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Teil 5: Gedanken an die Rettungsinsel

Rolex Sydney Hobart Yacht Race

Teil 5: Gedanken an die Rettungsinsel




 
 

28.12. 10:30

"Wir brauchen mehr Eimer?" Ich finde noch zwei in der Heckklappe. In den nächsten Minuten werden andauernd volle 15-Liter-Eimer hochgereicht. Irgendwer ruft plötzlich "Schöpfkette". Die Kette funktioniert, aber die Stimmung unter Deck ist beunruhigend, irgendwie hektisch. Kai schreit, dass die vordere Luke vor dem Mast aufgemacht werden soll. Ich schaue mich um, keiner der Anwesenden ist scharf auf diesen Job. Auch ich bin von der Idee, aus dem Cockpit zu müssen, nicht begeistert. Frage mich, ob es Sinn macht, da vorne etwas zu öffnen, wenn das Vorderdeck dauernd überspült wird. Ich öffne die Luke und sehe Kai in der vorderen Dusche im Wasser stehen. Er reicht einige Eimer bis zu dem Moment hoch, als eine Welle einsteigt und die Klappe zusammen mit 100 Liter Wasser zuschlägt.

 
 

Gleiten mit neun Knoten ohne Segel
Wir ändern den Kurs Richtung Vorwind und nehmen das Sturmsegel runter. Ohne jegliches Segel laufen wir mit den Wellen und machen neun Knoten Fahrt, kommen teilweise auf den Wellen ins Gleiten. Ich bekomme Angst, als ich den Bug sehe. Er ist normalerweise eineinhalb Meter aus dem Wasser, jetzt sind es vielleicht noch zehn Zentimeter. In jeder Welle taucht das Vordeck unter Wasser.

Gedanken an die Rettungsinsel
Ich rufe Richtung Cockpit, dass sie Segel nach hinten stauen sollen. Ich denke das erste Mal an die Rettungsinsel und daran, dass wir vielleicht 80 oder 90 Meilen vom Land entfernt sind. Wir checken das Sailcompartment am Bug, ein etwa 1.500 Liter fassender, karbonschwarzer, leerer Raum zwischen dem Schott, der vorderen Kabine und dem Bug. Es ist voll Wasser!

Noch zwei Tage bei diesen Bedingungen?
Irgendwie schaffen wir es, das Wasser aus dem Boot zu schöpfen. Es hätte bei schlechteren Bedingungen auch knapp werden können. Der Laptop ist ausgefallen und wir haben deshalb keine Wetterdaten. Skipper Felix will weitermachen. Noch 200 Meilen gegen den Wind bis Hobart. Wir kennen den Grund für den Wassereinbruch nicht wirklich. Was ist mit dem schwankenden Kiel? Wir diskutieren unsere Situation. Es wird eine sehr leise Diskussion, sie dauert vielleicht 20 Minuten. Wir haben Respekt vor der Natur. Es sind 120 Meilen bis Eden, etwa 16 Stunden unter Sturmfock. Wer hat noch die Kraft, zwei Tage bei diesen Bedingungen durchzuhalten? Wir drehen um. Kurs Eden.


Die Crew bringt sich im Rettungsboot in Sicherheit. Auch das ist keine ungefährliche Angelegenheit - bei 10 bis 15 Meter hohen Wellen

Ausgang in gedämpfter Euphorie
Ludde Ingvall, Skipper der siegreichen NICORETTE, wird nach diesem Rennen von den härtesten zwei Tagen seiner Segelkarriere sprechen. Stewart Thwaites, Skipper der durch¬
gebrochenen Supermaxi KONICA MINOLTA, wird sagen: "Every year I say it's my last one, but probably l'll be back." Crant Warrington, Skipper der gekenterten SKANDIA, wird nach dem Rennen sagen: "l'll be back. This is a great race, isn't it?"

Text: Philipp Kadelbach gehört zu einer alten Berliner Segelfamilie aus dem Verein Seglerhaus am Wannsee. In den 90'ern war er im 470'er Olympiakader, war 2002 dt. Vizemeister im Matchrace und gewann die Kieler Woche im Beneteau 25. Der 31jährige lebt und arbeitet als Rechtsanwalt in Berlin - Mitte.
Fotos: Carlo Borlenghi/Rolex und Daniel Forster/Rolex gehören beide zu den weitbesten Fotografen und sind das ganze Jahr auf den Rolex-Regatten dabei.

Quelle: Sailing Journal
Homepage: www.sailing-journal.de

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