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Tauchen in der Salzsuppe

13.07.2004


| Totes Meer |
Tauchen in der Salzsuppe
Das typische Bild vom Toten Meer: Menschen, die wie in einer Wiege an der Oberfläche liegen. Über 30 Prozent Salz sorgen dafür, dass man hier kaum untergehen kann. Ein Unterwasser-Team hat es dennoch geschafft - und tauchte auf 459 Meter unter Normalnull.

17, 18, 19, 20 Kilogramm.
20 einzelne Bleistücke beschweren den weit sitzenden, taschenbewehrten Arbeitsoverall, dessen einziger Zweck die Gewichtszunahme seines Trägers ist. Die passenden Bleistücke werden vor Ort eigens gegossen. Kein Neopren darunter - das Wasser ist warm genug und es würde nur für unerwünschten Auftrieb sorgen. Nun noch der Gürtel um die Hüften - nochmal 18 Kilogramm. Die 15-Liter-Stahlflasche auf den Rücken, ein weiteres gutes Dutzend Gewichtseinheiten. Die Ränder des Gesichtsfeldes verschwinden hinter dem schwarzen Silikon der Dräger-Vollgesichtsmaske. Dann der beschwerliche Weg zum Wasser. Die Flossen an die Füße, irgendwie, dann kann es losgehen. Auf ein paar Meter Tiefe versuchen wir, uns auszutarieren, was erstaunlich schnell vonstatten geht: Das Tote Meer ist von unserem guten Zentner Zusatzgewicht nur mäßig beeindruckt. Nur Fotograf Thomas Mattner ist etwas irritiert: Sein F5-Gehäuse, das ihn normalerweise nach unten zieht, baumelt mitsamt der Blitze wie ein Luftballon über ihm.

Dennoch, es geht abwärts.
Die UW-Landschaft ähnelt zunächst den Geröllhalden in einem Gebirgssee. Allerdings in einem mit schlechter Sicht, denn der Horizont verschwindet heute nach rund fünf Metern in einem schlierigen Dunst. Erst unterhalb von 15 Meter Tiefe beginnen die Salzkristalle, nach denen wir auf der Suche sind, alles mit einer scharfkantigen Kruste zu überziehen: Felsbrocken, Ankerseile, vereinzelte versunkene Holzmasten und alte Autoreifen - alles wird von diesen Kristallen in einen glitzernden Panzer geschlossen.

"Wie in einer Tasse Tee"
Moti Gonen, einziger Schiffsbetreiber am Toten Meer und Chef der ortsansässigen Marine Services & Underwater Works, hat eine überraschende Erklärung für das Entstehen der Kristalle: »Es ist wie in einer Tasse Tee: Ein Löffel Zucker, zwei oder drei lösen sich noch auf. Aber spätestens nach dem zehnten ist Schluss. Und wenn das Wasser des Toten Meeres mit Salz gesättigt ist, dann kristallisiert es.« Und er weiß auch, warum die Salzkristalle dieses Jahr erst in relativ großer Tiefe auftreten und nicht wie sonst schon an der Oberfläche alles überziehen. Einmal in zehn Jahren, so erzählt er, regnet es in der Region mehr als sonst. Dann steigt der Spiegel des See Genezareth, der mit dem Toten Meer durch den Fluss Jordan verbunden ist. Und dann öffnen die israelischen Behörden einige Schleusen, Süßwasser fließt ins Tote Meer und drängt die Salzkristalle in die Tiefe.

Je größer die Tiefe, desto größer auch der Salzgehalt. Ist die Sättigungsgrenze des Wassers überschritten, bilden sich Salzkristalle aus. Foto: Lars Brinkmann.
459 Meter unter Normalnull
Wir müssen also für Salztaucher-Verhältnisse relativ weit hinunter. Kein Problem, das Tote Meer hebt unser Übergewicht auf. Nur die schlackernden, viel zu weiten Hosenbeine, die durch die bleibewehrten Beintaschen nach unten gezogen werden, bleiben ungewohnt. Bei 42 Meter ist Schluss. Macht nach Adam Riese 459 Meter unter Normalnull, denn die Oberfläche des Toten Meeres bildet mit -417 Metern den tiefsten begehbaren Punkt der Erde. Solide Kristallstrukturen erstahlen im Blitzlicht - hier unten sind sie von einer festen, scharfkantigen Konsistenz, weiter oben fühlen sie sich eher bröselig an.

Mission accomplished
»Wie Tauchen in Salatöl«, sagt der Fotograf und meint damit den schmierigen Film auf seiner Haut. Die erste Sorge gilt nun der Ausrüstung, die penibel von der Salzlauge gereinigt wird. 24 Stunden Süßwasser-Bad empfehlen die Israelis für das Equipment, denn das Salz findet unter hohem Druck auch den verstecktesten O-Ring. Erst dann wäscht eine Dusche das »Salatöl« vom Körper.

Quelle:
www.unterwasser.de

 
 
 

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