boot Ratgeber - Saisonvorbereitung & Bootspflege

Teil 3: Segel und Rigg

So machen Sie Ihre Yacht fit für eine gelungene Saison an Bord!



Heute sprechen wir über den „Motor“ von Segelbooten: Das Rigg und die Segel. Beides sollte stets gut gwartet und gut gepflegt werden um die Lebensdauer zu erhöhen, beide, Rigg wie Segel, halten aber auch bei allerbester Pflege leider nicht unbegrenzt.















Die meisten Segelboote, also die gängigen Serien- und Familienyachten, haben Alumasten und eine Verstagung aus Nirosta-Draht. Auch die Holzmasten älterer Schiffe sind meist mit Nirodraht verstagt. Und nun gehen die Meinungen auseinander. Die meisten Experten und Versicherungen raten dazu, das stehende Gut aus diesem Nirodraht, also Wanten und Stagen, alle 15 Jahre auszutauschen und zu erneuern. Immerhin sind es diese Drähte, die das Rigg auch bei härtestem Wetter oben halten.

Bei allen Vorteilen der unkomplizierten und pflegefreien, geschlagenen Nirodrähte bleibt ein gravierender Nachteil: Den wirklichen Zustand kann man von außen nur bedingt feststellen. Ein Vorstag, oder Achterstag, oder Want das von außen einwandfrei aussieht, kann dennoch von innen geschwächt sein und, bei viel Wind, einfach reißen. Die Folge ist klar, der Mast wird in 99 von 100 Fällen sofort über Bord gehen. Also: Vorsorge ist besser, als Nachsicht.

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Saisonvorbereitung Rigg & Segel - Foto: © TCCC / A. Wasem

Vorderstag-Spanner am Bug

Saisonvorbereitung Rigg & Segel - Foto: © TCCC / A. Wasem

Wantenspanner

Stehendes & Laufendes Gut

Reine Vorsichtsmaßnahme
Allerdings sei hier auch gesagt, dass es Fahrtenyachten gibt, die seit 20 oder 30 Jahren durch die Gegend segeln, ohne Mastbruch und ohne das stehende Gut jemals erneuert zu haben. Denn die 15-Jahres Empfehlung ist eine reine Vorsichtsmaßnahme und manch einer lässt es dann eben einfach drauf ankommen. Je nach Revier oder geplantem Törn sollte man sich das gut überlegen.

Die Alarmzeichen
Es gibt jedoch einige verräterische Hinweise, die uns verraten, wann wir die Drähte tatsächlich erneuern müssen. Marinus Liebherz, Inhaber der Yachtservice-Firma raumschoots.de, sagt dazu folgendes: „Vor dem Aufriggen im Frühjahr sollte man sich das stehende Gut genau anschauen. Sind die Drähte geknickt, etwa durch unsachgemäße Lagerung, sollten sie sofort ausgetauscht werden. Weitere Alarmzeichen sind Korrosion, Rostnasen also, die vor allem an den Terminals sichtbar werden, oder Drähte die sich, ebenfalls meist an den Terminals, aufdrehen.“

Saisonvorbereitung Rigg & Segel - Foto: © TCCC / A. Wasem

Ein Mast wird gesetzt

Saisonvorbereitung Rigg & Segel - Foto: © TCCC / A. Wasem

Zeit zum Austauschen

Saisonvorbereitung Rigg & Segel - Foto: © TCCC / A. Wasem

Umlenkrolle und Wantenspanner

Saisonvorbereitung Rigg & Segel - Foto: © TCCC / A. Wasem

Umlenkrollen am Masttop

Saisonvorbereitung Rigg & Segel - Foto: © TCCC / A. Wasem

Wanten sollten alle 15 Jahre getauscht werden

Wartung des laufenden Guts
Natürlich sollte man dann auch das laufende Gut, vor allem die Fallen, inspizieren. Diese schamfilen (seemännisch für ein unerwünschtes Scheuern von Tauwerk, Segeln oder anderen Ausrüstungsgegenständen, das zu vorzeitiger Abnutzung führt) oft an den Umlenkrollen im Mast oder an Deck, vor allem wenn die Rollen nicht mehr so richtig gangbar sind. Durch solche Scheuerstellen kann ein Fall auch geschwächt sein, aber bevor man das gleich komplett erneuert, reicht es oftmals schon, wenn man es einfach „umdreht“: Aus dem Mast ziehen – natürlich nur mit einer dünnen Sorgleine an der man es anschließend wieder hinein ziehen kann - , umdrehen und andersherum wieder einziehen. So kann man noch ein, zwei Saisons aus dem Tauwerk herausholen, bevor man es ganz auswechselt.

Wartung der Rollreffanlagen
Auch die heute weitgehend üblichen Rollanlagen für Vor- oder Großsegel sollten einmal im Jahr gereinigt, also mit Frischwasser ausgespült, und geölt werden. Dabei sollte man sich an die Empfehlungen und Hinweise der jeweiligen Hersteller halten. Hat man das Schiff schon länger oder gebraucht gekauft und keine Unterlagen mehr, ist das auch kein Problem – man kann von eigentlich jedem Hersteller die entsprechenden Handbücher oder Pflegehinweise aus dem Internet herunterladen. Generell sollte man zum Ölen ein leichtgängiges Öl (Nähmaschinenöl) benutzen und kein Fett, es sei denn es handelt sich um ein vom Hersteller mitgeliefertes oder empfohlenes Schmiermittel. Sonst besteht die Gefahr, dass die Kugeln im Lager mit der Zeit „klebrig“ werden und die Trommel insgesamt schwergängiger wird.

Saisonvorbereitung Rigg & Segel - Foto: © TCCC / A. Wasem

Gelegter Aluminiumast

Saisonvorbereitung Rigg & Segel - Foto: © TCCC / A. Wasem

Holzmasten brauchen Pflege

Saisonvorbereitung Rigg & Segel - Foto: © TCCC / A. Wasem

Beschlag an eiem Holzmast

Pflege der Masten
Die Masten und Spieren selbst halten dagegen, theoretisch, ewig – mechanische Beschädigung natürlich ausgenommen. Holzmasten müssen natürlich jährlich geschliffen und lackiert werden, Problemstellen hier sind überall dort, wo Beschläge angeschraubt sind, denn dort kann Feuchtigkeit in das Holz eindringen und für Rott sorgen. Alumasten dagegen sind komplett Wartungsfrei, man kann sie ab und zu mal polieren oder auch lackieren, mit entsprechender Grundierung, aber das dann nur aus rein kosmetischen Gründen. Auch hier: Einmal die Befestigungspunkte von Beschlägen nachsehen ob sich dort irgendwo Korrosion bildet.

Prüfung von Kabeln, Rollen und Blöcken
Wichtiger, wenn der Mast schon einmal gelegt ist, wäre es sich die Kabelverbindungen zu Lampen und Antennen auf dem Masttopp und anderswo anzuschauen und gegebenenfalls zu säubern und neu zu verschrauben. Ebenfalls sollte man auch hier die Gangbarkeit von Rollen und Blöcken prüfen, das hatten wir ja aber schon erwähnt.

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Segel: Der richtige Umgang mit dem Tuch

Die Segel sollten im Herbst alle abgeschlagen und rechtzeitig, also gerne schon im Herbst oder Winter, zum Segelmacher zum Durchchecken gebracht werden. Kleinere Abnutzungserscheinungen wird dieser entdecken und sofort reparieren, was deutlich günstiger ist als darauf zu „warten“, dass ein Segel erst wirklich kaputt ist. Die Nähte zum Beispiel können nach mehreren Jahren durch die UV-Einstrahlung schwach werden. Der Segelmacher kann dann einfach einmal darüber nähen, was natürlich einfacher ist als die Reparatur eines vielleicht schon gerissenen Segels. Auch Scheuerstellen im Tuch können lieber gleich verstärkt werden.
Saisonvorbereitung Rigg & Segel - Foto: © TCCC / A. Wasem

Gut verpackt...

Saisonvorbereitung Rigg & Segel - Foto: © TCCC / A. Wasem

...nach jedem Schlag...

Saisonvorbereitung Rigg & Segel - Foto: © TCCC / A. Wasem

...kommt das Tuch gut durch die Saison

Saisonvorbereitung Rigg & Segel - Foto: © TCCC / A. Wasem

Vorsegel bereit zum Setzen

Saisonvorbereitung Rigg & Segel - Foto: © TCCC / A. Wasem

Klar zu Auslaufen!

Umgang mit dem Tuch
Dacronsegel, aber auch solche aus modernen Folien, haben eine begrenzte Lebensdauer. Nach einigen Jahren verlieren sie ihre Form, was die Segelleistungen wirklich dramatisch beeinträchtigt. Zur Lebensdauer von Segeln lässt sich pauschal leider keine wirklich treffende Aussage machen, denn die hängt von vielen Faktoren ab – Art des Tuches, aber auch das Revier (intensive UV-Belastung oder nicht, mehr Stark- oder Schwachwind), wie viel tatsächlich gesegelt wird und letztendlich natürlich auch, wie pfleglich die Segel behandelt werden, beim Segeln (rechtzeitiges Reffen bzw. wechseln des Vorsegels) ebenso, wie im Hafen (verpacken unter Segelpersennigen als Schutz gegen Sonne, Regen und Schmutz).

 

Autor: Detlef Jens

Lesen Sie hier den 4. Teil der boot.de Serie zur Saisonvorbereitung - Holzarbeiten

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