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Teil 1: Von den Toten erwacht - Ein Erlebnisbericht

Rolex Sydney Hobart Yacht Race

Teil 1: Von den Toten erwacht - Ein Erlebnisbericht


 
 


Zu Hause: Nach dem Rennen habe ich in einer alten Zeitung eine Rolex-Werbung entdeckt:

    "DIE REGATTA DAUERT NUR EIN PAAR TAGE. ABER ES FÜHLT SICH AN WIE EINE EWIGKEIT. Das Sydney Hobart Yacht Race ist die anspruchvollste Regatta der Welt. Der Kurs führt über 628 Seemeilen durch vier sehr unterschiedliche Abschnitte der Tasmanischen See. Jeder einzelne ist auf seine Weise bedrohlich und Furcht erregend. Tückische Untiefen, wechselnde Winde und ein unbarmherziges Wetter verlangen vom Skipper eine perfekte Taktik und von der Crew perfekte Anpassungsfähigkeit. Zum 60. Jahrestag dieser Regatta verbeugen wir uns vor all denen, die mit ihrem Kurs über die Jahrzehnte hinweg Geschichte geschrieben haben."
Ich staunte, als ich diese Zeilen las. So viel Wahrheit in einer Werbung!

 
 

29.12.2004, 7:45 Uhr

Von den Toten erwacht
Etwas ist verändert. Ich habe tief geschlafen. Das erste Mal seit 60 Stunden. Noch bevor ich die Augen aufmache, spüre ich die veränderte Stimmung. Ich schaue in salzverkrustete, völlig erschöpfte Gesichter, Die Toten sind wieder auferstanden und können sogar lachen. Rick Nankin, Chef von North Sails South Africa, ist wieder da. Er lag zwei Tage unter Deck, ohne zu sprechen, zu trinken, zu essen, ohne irgendetwas zu machen. Hartwig funkt auf Channel 16: "This is VINETA. Where can we moore the boat?" Pause. "VINETA! This is Simon Fräser, Cruising Yacht Club of Australia. Welcome to Eden. Now, you're safe. Do you have any injured people that require medical assistance?"

Ein Blick auf den "Port of Eden"
Der Motor geht an. Ich gehe an Deck. Zwischen den tief ziehenden, schwarzen Wolken zeigt sich kurz die Sonne. Die winzige Sturmfock geht an Deck. Es bietet sich ein Blick auf den "Port of Eden". Die Natur und das Licht erinnern an Norwegen. Hohe Klippen, viel Wald, langer Sandstrand. Der winzige Fischerort an der südöstlichen Ecke Australiens, am Eingang zur sagenumwobenen Bass Strait, wirkt etwas trostlos. Im Hafen liegen große Fischertrawler, ein Schnellboot der australischen Küstenwache und ein betagter Weltumsegler. An Land stehen riesige Öltanks. Und dann liegen dort vielleicht 30 Boote mit dem grünen, meist zerfetzten Rolex-Sticker am Bug. Hier liegt RAGGAMUFFIN, die Farr 50, zweifacher Gewinner des Rennens. Oder ASPEN 1, der um 17 Fuß verlängerte alte Volvo-Ocean-Racer, INNOVATION KVAERNER, dessen Deckschale sich teilweise vom Rumpf gelöst hat. Am Steg wartet Simon Fräser. Schon 51 der 116 Yachten haben das Rennen aufgegeben. Er erzählt vom Schicksal der beiden Supermaxis SKANDIA und KONICA MINOLTA.


Die siegreiche NICORETTE VON LUDGE INGVALL/SWE. Das Gross im Reff, der Rumpf zur Hälfte aus dem Wasser - es fehlt nicht mehr viel und die Jungs heben ab

Mischung aus Erleichterung, Erschöpfung und Enttäuschung
An Bord herrscht plötzlich Betriebsamkeit. Das Chaos unter Deck wird beseitigt. Segel und die mit Diesel getränkten Polster werden an Deck gebracht. Bodenbretter werden rausgenommen und Hartwig begibt sich erneut auf die Suche nach der Ursache des Diesellecks, ich brauchte eine warme Dusche und einen Espresso. Ich habe keine Lust aufzuräumen. Das Rennen ist vorbei. Wir haben Zeit und das Bein schmerzt. Eine Welle hatte mich in der Nacht durchs Cockpit geschleudert, Kai am Steuer von den Beinen geholt. Die Stimmung an Bord ist eine merkwürdige Mischung aus Erleichterung, Erschöpfung und Enttäuschung. Beim Skipper Felix Scheder-Bieschin überwiegt die Enttäuschung.

Jeder hat seine eigene Story
Im Hafen gibt es ein Café. Es ist voller Segler. Man sieht ihnen die Erschöpfung der letzten drei Tage an. Keiner wollte hier sein. Ihre Familie, trockene Sachen, alles wartet in Hobart. Jeder hat seine eigene Story. Die beiden Italiener sind Semiprofis. Sie waren an Bord einer First 40.7, der CHANCELLOR. Sie warten auf den Bus, der sie zurück nach Sydney bringt. Ihr Skipper, ein Anwalt aus Sydney, hat sie sitzen lassen. Er will sogar Geld zurück, weil sie es nicht bis Hobart geschafft haben. Sie schimpfen auf alle Anwälte der Welt und den Rest der Crew, die komplett seekrank gewesen war.

 
 

"No more going south!"
Am anderen Tisch sitzt die Crew von STRATCORP NINETY SEVEN. Irgendwer hatte den falschen Schalter umgelegt. Durch den Kurzschluss ist unter Deck ein Feuer ausgebrochen, das Elektronik und Motor zerstört hat. Im dritten Hobart mussten sie zum zweiten Mal Eden anlaufen. Einstimmig wurde beschlossen, beim Hobart nicht mehr an den Start zu gehen. Man wolle künftig nur noch nach Norden segeln ("No more going south!"), dort wird es wenigstens wärmer.

Vorbereitung hilft nicht…
Wir hätten wissen sollen, was uns erwarten kann. Wir kannten die Bücher über das 98er Rennen, als ein furchtbarer Sturm in der Bass Strait explodierte und sechs Segler mit ihrem Leben dafür bezahlten. Wir dachten, wir wären auf dieses Rennen vorbereitet. Nun sitzen wir in Eden.

Quelle: Sailing Journal
Homepage: www.sailing-journal.de

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