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Reportagen & Portraits

Initiative SHARK-PROJEKT - Interview mit Gerhard Wegner (5. Teil)

 
 

Ihr Ziel ist der Artenschutz der Haie.

GW: Wir wollen verhindern, dass die Haie weiter ausgerottet werden. Laut einer Studie der Universität von Halifax haben wir im Nordatlantik einen Rückgang von Hammerhaien von 89 Prozent, bei anderen Haiarten sind es ungefähr 70 Prozent und das in den letzten sechs Jahren!

Kommunizieren Sie bezüglich dieses Themas auch mit dem Umweltministerium?

GW: Wir haben vor einigen Wochen eine Information über eine neue Studie an das Verbraucherministerium geschickt. Dort ging es um ein neues Verfahren, das Schwermetalle feststellen kann. Damit haben wir eine beachtliche Menge Methylquecksilber, eines der stärksten biologischen Gifte, im Hai nachgewiesen. Diese Auswertung haben wir nach Berlin geschickt und bisher noch keine Antwort dazu bekommen.

Was hat das Gift für eine Auswirkung?

GW: Methylquecksilber ist ein Nervengift und durchdringt im Gegensatz zu den meisten anderen Giftstoffen auch die Hirnbarriere, was als Folge einer Störung der Synapsenverbindungen zu Koordinationsstörungen, Erinnerungsverlust und Lähmungen führt.

Und bisher sind Sie auf kein Interesse gestoßen?

GW: Wir mussten feststellen, dass Haie keinen interessieren, in Deutschland und auch weltweit nicht. Das schlimmste Erlebnis hatte ich letztes Jahr. Es gibt jedes Jahr zwei SHARKPROJECT Auszeichnungen, den "Shark Guardian of the Year" und den "Shark Enemy of the Year". Letzteren haben im letzten Jahr die Malediven "gewonnen". Bei einer Nachbesprechung saß ich mit dem Umweltminister der Malediven zusammen, um über die Ursachen zu reden und die Diskussion wurde sehr laut. Irgendwann brachen wir die Unterhaltung ab. Zum Abschluss meinte er, wenn es keine Haie mehr gibt, gibt es immer noch Wellness-Tourismus auf den Malediven. Ein ziemlich zynischer Abschluss, als er hinzufügte, er habe am Vorabend in Berlin Haifischsuppe gegessen und wir sollten erst einmal vor unserer eigenen Tür kehren, womit er leider Recht hatte.


Der Walhai kann bis zu 14 Meter lang werden, ist der größte Hai der Meere und ein reiner Planktonfresser

Aber wir sind auch im eigenen Land engagiert, zum Beispiel mit unserer Kampagne "Stop Sales" und das mit Erfolg. Sowohl Lidl, Nordsee als auch Edeka haben auf Grund der Methylquecksilber-Ergebnisse ihre Produkte bereits zurückgezogen. Manche zeigen Unverständnis wie beispielsweise die Karstadt-Gruppe. Zurzeit gibt es weltweit nur drei Haiarten, die auf CITIES-Liste sind - und das noch im Anhang 2, was nur bedeutet, dass sie im eigenen Land gefangen, jedoch nicht exportiert werden dürfen. Bei der aktuellen Situation haben Haie keine Chance mehr. Die Politik kommt hier wieder mal viel zu spät und das mit unabsehbaren Folgen für das Meer. Wir gehen dahin, die Verbraucher aufzuklären. Bei der Lidl-Aktion haben wir es geschafft, dass 40.000 Leute bei Lidl angerufen haben und sie daraufhin Hai-Produkte zurückgenommen haben. Es gibt also eine wachsende Lobby für Haie.

Auch wenn man sich jüngste Dokumentarfilme anschaut, verändert sich etwas. So ein Film besteht nicht nur aus Zähnen und Leuten, die zerfleischt aus dem Wasser zurückkommen, sondern man sieht intelligente Tiere mit einem normalen, artgerechten Verhalten. Mein Ziel ist es, dass man mir in zehn Jahren ein müdes Grinsen entgegenbringt, wenn ich erzähle, dass ich mit Weißen Haien tauchen war.

 
 


Die letzten Könige der Meere an den Ketten profitgieriger Haifischer

Sie haben mir ein Bild geschickt, auf dem ein Hai eine sehr stark verletzte Schnauze hat. Wie ist das passiert?

GW: Diese Wunden werden von Robben verursacht. Man denkt immer, dass Weiße Haie Robben fressen, aber in Wirklichkeit fressen Haie genau dasselbe wie Robben, nämlich Fische. Ab und zu frisst der Hai eine Robbe, wenn sie krank ist, aber eigentlich sind Robben viel zu schnell und agil. Die weiblichen Robben paaren sich gleich nach der Geburt der Jungen erneut. Der Same verbleibt vier Monate im Körper des Weibchens, bevor erneut Eier befruchtet werden. Nach weiteren acht Monaten kommt die nächste Generation junger Robben auf die Welt.

Zum Zeitpunkt der Paarung kommen demnach Weibchen, junge Robben und die ansonsten wandernden Bullen an einem Fleck zusammen. Da sind leicht mal 50.000 Tiere auf der Robbeninsel Gyser Rock versammelt. Wenn zu diesem Zeitpunkt ein Hai kommt, um sich ein Junges zu holen, wird er von einem Schwarm von Robbenbullen attackiert, dass ihm Hören und Sehen vergeht. Die Folgen eines solchen Angriffs haben Sie auf dem Foto gesehen.

Haie haben es also teilweise auch richtig schwer. Wir haben schon Sachen erlebt, das glaubt man kaum. Einmal haben wir einen Hai gefilmt, während auf der Wasseroberfläche ein Pinguin schwamm. Da haben wir mit den Kameras natürlich drauf gehalten, weil wir dachten, dass wir jetzt sehen werden, wie so ein Pinguin gepflückt wird. Aber der Hai schwamm einfach am Pinguin vorbei. Stattdessen schoss der Pinguin auf den Hai zu und pickte ihn in den Kopf, worauf der, wie von der Tarantel gestochen, wegschwamm. Haie sind auch nur Menschen ...

Weiterführende Informationen:
www.Stop-sales.com
www.sharkprojekt.com

Quelle: www.free-magazin.com

Weitere Hintergründe:
Haie - Vorurteile und wahre Fakten

 
 


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