Tauchen mit Kindern

Weitere medizinische Aspekte

Foto: Schnorcheln in der Karibik
HNO-Trakt - Durch die beim Kind noch horizontal verlaufende Eustach'sche Röhre (Tuba auditiva) und häufig geschwollene Rachenmandeln (Polypen) kommt es häufiger als beim Erwachsenen zuTubenbelüftungsstörungen mit Beteiligung des Mittelohrs. Probleme beim Druckausgleich treten dementsprechend häufig auf. Erst (durchschnittlich) im Alter von 14 Jahren sind die Tuben weitgehend ausgereift.
Der Zahnwechsel
Die Zähne sind eine oft vergessene Gefahrenquelle. Stolze Besitzer von Zahnlücken haben häufig noch andere Wackelkandidaten im Mund, die - wenn sie schon sehr locker sind - beim Biss auf das Mundstück schmerzen können, oder im schlimmsten Falle unter Wasser herausfallen und verschluckt oder sogar eingeatmet werden können. Aufpassen sollte man auch auf herausnehmbare Zahnspangen! Die Frage nach Wackelzähnen oder Spange kostet Taucherarzt und Instructor nur ein paar Sekunden.
 
Atmungsorgane
Lunge und Atemwege bergen bei Kindern besondere Risiken. Schon der harmloseste Infekt kann bei Kindern unter Wasser zu einer katastrophalen Situation mit Atemnot oder sogar einem Lungenbarotrauma oder Lungenriss führen. Zudem muss die Tendenz zur Hyperventilation oder Atemanhalten bei Kindern mit einkalkuliert werden. Die Lungen sind erst in etwa im zwölften Lebensjahr ausgereift. Folgende Punkte sind entscheidend:
• Die Entwicklung der Alveolen ist erst im Alter von acht bis neun Jahren abgeschlossen.
• Kinder haben einen erhöhten Sauerstoffverbrauch pro Kilogramm Körpergewicht.
• Kinder haben einen größeren anatomischen Totraum (Oberfläche der Atemwege ohne Gasaustausch) pro Kilogramm Körpergewicht.
• der kleinere Durchmesser der kleinen Bronchiolen mit erhöhtem Atemwiderstand und erhöhter Empfindlichkeit gegenüber Kältereizen.

Werde Mitglied im boot.club!

Mitglied im Club der boot Düsseldorf werden und sich damit exklusive Vorteile sichern.
Weiterlesen
Herz- Kreislaufsystem
Ein Kinderherz ist in der Relation zur Körpergröße kleiner als beim Erwachsenen und hat eine höhere Schlagfrequenz. Dadurch wird die Erschöpfungsgrenze schneller erreicht. Zudem besteht ein häufigeres Vorkommen eines PFO (offenes Foramen Ovale im Herz). Das PFO stellt einen natürlichen Kurzschluss zwischen dem rechten und linken Herzvorhof dar, der sich normalerweise nach Geburt verschließt, jedoch in 20 bis 30 Prozent der erwachsenen Bevölkerung offen bleibt. In manchen Literaturstellen wird die Häufigkeit bei Kindern unter zwölf Jahren sogar mit 40 bis 50 Prozent angegeben. Theoretisch betrachtet können Mikroblasen vom venösen in den arteriellen Blutkreislauf übertreten und zu einer Dekompressionserkrankung mit Embolien führen.

Skelettsystem
Sind Herz und Lunge schließlich ausgereift, beginnt die sensibelste und kritischste Phase des Knochenwachstums: der pubertäre Wachstumsschub (geschlechtsabhängig mit zehn bis 16 Jahren). Die Wachstumsfugen stellen in dieser Zeit das schwächste Glied des Skelettsystems dar. Schädigungen durch Überlastungen, durch eine inadäquate oder zu schwere Ausrüstung, beschwerliche Einstiege oder langes Tragen der Ausrüstung sind gefährlich, denn Störungen der wachsenden Knochenstrukturen können zu bleibenden Schäden des Skelettsystems führen. Sätze wie: »wenn Du tauchen willst, musst Du deine Ausrüstung auch selber tragen können«, sind in der Betreuung von tauchenden Kindern unangebracht.
Schnuppertauchen auf der boot - Foto: © Messe Düsseldorf / C. Tillmann
Thermoregulation
Die ungünstige Relation zwischen Körpermasse und Körperoberfläche (und weniger Unterhautfettgewebe) begünstigt bei Kindern sowohl eine schnelle Auskühlung als auch eine schnellere Überhitzung. Psychologie und Intellekt Im Umgang mit Kindern sollteman immer das Unerwartete erwarten. Kinder sind verspielt, handeln spontan, manchmal abenteuerlustig, manchmal eher ängstlich. So sollen Kinder ja auch sein. Leider haben aber manche dieser liebenswerten Eigenschaften unter Wasser keinen Platz und sind sogar gefährlich. Spontanität und Verspieltheit muss hier einer Zuverlässigkeit weichen um den, an der Oberfläche geplanten Tauchgang, unter Wasser auch konzentriert umzusetzen.

Dekompressionsphysiologie
Es gibt nur sehr wenig harte Daten über die Stickstoffaufnahme und Entsättigung bei Kindern. Dies ändert sich jedoch (traurigerweise - siehe Fehmarn 2010: Todesfall eines zehnjährigen Jungen und 16-jährigen Mädchens) in der jüngsten Vergangenheit durch die ansteigende Unfallrate bei Kindern. Medizinische Untersuchungen sollen das bestehende Risiko für den Tauchsport einschätzen und gegebenenfalls das Tauchverhalten im Rahmen einer eingeschränkten Tauchtauglichkeit anpassen. Bei Kindern kann das am Anfang nur ein »Kachelkurs« im Schwimmbad sein, im nächsten Jahr vielleicht eine abgegrenzte Zone im Flachwasser eines Sees oder an einem ruhigen, hellen sonnigen Strand im Meer.

Das heißt die ganz praktische Frage: »WAS und WO soll denn getaucht werden?« muss Bestandteil der medizinischen Einschätzung sein. Ein achtjähriger kleiner Taucher kann, in einer speziell für Kinder ausgerüsteten Tauchschule im Schwimmbad, positive erste Unterwassererlebnisse haben, wohingegen er beim Tauchkurs im Atlantik völlig überfordert wäre. Nach der tauchmedizinischen Untersuchung liegt es an derTauchschule und ihren Ausbildern, die Verantwortung zu übernehmen und sich selbst zu überprüfen, ob sie den Anforderungen in Bezug auf die lokalen Gegebenheiten sowie der Schulung der Tauchlehrer gerecht werden. Es gibt keine Kontrollinstanz außer dem wachsamen Auge verantwortungsvoller Eltern und dem Ehrenkodex und der Eigenkontrolle der Ausbildungsorganisationen.

Lesen Sie auch:
Tauchen mit Kindern - Praktische Fragen an Tauchschulen

Der boot.club

boot.club Mitglied werden und viele Vorteile sichern!
Weiterlesen

Besucher Service

Alle Informationen zur Planung deines boot-Besuchs.
Weiterlesen

Tauchen auf der boot

Alles rund um das Thema Tauchen auf der boot.
Weiterlesen