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Die Bona Fide - ein Schmetterling in Paris </09.05>
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Die Bona Fide - ein Schmetterling in Paris
Die "Bona Fide" ist wieder in Ihrem Element. Sie wurde 1899 von Charles Sibbick entworfen und auf der Isle of Wight gebaut. Nun wurde sie von der Werft Cantiere Navale dell'Argentario für den Cerida Yachting Club wunderbar restauriert und erneut zu Wasser gelassen.

Ein Jahrhundert Yacht-Geschichte
Die Argentario Sail Week 2003 in Porto Santo Stefano (Italien) war einmal mehr ein unvergleichliches Ereignis. Nicht zuletzt, weil Olin Stephens höchstpersönlich das Ruder der "Bona Fide" befehligte. Der berühmte Segler und Yacht-Konstrukteur aus New York bemühte dabei die Kommandosprache der "Ranger", die unter seiner Führung den America's Cup segelte. Die "Bona Fide" wurde als beste Restaurierung des Jahres prämiert – eine Jahrhundert-Geschichte des Yachtings quasi im Doppelpack.
Vorläufer modernen Yachtdesigns
Die "Bona Fide" ist eines der ersten Boote mit einem Flossenkiel und weist die gleichen Merkmale auf, die heute, 104 Jahre später, die Boote des America's Cup auszeichnet. Schon vor mehr als 100 Jahren ahnte man also, in welche Richtung das Yacht-Design führen würde. Die "Bona Fide" ist heute vermutlich die einzige Zeugin aus jener Zeit. Sie ist ein Schmuckstück aus Holz, so mächtig getakelt, dass der Vergleich zum Schmetterling nahe liegt. Eindeutig ein für damalige Verhältnisse futuristischer Entwurf. Tatsächlich hat das Boot nur über wenige Jahre hinweg an Regatten teilgenommen, dafür aber umso erfolgreicher. Zu ihrem Silber gehört die Goldmedaille der Olympischen Spiele 1900 in Paris.
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Persönliches Engagement
Die Wiedergeburt der "Bona Fide" ist das Verdienst von Doug Peterson, Liebhaber historischer Yachten und Designer von Booten wie der "Luna Rossa". Er machte die italienische Kultur- und Sportvereinigung Cerida Yachting Club auf die "Bona Fide" aufmerksam. Der Club, der schon 1999 den Kutter "Cerida" aus dem Jahre 1938 der italienischen Werft Cantiere Navale dell'Argentario zur Restaurierung anvertraut hatte, entschied sich angesichts des schwierigen Projekts – nur ein Rumpf in äußerst schlechten Zustand war von dem Klassiker übrig – wieder für das bewährte Unternehmen. Cantiere Navale dell'Argentario hatte sich auch mit weiteren hervorragenden Restaurierungen von Booten wie "Nyala", "Dorade", "Lynnet" und "Stormy Weather" international einen Namen gemacht.
Aufwendige Recherche zur Vorbereitung
Eine penible historische Recherche förderte Details und alte Fotos für die Rekonstruktion des Bootes zutage. Die Werft konnte auf der Grundlage dieser Recherchen die Arbeit aufnehmen, musste trotzdem manch schwierige Entscheidung treffen, um das Boot originalgetreu neu zu erschaffen, so wie es 1899 Charles Sibbick gebaut hatte. Der Plan, das Boot zu bauen, reifte im September 1899 heran, als J. Howard Taylor bei Charles Sibbick Entwurf und Aufriss für ein Boot zur Teilnahme an Mittelmeerregatten in Auftrag gab. Sibbick zeichnete und baute das Boot innerhalb eines Monats in seiner kleinen Werft Albert Yard in Cowes. Ende November 1899 berichtete Yachting Monthly mit einem Foto vom Stapellauf darüber.

Taufe am Mittelmeer
Kurz darauf wurde das Boot nach Honfleur geschickt und erreichte auf dem Schienenweg Nizza. Hier wurde es auf den Namen "Bona Fide" getauft, dem Leitsatz entsprechend, nach dem Regatten gesegelt wurden: "Auf Treu und Glauben". In Beaulieu wurde "Bona Fide" schließlich aufgetakelt und für die anstehenden Regatten vorbereitet. Es war die einzige Regattasaison, an der die "Bona Fide" wirklich teilnahm. Die Ergebnisse, die sie erzielte, waren erstklassig. Von Februar bis Mai errang sie bei den Regatten von Toulon, Cannes, Monaco und Nizza Sieg um Sieg. Die größte Herausforderung jedoch sollte wenige Wochen nach dem Start in Nizza auf sie warten: die Teilnahme an den Olympischen Spielen, die 1900 im Rahmen der Weltausstellung in Paris stattfanden.
Olympia in Paris als Höhepunkt
Sportarten des Wettkampfs waren unter anderem Athletik, Radfahren, Fechten, Tennis und die Kategorie Wassersport, zu der Ruder- und Segelregatten (in sechs Klassen) gehörten. Die Regatten wurden vom französischen Yachtverband und vom Yachtverein Paris organisiert, der die Tonnage und das Reglement festlegte. Die offiziellen Akten, herausgegeben vom Ministerium für Handel und für das französische Post- und Telegrafenwesen, bringen unter dem Titel "Concours Internationaux d'Exercices Physiques et de Sports" kuriose Details, u.a. die Preise betreffend, zutage: Die Spanne reicht von 600 Francs für Gold in der Boots-Klasse bis eine Tonne über 8000 Francs in der Klasse 10 bis 20 Tonnen bis hin zu wertvollem Sèvres-Porzellan und Gedenkplaketten.
Olympiaerfolg gegen acht Konkurrenten
Im Mai 1900 legte die "Bona Fide" also im ruhigen Wasser der Seine in Meulan an. Das Organisationskomitee hatte sich für den Ort entschieden, da das Becken mit 300 m Breite für fast alle Klassen geeignet war. Nur die Boote der größten Kategorie segelten in Le Havre, da die Seine nicht genügend Tiefe hatte. Taylor schrieb die "Bona Fide" in der Klasse 5 bis 10 Tonnen ein, zu der sie wegen der Größe der Segelfläche und des Kielgewichts zu rechnen war. In der gleichen Kategorie starteten acht weitere Boote. Die "Bona Fide" gewann klar.

Erster Eignerwechsel und weitere Siege
1901 verkaufte J. Howard Taylor die "Bona Fide" an Giovanni Brambilla. Im selben Jahr nahm er gemeinsam mit Fazio Dal Pozzo mit dem One Ton "Dai Dai III" am Cercle de la Voile de Paris teil, welcher daraufhin One Ton Cup genannt wurde. 1903 bis 1905 segelte der neue Eigner vereinzelt Regatten an der Côte d'Azur mit. 1907 gewann er bei der Regatta in Carate am Comer See Gold, obwohl er mit 32 Minuten Verspätung gestartet war. Im September 1908 schlug die "Bona Fide" im Match Race die "Milzi", zwei Tage später, am 9. September, erreichte sie bei der Regatta Bellano-Colico-Lecco-Bellano wiederum als Erste das Ziel und gewann das Preisgeld von 100 Lire.
Erste Veränderungen
Giuseppe Brambilla vermachte die Yacht seinem Enkel, dem Grafen Giovanni Lanza di Mazzarino, einem Nachkommen des italienischen Schriftstellers Alessandro Manzoni. Von da an sah man sie nicht mehr aktiv im Regattageschehen. Erst 1937 nahm sie an einer Regatta in Belgirate am Lago Maggiore teil. 30 Jahre hörte man nichts mehr von dem Boot, bis es 1962 an Jacopo und Cesare Pellegrini verkauft wurde. Die beiden Brüder brachten die "Bona Fide" nach Lezzeno am Comer See und gaben bei der Werft Cantiere Mostes Restaurierungs- und Änderungsarbeiten in Auftrag. Unter anderem wurde die Yacht vom Gaffelkutter zur Sloop umgetakelt, die Kajüte umgebaut, der Kiel um 400 kg entlastet. Drei Jahre später wurde das Boot an Gianluigi Gini verkauft. Mit dem neuen Eigner zog es nach Pescallo am Comer See um und bekam 1975 ein neues Teakdeck.
Restaurierungspläne
Bis 1993 war es still um das Boot geworden. In diesem Jahr kam es zur Werft Cantiere Dalò, wo es zur vollständigen Restaurierung komplett zerlegt werden sollte. Diese Arbeiten wurden jedoch nie begonnen. Jahrelang war der Rumpf dort auf Stapel gelegt. Auf diesem Stapel in einem Lager sah es Doug Peterson 1999.
Die technischen Daten der Bona Fide im Überblick
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