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Russland unter Segeln – Siljas und Jans Fazit (Seite 2)

Rund Ostsee für Schweinswale

Russland unter Segeln – Siljas und Jans Fazit (Seite 2)

Tragflügelboot vor St Petersburg
Tragflügelboot vor
Sankt Petersburg

Wichtige Dokumente:

  • Crewlisten (sollte man in ausreichender Anzahl haben, sie werden nach Belieben eingesammelt)
  • Kopie des Reisepasses des Skippers
    (Visum-Seite auch kopieren!)
  • Kopie des internationalen Bootsscheines
    (ein Eigentumsnachweis ist zwingend erforderlich! Ein in Deutsch geschriebener Kaufvertrag mit Übergabeprotokoll kann zu Problemen führen!)
  • Sollte man nicht mit der eigenen Yacht unterwegs sein, braucht man eine Bestätigung des Eigners, dass man mit der Yacht unterwegs sein darf
    (ggf. Chartervertrag)

Es gilt alle Unterlagen im Original dabei zu haben und schlauer Weise macht man sich mehr als eine Kopie zur Weitergabe. Trotz des Bürokratismus oder gerade deswegen, verschwinden auch schon mal Kopien, so dass man alles doppelt auf den Tisch legen darf...

Als weitere Besonderheit sollte man bei der Einreise berücksichtigen, dass viele Russen kein Englisch sprechen. Und das trifft leider auch auf die russische Coastguard zu. Insofern ist die Hörwache auf Kanal 16 (oder dem jeweiligen Kanal, der vorgegeben ist) zu verstärken. Die russische Coastguard ruft einen oft auf russisch ohne auch nur den Schiffsnamen zu erwähnen oder das Wort „sailing yacht/vessel“. Selbst wenn man versucht zu agieren und die russische Coastguard von sich aus ruft, kann es passieren, dass man keine Antwort erhält. Wichtig ist für die Anreise nach Baltijsk: Man ruft sechs Seemeilen vor Baltijsk auf Kanal 74 „Baltijsk Traffic“ und bittet um Erlaubnis zum Einfahren. Hörbereitschaft ist weiter auf Kanal 74 einzuhalten. Das Einklarieren erfolgt an Pier 81. Diese ist extra für kleine Schiffe mit Holz verkleidet und entsprechend flach, so dass ein Anlegen problemlos auch mit kleinen Yachten möglich ist.

Central River Yachtclub Sankt Petersburg
Central River Yachtclub Sankt Petersburg

Für die Anreise nach St. Petersburg sollte man die Hinweise der Kreuzer Abteilung zwingend beachten. D.h. nahe Gogland „Velboot“ auf Kanal 16 rufen und das mit einer gewissen Intensivität, denn sofort antworten sie nicht. Bei Kronstadt ist dann „Granit“ auf Kanal 6 zu rufen und danach geht es direkt zum Terminal D – zum Einklarieren. Aber, das sollte man auch berücksichtigen: es ändert sich ständig etwas. Insofern macht es Sinn sich kurz vor der Reise noch einmal zu informieren und ggf. über Funk sich den Einklarierungspier bestätigen zu lassen. Wir haben oft auch im Funkverkehr einen „Übersetzer“ gehabt: eine russische Segelyacht oder den Pilot oder St. Petersburg Traffic. Bekommt man keinen Kontakt zur russischen Coastguard so bietet es sich an, St. Petersburg Traffic um Übersetzungshilfe zu bitten. Denn, tritt man nicht rechtzeitig mit der russischen Coastguard in Kontakt, dann kommen sie wirklich in einem kleinen Schnellboot vorbei gedüst und kommen recht zügig an Bord. Das ist sicher nicht sehr schön, aber auch nicht dramatisch. Je nach Schiffsgröße kommen dann drei bis vier Beamte an Bord, die einige formale Angaben abfordern. Nach ca. einer halben Stunde ist der Spuk dann wieder vorüber. In der Regel spricht einer der Beamten ein paar englische Wörter, so dass die Kommunikation irgendwie funktioniert. Auch das Gerücht, dass die Russen gerne mit Alkohol versorgt werden, können wir nicht bestätigen. Vorsichtig haben wir ihnen etwas zu essen und zu trinken angeboten, doch es wurde jedes Mal höflich abgelehnt.

Für uns können wir festhalten, dass Russland in jedem Fall eine Reise wert war. Sicher noch ein Stück Abenteuer. Kaliningrad ist deutlich europäischer als St. Petersburg. Hier findet man zwar keine pompöse und außergewöhnlich attraktive Stadt, dafür eine Bevölkerung, die unheimlich gastfreundlich und offen ist. Die Umgebung von Kaliningrad - die kurische Nehrung, sowie die Küste um Pionersk, Crantz und Rauschen - ist landschaftlich ausgesprochen hübsch. Der Hafen des Kaliningrader Yachtclubs ist wunderschön gelegen, bietet aber leider kaum Platz für Gastyachten. Zudem ist der Hafen sehr weit von der Innenstadt Kaliningrads entfernt. Der stadtnahe Hafen bietet bisher wenig Luxus, es gibt Strom und Wasser an Schwimmstegen. Abgesehen von den vorbeifahrenden Motorbooten liegt man relativ ruhig, Lärm kommt von der nahegelegenen Straße und den Hafenanlagen sofern Schiffe be- und entladen werden. Aber man ist anscheinend dabei, den Hafen und insbesondere seine Facilities auszubauen. Hieß der Hafen bei uns noch Fishboat-Marina so war der Name eine Woche später schon wieder hinfällig – der Eigentümer hat gewechselt. St. Petersburg ist ebenfalls auf jeden Fall eine Reise wert. Hier ist alles gigantisch, alles prunkvoll und imposant. Bisher ist für ausländische Schiffe vorgeschrieben: Es darf nur der Central River Yacht Club angelaufen werden. Hier bekommt man leider wenig Kontakt zu russischen Seglern, die keine Millionäre sind. In diesem Hafen liegen viele Motoryachten von nicht bescheidener Größe. Die sanitären Einrichtungen entsprechen in keinem Fall den Millionärsyachten, sie sind sehr schlicht gehalten. Dennoch liegt der Hafen nicht ganz unpraktisch. Unweit vom Hafen befindet sich eine Bushaltestelle, an der Bus Nr. 7 hält, der bis in die Innenstadt fährt.

Wir sind froh auf unserer Ostseerunde Russland nicht ausgespart zu haben. Auch wenn die russische Mentalität der europäischen doch etwas fremd ist, so haben wir nette Menschen kennengelernt, eine andere Kultur erleben dürfen und viel zu sehen bekommen, sowohl in St. Petersburg als auch in Kaliningrad. Wer beim Ostseesegeln nicht nur typische Sportboothäfen, Schären oder europäischen Luxus erleben möchte, dem können wir eine Reise nach Russland nur empfehlen. Sie ist durchaus eine Bereicherung für uns gewesen.

Weitere Bilder & Infos gibt es im Logbuch auf: ein-tierischer-segelsommer.de

Alle Rund Ostsee für Schweinswale Berichte auf boot.de im Überblick

 
 

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