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Borkum - Von der Seeräuberinsel zum Nordseeheilbad </06.04>

Nord- & Ostsee

Borkum - Von der Seeräuberinsel zum Nordseeheilbad


Emden (dpa/lni) - Vor Jahrhunderten waren es Seeräuber und Freibeuter, die im Kampf gegen Spanien auf Borkum einfielen oder Unterschlupf suchten. Heute erleben die Bewohner nur noch friedliche Invasionen. Für Touristen ist die westlichste und größte der sieben ostfriesischen Nordseeinseln ein Urlaubsparadies: Natur pur auf 36 Quadratkilometern.

Zwei bis drei Prozent weniger Übernachtungen
Kurdirektor Johannes Cassens sieht in dem seit 1850 bestehenden Nordseeheilbad vor allem Vorzüge als Familieninsel: «80 bis 85 Prozent unserer Gäste übernachten in Ferienwohnungen. 2002 hatten wir rund 222 000 Gäste bei 2,4 Millionen Übernachtungen.» Der 47 Jahre alte Insulaner nennt weitere Vorteile Borkums: 26 Kilometer bewachter Strand, 130 Kilometer ausgebaute Wege und die Möglichkeit, mit dem Auto auf die Insel zu kommen. Trotz der Konjunkturflaute rechnet der Kurdirektor mit höchstens zwei bis drei Prozent weniger Übernachtungen im Jahr 2003. Cassens: «Wir haben viel in die Qualität investiert, und darum bleiben die Zahlen auch auf hohem Niveau.»

Borkum nahes Ziel für Tagesausflüge
Für zahlreiche Ostfriesen ist Borkum auch ein nahes Ziel für den Tages- oder Wochenendausflug. Die Insel liegt vor der Haustür und lockt mit gesundem Hochseeklima und Kilometer langen Stränden. «Wir und unsere Kegelfreunde kommen auch im Herbst, weil man hier so gut wandern kann», bestätigt Johann Janssen am Anleger der Borkumfähre im Emder Außenhafen. Eine Besonderheit der Insel sind die insgesamt vier Leuchttürme. Allein den neuen Leuchtturm mit 60 Metern Höhe besuchen nach Angaben der Stadt jährlich rund 100 000 Besucher. Die Seezeichen zum Schutz der Schiffe erinnern gleichzeitig daran, dass auch die Insel den Gewalten des Meeres ausgesetzt ist. Weil das Eiland, wie alle ostfriesischen Inseln, von Wind und Strömung Richtung Osten wanderte, wurde Borkum im Westteil mit Buhnen, Steinen und Beton befestigt. «Jetzt liegt die Insel sozusagen vor Anker», erzählt der Ordnungsamtsleiter Reinhard Kaib.

Kampf gegen Windkraftanlagen
So stolz die Borkumer auf ihre maritimen Bauwerke sind, so vehement kämpfen sie gegen Windmühlen an: In Sichtweite der Insel sollen gegen den Willen vieler Bewohner Windkraftanlagen ins Meer gebaut werden. «Viele Besucher finden Ostfriesland nicht mehr so schön, seitdem es dort fast überall Windenergieanlagen gibt. Weil wir fast ausschließlich von Tourismus leben, wollen wir diese Spargeltarzane hier nicht haben. Durch die gesetzlich vorgeschriebenen Warnblinkanlagen sieht das dann in der Dunkelheit aus, wie Disco auf See», meint der Kurdirektor. Dass die Insulaner Kämpfernaturen sind, beweisen nicht zuletzt die Walknochen aus dem 17. und 18. Jahrhundert, die noch heute als Teil von Gartenzäunen auf der Insel zu sehen sind. Auch Strandräuber waren auf Borkum heimisch, weiß Reinhard Kaib zu berichten: «Noch im 19. Jahrhundert sollen Pastoren von der Kanzel gesprochen haben: Gott segne unseren Strand».

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