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Ghana - die blauen Riesen </10.01>
Angelreisen weltweit
Ghana - die blauen Riesen
Sensationelle Fänge von Blauen Marlinen werden von der Westküste Afrikas gemeldet. Als absoluter Hot Spot hat sich Ghana gemausert.
In einigen US-amerikanischen Magazinen hatte man schon davon berichtet: Ghana an der Westküste Afrikas bietet wohl die beste Marlinfischerei des ganzen Kontinents - vielleicht sogar weltweit. Ich kam in den Genuss, die Fischerei vor Ort mit dem bekannten deutschen Big Gamer Jörg-Dieter Haselhorst sowie dem IGFA-Repräsentanten Johan Zietsman - beide Mitbesitzer der Lodge - auszutesten. Nach ersten Versuchen 1996 mit sensationellen Fangerfolgen ließ sich der gebürtige Südafrikaner Johan Zietsman 1997 fest in Ghana nieder, um das Revier genauer auszuloten.
US-amerikanischer Standard
Innerhalb von anderthalb Jahren konnte Zietsman sage und schreibe 15 Blue Marlin von je über 800 Pfund an die IGFA (International Game Fish Association) melden. Ein tolles Ergebnis! 1999 gründeten dann Haselhorst und Zietsman die "Blue Marlin Fishing Charters Ghana", um besonders den heiß gewordenen amerikanischen Big Gamern das Fischen in diesem Marlin-Paradies zu ermöglichen. Um US-amerikanischen Standard auf der Lodge zu schaffen, wurden bekannte Skipper und Mannschaften aus den USA selbst, von den Azoren und von Australien herangeschafft.
Stattliche Pfunde
Auch der berühmte Skipper Les Gallagher fährt nun von Ghana aus - und zwar mit der 12,50 Meter langen "Harmattan". 50 Prozent aller Bisse erfolgen von Fischen über 500 Pfund und 25 Prozent der gefangenen Blue Marlin wiegen über 600 Pfund. Auch auf meinen Testfahrten hatten wir viele Bisse und Fische. Interessanterweise sind die Fische vom Gewicht her oft wild gemixt. So habe ich Ausfahrten erlebt mit bis zu fünf gefangenen Marlinen, die zwischen 180 und 850 Pfund wogen.

Selbstverständlich werden prinzipiell alle gefangenen Schwertträger wieder zurückgesetzt, nachdem sie für wissenschaftliche Zwecke markiert worden sind (tag & release). Lediglich die wenigen Fische, die im Drill verenden, werden mitgenommen. Die einheimische Bevölkerung nimmt diese mit großer Freude entgegen, denn proteinreiches Fleisch ist heiß begehrt.
Warum diese Marlin-Massen?
Im Gegensatz zu den meisten Marlin-Revieren auf der Welt erstreckt sich die Saison in Ghana über neun Monate. Lediglich im Juli, August und September sind kaum Marline vorhanden. Vermutlich ziehen sie Richtung Osten nach Bom Bom Island/Sao Tomé, wo zu dieser Zeit dann Hochsaison ist. Vor Ghana scheinen Marline auch direkt am Grund zu fressen, was Magenuntersuchungen von toten Tieren gezeigt haben. Für die Freiwasserräuber eine eher ungewöhnliche Ernährungsmethode. Zwar weiß man noch nicht viel über das Verhalten der Schwertträger, nimmt aber an, dass die Gewässer vor Ghana zu den Laichplätzen gehören. Außerdem finden sich vor der Küste aufgrund von konstanten Strömungen und Windrichtungen gewaltige Konzentrationen an Futterfischen. Wahrscheinlich sind es mehrere dieser Gründe, die für diesen enormen Marlinbestand verantwortlich sind.

Schwer beeindruckt
Ich habe schon sehr viele Marlin-Reviere auf der ganzen Welt besucht, aber nirgends begegneten mir so aggressive Schwertträger wie vor Ghana. Ein Grund dafür, dass das Verhältnis zwischen Natur- und Kunstköder beim erfolgreichen Hakensetzen nach einem Biss nahezu gleich ist. Ich muss schon sagen, selbst einen erfahrenen Big-Game-Hasen wie mich hat Ghana schwer beeindruckt. Diese Menge an Bissen und großen Fischen habe ich vorher noch nirgendwo erlebt. Einziger Wermutstropfen: Aufgrund des hohen Standards liegen die Charterpreise bei 1300 US-Dollar den Tag. Zwar können vier Angler fischen - mit sehr guten Aussichten, dass jeder seinen Fisch fängt - aber für europäische Verhältnisse ist es trotzdem eine Menge Geld.
Lange Angeltage
Dafür wird, neben den vielen Marlinen, aber auch einiges geboten. Die Angeltage sind mit zehn Stunden länger als anderswo. Nicht, weil die Anfahrtswege zu den Fischen so lang sind, sondern weil die Skipper möglichst viel Fläche abfischen möchten. Normalerweise laufen die Boote morgens gegen 7.30 Uhr aus und erreichen nach einer Stunde die etwa 170 Meter tiefen Fanggründe. Angelgerät muss keiner mitbringen. Vom 20- bis zum 130-Pfund-Gerät ist alles an Bord beider Schiffe - top gepflegt und durchgängig mit Shimano-Rollen bestückt. Auch für Köder, natürlich sowie künstlich, ist ausreichend gesorgt.
Afrikas Westen
Von Deutschland aus geht's direkt von Frankfurt nach Accra, Ghanas Hauptstadt, in gerade mal 6 1/2 Stunden. Auch die Zeitverschiebung ist kaum der Rede wert: minus zwei Stunden (während unserer Sommerzeit). Das tropische Klima beschert ganzjährig Temperaturen zwischen 22 Grad Celsius nachts bis 31 Grad am Tage. Große Teile Ghanas sind flaches, bewaldetes Land, während der Rest mit goldenen Stränden und Mangrovenwäldern aufwartet. Die Regenzeit, die aber keineswegs durchgängig Regen bringt, erstreckt sich von Mai bis Oktober. Die Trockenzeit von November bis April. Im Süden grenzt das Land an den Atlantik, der dort relativ ruhig ist - was den Wellengang angeht.
Angeln für Entdecker
Ghana gilt als eines der politisch stabilsten Länder Afrikas und sicher für Touristen. Medizinisch betrachtet steht die Malaria-Vorsorge im Vordergrund. Außerdem eine Impfung gegen Gelbfieber, die für Einreisende nach Ghana vorgeschrieben ist. Das 4-Sterne-Hotel "Manet Paradise Beach Hotel" liegt gleich neben der Angellodge und gilt als sehr komfortabel. Dort finden Gäste einen Schwimming-Pool, ein gutes Restaurant sowie klimatisierte Zimmer. Vom internationalen Flughafen der Hauptstadt Accra sind es mit dem Taxi gerade mal anderthalb Stunden bis zum Hotel. Für Entdeckernaturen bietet sich ein Angeltrip zum nahe gelegenen Fluss Volta an. Der zum großen Teil noch unerforschte und angelmäßig überhaupt nicht erschlossene Fluss beherbergt Stachelmakrelen, Zackenbarsche, Barrakudas und Haie! Das Manet Paradise Beach Hotel veranstaltet auf Wunsch Angeltrips dorthin.
Bericht: Alessandro Giangio
Quelle: Rute & Rolle











