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"Unsere Ozeane" - Kinofilm zeigt die Unterwasserwelt

Interview mit Jacques Perrin


Woran denken Sie, bei dem Wort Ozean?
Da fallen mir sofort klangvolle Namen ein: Valparaiso, Vancouver, die Aleuten, Sansibar, Macao, Kap Hoorn, Freibeuter, Moby Dick. Da werden Träume von Abenteuern in der Ferne wach. Diese Namen machen Lust, spontan an Bord eines Schiffes zu gehen, das Gesicht in die Gischt zu halten, Stürmen zu trotzen...

Wann begann Ihre Leidenschaft für den Dokumentarfilm?
Nachdem wir „Z“ gedreht hatten, wollte ich in den 1970er Jahren mit Costa-Gavras einen Film zum Thema Umweltverschmutzung produzieren. Allerdings wurde mir sehr schnell klar, dass wir bei dem Tempo, mit dem unser Planet zugemüllt und verdreckt wird, kaum mithalten konnten. Der Film wäre noch vor seinem Kinostart von der Aktualität überholt worden.

Ist die Idee zu „Unsere Ozeane“ genauso alt?
Nein, die hatte ich vor etwa zehn Jahren. Wir befanden uns gerade in der Endphase der Produktion von „Nomaden der Lüfte“. Es sollte ursprünglich ein Spielfilm über einen Helden werden, der die Wale und die Weltmeere beschützt - inspiriert vom Leben des legendären Kapitäns Paul Watson. Aber dann drängten sich die Meeresbewohner zunehmend in den Vordergrund. Auch die Handlung wurde immer umfangreicher, und weil alle Standpunkte darin vorkommen sollten, kamen laufend neue Figuren hinzu: Seeleute, Taucher, Ozeanographen, Fischer, Richter, Umweltsünder. Plötzlich schien es unmöglich, dem Thema gerecht zu werden, weil der Ozean so viele unterschiedliche Gesichter hat. Aber hauptsächlich waren es die Lebewesen unter Wasser - eines bizarrer als das andere -, die unser Drehbuch aus allen Nähten platzen ließen. Wie sich zeigte, gibt es nicht den einen Ozean, sondern tausend unterschiedliche Ozeane! An dieser aufregenden Tatsache führte schließlich kein Weg mehr vorbei.

Arbeiteten Sie allein?
Nein, Jacques Cluzaud und ich hatten eine tolle, unbezahlbare Mannschaft: François Sarano, Laurent Debas und Stéphane Durand halfen uns, mit den Ozeanen vertraut zu werden und sie zu verstehen. Irgendwann stießen Yvon Le Maho und Laurent Gaudé zum Team. Als nach dreijähriger, sehr intensiver Zusammenarbeit das Drehbuch fertig war, hatten wir uns freilich in eine Sackgasse manövriert. Denn der Film, in dem die enge Verknüpfung der menschlichen Geschichten mit den Geschichten der Meeresbewohner eine Art gewaltiges impressionistisches Bildnis der Ozeane ergab, hätte dreieinhalb Stunden gedauert - definitiv zu lang! Wir mussten die Notbremse ziehen, was schmerzhaft war. Und fingen wieder von vorne an. Dabei stützten wir uns auf das, was uns am wichtigsten erschien - die Meeresbewohner. Sie sind die besten Fürsprecher der Ozeane.



Und nun auch die Stars Ihrer Dokumentation...
Es gibt kein besseres Mittel als das Kino, um zu informieren und anzuprangern, um Stellung zu beziehen und sich zu empören - ganz egal, um welches Thema es geht. Unsere Vorstellungskraft lenken Kino und Meer in gleichem Maße, und dank des Filters der Emotionen konnten sie hier eine wahre Symbiose eingehen. Natürlich sind wir nicht die ersten, die einen Film über das Meer gedreht haben. Aber es ging uns um etwas anderes: Wir wollten neue Empfindungen auslösen und wirklich grundlegende Kenntnisse über die Ozeane und ihre Bewohner vermitteln.

Können Sie die Arbeit an einem Dokumentarfilm ein wenig beschreiben?
Tier- und Naturdokumentationen sind Ausdruck eines kollektiven Engagements. Hier geht es nicht um das ICH, sondern um das WIR. Wer die Ozeane in ihrer Gesamtheit erfassen will, muss auf unterschiedliche Blickwinkel und Standpunkte setzen. Nicht umsonst heißt der Film im Plural „Unsere Ozeane“. Die Crew wurde nach und nach erweitert. Was uns zusammenschweißte, war nicht nur das Projekt selbst. Uns beschäftigten die gleichen Fragen und Zielsetzungen. Jeder brachte sein spezielles Talent ein, seine Kompetenzen, sein Engagement und auch seine Zweifel. Nicht nur hinsichtlich des dramaturgischen roten Fadens, der durch den Film führt, sondern im Bezug auf die nötigen technischen Innovationen, die Spezialeffekte, den Ton oder die Musik - und insbesondere auch die Art zu fi lmen.

Was meinen Sie damit?
Die Unterwasser-Kameramänner und die, die über Wasser drehten, mussten sich langsam in den Film einfühlen. Denn jeder hat seinen persönlichen Stil und seine eigene Art, sich den Tieren zu nähern - die mitunter sehr gegensätzlich sind. Jacques Cluzaud und ich hegten die Hoffnung, dass die Bilder, die sie filmten, uns zu Herzen gehen würden, und dass es den Kameraleuten gelingen würde, quasi mit den Bewegungen der Tiere zu verschmelzen, um jene flüchtigen Momente einzufangen, in denen sich ihre wilde Anmut offenbart.

Wo lagen die besonderen Herausforderungen?
„Unsere Ozeane“ ist ein ausgesprochenes Gemeinschaftswerk. Drei Jahre Schreiben und Planung. Dreharbeiten, die nahezu vier Jahre dauerten. Zahllose Fehlschläge, die aber letztlich halfen, uns über unsere Absichten klarzuwerden und die nötigen technischen Hilfsmittel zu vervollkommnen. Unter Wasser sind Kameramänner langsam und erreichen nicht annähernd die Geschwindigkeit von Fischen. Die Sichtweite beträgt selten mehr als 15 Meter. Trotzdem wollten wir das Leben und die Bewegungen der Meeresbewohner dokumentieren. Deshalb mussten wir innovative Techniken entwickeln und die Palette der Drehmöglichkeiten erweitern. Das nasse Element durfte die Bewegungsfreiheit der Kameras auf keinen Fall einschränken. Wir mussten den Tieren auf ihrem Weg durch diese dreidimensionale Welt überallhin folgen können.

Das ist Ihnen auf bewegende Weise geglückt.
„Unsere Ozeane“ ist mehr als ein Dokumentarfilm, gewissermaßen eine Oper der Wildnis. Und jeder von uns hat seinen Teil zur Partitur - dieser Hymne an das Meer - beigetragen.

Quellen: www.unsere-ozeane.de, www.universumfilm.de

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