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Mehr Oldtimer auf Bayerns Seen
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Mehr Oldtimer auf Bayerns Seen
07.06.2005
Münsing (dpa) - Trione ist Bernhard Döhlas große Liebe. Unzählige Tage und Nächte hat der 27-Jährige in den letzten acht Monaten mit ihr verbracht, sie immer wieder glatt geschliffen, eingeölt und nachts zugedeckt. Trione, Baujahr 1920, ist eine 13 Meter lange Segelyacht aus Holz.
Wie ein Fieber
Im vergangenen Jahr karrte der Umweltplaner aus Münsing (Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen) das knapp drei Tonnen schwere Boot mit einem Anhänger von Stockholm an den Starnberger See. "Als ich sie sah, musste ich sie einfach kaufen - es ist wie ein Fieber", sagte Döhla. Denn dieser 40 Quadratmeter große so genannte Schärenkreuzer ist nicht irgendein klassisches Segelboot. Döhla: "Das ist der Ferrari unter den Traditionsklassen."
Invasion historischer Boote
Auf dem Starnberger See ist in den vergangenen Jahren ein regelrechter Boom dieser selten gewordenen skandinavischen Traditionsklasse ausgebrochen. "Ende der 80er Jahre hatten wir nur noch zwei 40er auf dem See. Heute sind es 18", sagt Stefan Frauendorfer, Vorsitzender des Vereins Bayerische Traditionsklassenflotte. Frauendorfer gründete den Verein 1989 aus Sorge um die zunehmende Verwahrlosung alter Holzsegler auf dem Starnberger See. "Die Traditionsboote kamen immer mehr herunter, weil die Eigentümer das Interesse an ihnen verloren hatten." Inzwischen zähle der Verein mehr als 100 Mitglieder aus dem ganzen Freistaat. Die bis 1940 gebauten Boote verschiedener Klassen liegen auf dem Starnberger See, dem Chiemsee, dem Ammersee und dem Bodensee. "Es hat eine richtige Invasion von historischen Booten stattgefunden", stellte Frauendorfer fest.
Begeisterung steckt an
Der Grund dafür, dass sich die 40er-Schärenkreuzer am Starnberger See besonders schnell ausbreiteten, seien nicht etwa die besonders dicken Bankkonten der Starnberger Segler. Auf dem Chiemsee etwa liegen etliche neu gebaute Boote dieser Klasse. "Und die kosten viel mehr", sagt Frauendorfer. Einer der ersten Starnberger Segler, der in den 80er Jahren einen von seinem Vater geerbten 40er Schärenkreuzer sorgfältig renovierte, war er selbst. "Die Begeisterung hat andere angesteckt."

Gegen den Wegwerftrend
Ganz billig ist die Leidenschaft der Oldtimer-Fans freilich nicht. Bernhard Döhla hat mehrere Zehntausend Euro in Trione investiert, hinzu kommen jedes Jahr rund 5000 Euro für die Pflege des Bootes. Allein der Mast brauche bis zu dreizehn Lackschichten. Dennoch ist Döhla, der nebenberuflich ein Service-Unternehmen für Holzboote betreibt, überzeugt: "Es geht auch mit normalem Geldbeutel, wenn man viele Arbeiten selbst erledigt." Und das täten die meisten
Traditionsklassen-Segler, für die ihr Boot mehr sei als nur ein Gebrauchsgegenstand. "Wir richten uns gegen den Trend, Dinge zu kaufen, zu benutzen und einfach wegzuwerfen."
Holz soll quellen
Als Trione vor kurzem in den Starnberger See gehoben wurde, lief sie zunächst mit Wasser voll - zu dessen Entzücken: "Das Schöne am Holz ist, dass es lebt." Je länger eine Holzyacht auf dem Trockenen liegt, desto mehr schwinden die Planken - bisweilen so sehr, dass man zwischen den Ritzen hindurch sehen kann. Ist das Boot wieder im Wasser, quillt das Holz so lange, bis es gesättigt ist. Holzboote, die besonders lange im Freien lagerten und nach dem Zuwasserlassen unterzugehen drohen, werden deshalb mit Gurten aufgehängt.
Langlebiger als Plastik
Trotz des Arbeitsaufwands lohnt sich die Investition in die Oldtimer nach Angaben Döhlas langfristig. Im Gegensatz zu Plastikbooten ließen sich jene aus Holz Stück für Stück ausbessern. Auch sei Kunststoff - jahrelang das Nonplusultra unter den Materialen - nach maximal 40 Jahren weichgesegelt. Ein auf den Namen Gerd getaufter, 75 Quadratmeter großer Schärenkreuzer aus dem Jahr 1896 trete dagegen bis heute bei Regatten am Starnberger See an. Gegen gelegentlichen Spott weiß die Nostalgie-Fraktion sich zu wehren: "Die Plastiksegler nennen unsere Boote Mahagonisärge und wir ihre Joghurtbecher".
Sieg hat keine Priorität
Von letzteren ungestört können sich Trione und Gerd heuer vom 1. bis 10. Juli bei der Traditionsregatta Münchner Woche am Starnberger See mit anderen Oldtimern ihrer jeweiligen Klasse messen. Jedoch hat der Sieg für die traditionellen Regatta Teilnehmer nicht oberste Priorität: "Wer weiß, wie lange die Lackierung einer Holzplanke dauert, würde beim Start nie auf seinem Recht beharren", sagte Döhla.
Quelle: dpa
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