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Initiative SHARK-PROJEKT - Interview mit Gerhard Wegner
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Initiative SHARK-PROJEKT - Interview mit Gerhard Wegner
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Gerhard Wegner - Präsident der
internationalen Initiative zum Schutz
und zur Erforschung der Haie e.V.
mit dem Namen SHARKPROJECT
Gerhard Wegner ist der Präsident der internationalen Initiative zum Schutz und zur Erforschung der Haie e.V. mit dem Namen SHARKPROJECT. Ein Gespräch mit ihm über seine Motive, sich für diese Tiere zu engagieren und über die tatsächlichen Risiken für Wassersportler.
Wie sind Sie dazu gekommen, sich für Tiere zu interessieren und zu engagieren, die in der breiten Öffentlichkeit als gefährlich gelten?
GW: Genau dieser Aspekt ist der Grund. Der Hai ist eines der verkanntesten Tiere auf diesem Planeten und man hat ihn in eine Killerrolle gesteckt, die er nicht verdient hat. Die Statistik über Haiunfälle gibt Auskunft darüber, dass bereits das Anstoßen bzw. das einfache Auftauchen als ein so genannter "Haiunfall" eingestuft wird. Pro Jahr gibt es zwischen 60 und 100 Haiunfälle, von denen 20 mit einer tatsächlichen Verletzung, die über eine Schürfwunde hinausgeht, enden, sechs bis zehn gehen tödlich aus. Das ist die Gefahr Hai, mehr nicht!
Bei den rund 20 Milliarden Schwimmern, Surfern, Tauchern, die jedes Jahr in Gebieten Wassersport betreiben, wo es Haie gibt, ist das extrem wenig. Das liegt daran, dass es keine Attacken sind von einem hungrigen Tier, sondern es handelt sich um Unfälle aus dem Nichtverstehen des Meeres durch den Menschen. Wenn man zum Beispiel in trübem Wasser schwimmt und platscht und zusätzlich Fischer in der Nähe hat, muss man damit rechnen, dass das verwirrte Tier neugierig wird und einen anstößt. Das gilt gleich als Haiattacke. In ganz wenigen Fällen kommt es unter Umständen zu einem "Testbiss".
Bei diesem so genannten Gaumenbiss drückt das Tier seine Geschmacksknospen, die im Gaumen lokalisiert sind, an das Objekt, ohne zu beißen. Wenn man den Arm oder das Bein ruhig hielt, würde der Hai auch wieder loslassen. Auf diese Weise ist auch zu erklären, warum die meisten Wunden, die von solchen Unfällen herrühren, so genannte Sekundär-Wunden sind. Das heißt, dass das Zurückreißen des Armes oder des Beines, nicht aber der Biss des Haies, die wirkliche Wunde hervorruft.

Haie sind unglaublich schöne und faszinierende Tiere. Jeder Taucher, der einmal eine Begegnung mit einem Hai erleben durfte, wird dem zustimmen. Die Öffentlichkeit sieht die Tiere jedoch nur als Killer, und leider sind wir Menschen so gepolt, dass wir das, was wir fürchten, vernichten wollen. Heutzutage werden über 200.000.000 Tiere pro Jahr für diverse Zwecke getötet und kein Mensch kümmert sich darum - mit schrecklichen Folgen für uns alle. Haie sind seit 400 Millionen Jahren die Topräuber im Meer. Wenn wir diese Tiere ausrotten, wird auch das Meer sterben. So geschehen in Neuseeland, wo manche Gebiete zunächst komplett haifrei waren, mittlerweile auch austernfrei sind, weil sich deren Fressfeinde, die Kraken, ungebremst vermehrt haben, die wiederum eigentlich Haifutter sind. Wir verändern also das Meer in einer Art und Weise, die wir nicht überblicken.
Das Meer ist das größte Ökosystem dieser Erde und wenn es stirbt, sterben wir mit. Daher ist SHARKPROJECT zwar eine Haischutzorganisation, aber in einem gewissen Sinn auch eine Menschenschutzorganisation. Wir sehen unsere Aufgabe darin, das Tier Hai zu entkriminalisieren und es zu schützen, denn niemand schützt etwas, vor dem er sich fürchtet. Aus diesem Grund gehen wir mit den Tieren ins Wasser, schwimmen mit ihnen und zeigen, dass es sich bei ihnen um ganz normale Tiere handelt.
Haben Sie eigene Erfahrungen mit den Tieren gemacht oder warum haben Sie persönlich damit angefangen?
GW: Vor über 20 Jahren machte ich mit einer Unterwasserkamera beim Tauchen Aufnahmen von Haien. Die Bilder unterlegte ich mit dramatischer Musik und präsentierte sie im Tauchklub. Ein bisschen, um zu zeigen, was für ein Held ich doch war. Nach und nach lernte ich jedoch viele Menschen kennen, die mir Haie von einer anderen Seite zeigten. Mittlerweile habe ich auf der ganzen Welt getaucht und in den letzten zehn Jahren die Haie wirklich kennen gelernt. Es sind sicherlich keine Schoßtiere, sondern Raubtiere. Ich möchte aber nochmals betonen, dass sie für den Menschen keine Gefahr darstellen. Es gibt keine gefährlichen Haie, sondern nur gefährliche Situationen, die wir verstehen müssen, um Unfälle zu vermeiden.
Zur Fortsetzung:
Initiative SHARK-PROJEKT - Interview mit Gerhard Wegner (2. Teil)














