer Silikonbeschichtung sehr aufwendig. Eine Überarbeitung von Schadstellen durch professionelle Firmen ist aber möglich.

Biozidfreie erodierende Beschichtungen
Bei der giftigen Variante der erodierenden Antifoulinganstriche löst sich die Oberfläche durch Hydrolyse im Seewasser auf und gibt nach und nach die Gifte ab (selbstpolierende Farben). Bei den biozidfreien Systemen wird dieselbe Matrix benutzt, nur wird das Gift weggelassen und stattdessen die Auflösungsrate erhöht. Angesiedelter Bewuchs fällt während der Fahrt ab, weil sich die Oberfläche der Beschichtung, auf der die Organismen haften, ablöst.
Foto: Bewuchs am Rumpf
Vorteile Erodierende Farben können genau wie die "Giftfarben" selbst per Rolle aufgetragen werden. Die Kosten der Farben sind vergleichbar, teilweise sind sie sogar noch etwas günstiger als ihre giftigen Verwandten. Mechanische Belastbarbeit und Entschichtung sind ebenfalls vergleichbar, wobei die Entsorgung von Waschwasser und Strahlgut unproblematisch ist, während dieser Punkt bei den biozidhaltigen Farben zum erheblichen Kostenfaktor werden kann.
Nachteile Da sich diese biozidfreien Farben schneller auflösen als die biozidhaltigen, müssen sie in einer höheren Schichtstärke aufgetragen werden. Für Sportboote mit 6-8 Monaten Einsatz sind drei Rollvorgänge ein Minimum! Wer an dieser Stelle spart, tut sich damit keinen Gefallen. Die Standzeit dieser Farben beträgt je nach Schichtdicke und Bootsaktivität 12-24 Monate. Dies ist für Sportboote aber in der Regel ausreichend.

Bewuchsschutz durch Strom
Mehrere Hersteller haben elektrochemische Systeme zum Bewuchsschutz entwickelt. Dabei wird in unregelmäßigen Abständen von einigen Minuten ein schwacher Strom durch den Schiffsrumpf geschickt. So werden die unerwünschten Organismen am Festsetzen gehindert, ohne dass die Meeresumwelt geschädigt wird.
Vorteile Diese Systeme sind umweltfreundlich, sie funktionieren effektiv und sind steuerbar, d.h. sie müssen nur dann aktiviert sein, wenn auch Bewuchs auftreten kann.
Nachteile Die Verteilung des Stroms über den Rumpf erfolgt über eine Titanfolie oder ein Stahl-Magnetband am Wasserpass. Zusätzlich muss an Bord ein Steuergerät installiert und über Kontakte verbunden werden. Die Installation ist aufwendig und insbesondere die Titanfolie ist teuer. Es kann sich aber für Neubauten um eine interessante Alternative handeln, wenn kostengünstige Materialien als leitfähige Schicht gefunden werden.
Bewuchsschutz durch "Hausmittel"
Im Sportbootbereich werden von einigen Eignern verschiedene "Hausmittel" auf Fettbasis eingesetzt, z.B. Bratfett, Melkfett, Penatencreme etc. Die Wirkungsweise ist quasi eine Kombination aus Antihafteffekt und erodierender Beschichtung. Damit kann eine ausreichende Wirkung für eine Saison von 4-6 Monaten erzielt werden.

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Es bleibt aber zu prüfen, ob diese Mittel wirklich so umweltfreundlich sind, wie sie zunächst erscheinen. Denn der abgegebene Fettfilm auf der Wasser- oder auf der Sedimentoberfläche beeinflusst das Ökosystem und kann als Sperrschicht die Sauerstoffnachlieferung aus der Atmosphäre verhindern. Bei einem intensiven Einsatz auf vielen Booten könnte dies die Bildung der sog. "Schwarzen Flecken" auf der Wattoberfläche hervorrufen.

Bewuchsschutz durch Reinigung
Reinigungsanlagen für Sportboote existieren bereits in zahlreichen Ländern. Auch in Deutschland wurden derartige Möglichkeiten untersucht. Die Ergebnisse lassen sich wie folgt zusammenfassen: Im Süßwasser ist eine Reinigung von Hartbeschichtungen und Antihaftbeschichtungen nach 2-5 Monaten mit 100 bar Wasserdruck problemlos möglich. Im Salzwasser ist eine Reinigung auf unbehandelten Hartbeschichtungen (Epoxy) nach einem Monat nicht mehr möglich. Beschichtungen mit Wachs- oder Fettüberzügen und auch Silikonbeschichtungen konnten dagegen noch nach sechs Monaten mit Schwamm und Wasserschlauch gereinigt werden. Es ist dabei zu beachten, dass die Oberfläche der Beschichtung nicht beschädigt werden darf. Entscheidender sind aber Fragen der Genehmigung und Wirtschaftlichkeit solcher Anlagen, die nur an der Küste oder an großen Binnenhäfen gewährleistet wäre. Derzeit existieren in Deutschland noch keine stationären Anlegen, sondern nur kleine "Handgeräte".

Quelle: www.wwf.de / www.limnomar.de

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