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Schiffbau mit Lupe und Pinzette - Saisonbeginn für Modellbauer
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Schiffbau mit Lupe und Pinzette - Saisonbeginn für Modellbauer
03.09.2004
Fischkutter "Adolf Reichwein"
Neu-Göhren - Mit ruhiger Hand und Pinzette richtet Manfred Ohnhold ein winziges, glänzendes Positionslicht am Deckshaus der "Adolf Reichwein" aus. "Genau wie beim Original", freut sich der 62-jährige ehemalige Seemann über sein Werk. Hunderte Kleinstteile aus poliertem Messing wird der Hobby-Schiffbauer noch an Plastikrumpf und Holzdeck anbringen müssen, bevor er mit dem Modell des alten Fischkutters zufrieden sein kann. Seit fünf Jahren fertigt Ohnhold in Neu-Göhren (Landkreis Ludwigslust) Bausätze für Schiffsmodelle sowie über tausend diverse Zubehörteile an. Bastler aus ganz Europa kaufen bei ihm ein.
Saisonbeginn im Herbst
Zum Herbst hin beginnt die neue Saison. "Wenn im Garten nicht mehr so viel zu tun ist, besinnen sich viele wieder auf ihre Bastelkisten und Hobbykeller", meint Ohnholds Lebens- und Geschäftspartnerin Gerlinde Naujoks. Die heute 61-jährige Handelskauffrau gründete Ende 1999 aus der Arbeitslosigkeit heraus die kleine Firma Elde-Modellbau. "Was gibts schöneres, als sein Hobby zum Beruf zu machen!" In der kühleren Jahreszeit haben die beiden Unternehmer alle Hände voll zu tun, um Nachschub an Bastelmaterial zu produzieren.

Ein breites Angebot
Zehn Schiffsmodelle - Schlepper, Frachter, Kutter, Dampfschiffe und ein Forschungsschiff - hat Elde-Modellbau mittlerweile als Bausatz im Angebot. Ohnhold kennt die Geschichte der Originale aus dem Effeff. So die des 17-Meter-Kutters "Adolf Reichwein" (Baujahr 1949), der vorm Stralsunder Meereskundemuseum ausgestellt ist. Oder die lange Historie des Hochsee-Dampfschleppers "Moulay Idris", der 1941 in Hamburg vom Stapel lief und heute noch in Marokko fährt.
Detaillreich und funktionstüchtig
Selbstverständlich seien alle Modelle voll funktionstüchtig. Beiboote könnten herabgelassen, Türen geöffnet, Winden gedreht und Lampen eingeschalten werden - Detailtreue sei ihr Markenzeichen, sagt Gerlinde Naujoks. Ferngesteuert ließen sich die kleinen Nachbauten fahren wie die Großen, mit Motor oder Dampfmaschine, ganz wie "in echt". Abnehmer gebe es in der gesamten Bundesrepublik, der Schweiz, Österreich, Italien, Spanien. Rund 5000 Modellbauer fänden sich in der Kundenkartei. Anfragen habe es aber auch schon aus den USA und China gegeben, sagt die Unternehmenschefin. "Modellbau ist zur Industrie geworden."
"Zu teuer für den Fachhandel"
Ein Jahr harte Arbeit sei nötig, um aus dem Original ein Modell von ein, zwei Metern Länge zu entwickeln, erklärt Ohnhold. Jedes noch so kleine Detail werde nach alten Bauplänen oder Fotos maßstabsgerecht nachgebildet, dann würden Urformen für die Serie hergestellt. So seien die liebevoll zusammengestellten Baukästen wie auch die selbst entworfenen und gegossenen Zubehörteile aus Messing, Bronze, Alpaka oder gar Silber und Gold für den Fachhandel zu teuer, gesteht Ohnhold. "Wir liefern den Mercedes unter den Modellbausätzen", sagt er. Zum Glück nutzten viele Bastler lieber edles, langlebiges Material anstelle von Plastik: "Wer richtig baut, nimmt Metall."
Ein neuer Markt
Inzwischen entdecken auch Eisenbahn-Fans das Geschick der Neu-Göhrener und bestellen gleich reihenweise Messingteile für ihre Modellbahnen - ein völlig neuer Markt für die findigen Mecklenburger. Laut Deutschem Verband der Spielwarenindustrie (DVSI) umfasst der Modellbaumarkt im Jahr etwa 260 bis 270 Millionen Euro. Hinzu kommt die Modelleisenbahn-Branche mit einem Jahresumsatz in Deutschland von rund 285 Millionen Euro (2002).
Quelle: dpa
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