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Sardinien - Wenn aus Lämmern Löwen werden </09.05>

Mittelmeer

Sardinien - Wenn aus Lämmern Löwen werden

Ein unkonventionell-persönlicher Erfahrungsbericht über Leute, Land, Geschichte und Segelrevier Sardiniens, und über Gavino Ledda, dem Literatur-Nobelpreisträger.

 
 


 
 


Der spezielle Spezialmotor meines weißen Lotus Esprit schnurrt wie eine Katze, während ich auf dem Weg von Olbia nach Porto Cervo die Serpentinen souverän und in Rekordzeit nehme. Verwitterte Felsen gleichen Skulpturen von Ernst Barlach und Henry Moore, tückische Klippen, verwunschene Buchten und Strände, Inseln wie hingeworfen und smaragdgrünes Meer ziehen an mir vorbei. Eine Hand lässig am Steuer, die andere auf dem bezaubernden Knie von Anya Amasova, meiner russischen Verbündeten im Kampf gegen den fiesen Stromberg, lasse ich meinen Gedanken freien Lauf. "Klaut dieser Schurke doch einfach zwei Atom-U-Boote, bedroht die ganze Menschheit und ich muss mal wieder den Karren aus dem Dreck ziehen. Diesmal also Sardinien - auch gut." Im Hotel "Cala di Volpe" angekommen, schlendere ich kurze Zeit später in einem extrem chicken Smoking durch eine Suite, deren Buchung den englischen Steuerzahler locker 3000 Pfund die Nacht kosten wird. Anya kommt mit einem Hauch von Nichts bekleidet aus dem Bad, schlägt ihre Arme um meinen Hals, lächelt mich an und sagt in einem verwirrend barschen Ton, der keine Widerrede zulässt: "Klar zur Wende?"

 
 


"Wach auf, Blödmann"...
"Wach auf, Blödmann", höre ich meine Freundin im Hier und Jetzt auf ihre charmante Art sagen. "Du siehst wirklich sexy aus, wenn du schnarchst und dir ein bisschen Sabber aus dem Mundwinkel läuft." "Echt?", frage ich überflüssiger Weise und ernte Sekunden später einen ihrer typischen Augenverdreher. Willkommen in der Realität.

Neosardisch - der fast typische Baustil
Neben der Tatsache, dass der Veranstalter dieser Flottille mein Freund ist, sein Sohn mein Patenkind, meine Freundin mit dabei, ein anderer Freund mit seinem Freund gerade Zeit hatte, unsere befreundeten Nachbarn nicht Nein sagen konnten sowie zwei nette Unbekannte, die beim Vortreffen einen freundlichen Eindruck machten - war es einfach mal wieder Zeit zu skippern. Wenigstens die Location stimmt: Backbord querabliegt die Costa Smeralda in ihrer ganzen Pracht. Was dort unter der Regie von Aga Kahn in den Sechzigern gebaut wurde, hat einen Stil, den viele als "neosardisch" betiteln. Wer sich ein bisschen mit der Geschichte Sardiniens beschäftigt, dem ewigen Hin und Her zwischen römisch und byzantinisch, mal pisanisch-genuesisch, dann katalanisch und spanisch und schließlich italienisch, kann mit dem kläglichen Begriff vielleicht mehr anfangen. Auf den Punkt gebracht sind die Bauten mehr oder weniger edel, teuer und in einem pseudomediterranen Stil gebaut, der an eine italienisch-griechisch-spanische Finca eines Düsseldorfer Besserverdieners auf Mallorca erinnert. Trotzdem irgendwie schön.



Die wilde Insel des Mittelmeers
Es kachelt ganz ordentlich und das gleich am ersten Tag. Gut für uns, denn wir wollen den Anschluss zu den anderen zwei Schiffen nicht verlieren. Ein zwei Meter langer Riss im Groß machte dem gemeinsamen Start gleich hinter der Hafenmauer von Portisco einen Strich durch die Rechnung. Und das an einem Sonntag in Italien! Das Tolle an Vorurteilen ist, dass man manchmal eines Besseren belehrt wird. Die Mobilnummer, die uns der Vercharterer nach der Übergabe der Yachten auf einen Zettel kritzelte, funktioniert und zwei Stunden später beginnen wir mit einem nagelneuen Großsegel die Aufholjagd.
Mit gut sieben Knoten zieht unsere Bavaria 42 als eins von drei Schiffen der alljährlichen FLEUTH-SAIUNG Flottille hoch am Wind gen Norden Sardiniens, der wilden, vergessenen und zweitgrößten Insel im Mittelmeer. Tagesziel ist Cala Cavetta, ein Hafen im Maddalena-Archipel, dem Alterssitz und Sterbeort von Giuseppe Garibaldi.

Quelle: Sailing Journal 02/2005
Lesen Sie den ganzen Report im Sailing-Journal:
www.sailingjournal.de

Zur Fortsetzung:
Sardinien - Wenn aus Lämmern Löwen werden (Teil 2)

 
 

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