Tauchen mit Kindern

Was, wenn Ihr Nachwuchs abtauchen möchte?

Tauchen mit Kindern - Foto: © Messe Düsseldorf / C. Tillmann
Dr. Anke Fabian ist Hyperbarmedizinerin am Druckkammerzentrum Heidelberg und Mitglied im Medical Board des Tauchernotrufs aqua med. Als zweifache Mutter kennt sie den Zwiespalt von leuchtenden Kinderaugen und möglichen Gefahren aus eigener Erfahrung. Denn das Tauchen mit Kindern stellt hohe Anforderungen an Eltern, Mediziner und Tauchlehrer.
Was müssen Sie beachten, wenn Ihr Nachwuchs gerne abtauchen möchte?
Nichts ist so verwirrend wie die Ausbildungsprogramme für Kindertauchen der einzelnen Tauchsportverbände: Da gibt es ab sechs Jahren das Schnorchelabzeichen Otter und Robbe, ab acht Jahren dann das (KTSA) Bronze, Silber und Gold oder Junior 1 bis 3-Stern, Scuba Rangers oder Discover Scuba Diving. Man spricht nicht von Tauchgängen sondern von »Aqua Missions«. Brevetiert werden dann der Bubblemaker, Sealteam, KTSA, JSD, JOWD, JAOWD, JRescue und JMSDT, ohne Discover Scuba Diver oder sogar Kinderspezialkurse. Da soll noch einer durchblicken! Provokativ gefragt: Wäre es da nicht einfacher die Altersgrenze anzuheben und alle auf ein Augenmaß des Junior Open Water Kurses zu bringen? Vielleicht ab zwölf Jahren? Aber so einfach ist es leider nicht. Kinder drängen mit Macht in den Tauchsport (manchmal drängen auch die tauchenden Eltern) so dass alle Beteiligten nur versuchen können, Kindertauchen so sicher wie möglich zu machen.
Kindgerechte Logistik
Das betrifft die Eltern, die Ärzte, die Tauchbasen und die Tauchlehrer. Es ist erstaunlich, dass bei der schulischen Bildung bei Kindern pädagogische Ausbildung und Geschick der Lehrer gefordert werden - sich dies im Tauchsport bei Kindern aber nur langsam als Pflicht durchsetzt. Prinzipiell darf jeder Arzt Kinder auf Tauchtauglichkeit untersuchen, jede Tauchschule darf Kindertauchen anbieten und jeder ausgebildete Tauchlehrer ohne Zusatzausbildung Kinder unterrichten.

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Aber wer stellt fest, ob die Beteiligten auch das notwendige Training, Wissen oder die Logistik für die besonderen Bedürfnisse von Kindern haben? Dafür gibt es leider keine Qualitätskontrolle. Weltweit mehren sich die Berichte von Unfällen - die meisten wären durch gründliche Erfassung der medizinischen Risiken, mehr Aufmerksamkeit oder einer kindgerechten Logistik vermeidbar gewesen.

Medizinische Aspekte
Kinder sind keine Miniaturausgabe eines Erwachsenen. Jedes kindliche Organsystem hat seine eigenen Entwicklungsabschnitte und jeder Kinderkopf seine eigene Reifungsgeschwindigkeit. Beim Tauchsport müssen die körperliche, emotionale und geistige Reife jedoch zusammenpassen und berücksichtigt werden. Dies ergibt einen höchst individuellen Entwicklungsstand, dem eine Altersangabe immer nur annäherungsweise gerecht wird. Eine Klassifizierung gemäß dem biologischen Alter ist bei Kindern aufgrund der großen individuellen Streuung schwierig. Die Verbände haben keine andere Möglichkeit als starre Altersgrenzen für den Eintritt in den Tauchsport festzulegen, wohl aber der Arzt, der die Tauchtauglichkeit im Einzelfall feststellt und in erster Instanz natürlich die Eltern.
Tauchtauglichkeitsuntersuchung
Bestenfalls wird die Untersuchung von einem tauchmedizinisch ausgebildeten Kinderarzt oder einem Taucherarzt, der Erfahrung mit Kindern hat, durchgeführt. Prinzipiell ist der Hergang der Untersuchung der gleiche wie beim Erwachsenen, richtet jedoch mehr Augenmerk auf den gesamten Entwicklungsstand mit Betonung auf psychische sowie intellektuelle Aspekte. Wesentlich ist, einen authentischen Tauchwunsch beim Kind herausfiltern zu können, das heißt, es darf nicht der Eindruck entstehen. Dass das Kind »gedrängt wird«. Sollte das Kind es nicht selbst wollen, braucht man die Untersuchung gar nicht erst zu beginnen. Laut einer belgischen Studie an 234 tauchenden Kindern wurden 12,4 Prozent aus ernsthaften gesundheitlichen Gründen als komplett untauglich erachtet. Aus diesem Grund ist eine gründliche ärztliche Untersuchung unerlässlich. Die Beantwortung eines medizinischen Fragebogens reicht hier definitiv NICHT! Solange die Kinder wachsen, sollte die Untersuchung jährlich wiederholt werden. Was muss genau untersucht werden? Natürlich der Hals- Nasen-Ohren-Trakt, der Zahnwechsel, Herz und Lunge, der Wärmehaushalt und der Skelettapparat. Genauso wichtig ist bei Kindern jedoch, ob die erforderliche geistige Reife, die Konzentrationsfähigkeit sowie die psychische Stabilität vorhanden sind. Und auf keinen Fall sollte derTaucherarzt die Frage vergessen: »Kannst Du schwimmen?«

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