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Zielgruppengerechte Angebote sollen das "Seglerleben" verlängern
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Zielgruppengerechte Angebote sollen das "Seglerleben" verlängern

Segeln macht gesund, auch und besonders ältere Menschen! Die Rede ist hier nicht nur von der positiven Wirkungen der frischen Luft oder dem gesteigerten Lebensgefühl, sondern von den Ergebnissen medizinischer Studien. Die körperlichen Aktivitäten an Bord eines Fahrtenseglers trainieren einerseits das Herz-Kreislaufsystem, andererseits die Sensomotorik - also Kraft, Beweglichkeit und Reflexe - in einem Umfang, der an Land tägliches Walking oder regelmäßiges Training im Fitnessstudio erfordert.
25% über 65 Jahre
Das ist die gute Nachricht. Nun die schlechte: Wir beobachten, dass ältere Segler, ab etwa 70, das Segeln und ihr Boot aufgeben, weil sie sich den Anforderungen nicht mehr gewachsen fühlen. Diese Skipper und ihre Frauen fahren noch mindestens 10 Jahre problemlos (und nachweislich sicher) ihr Auto und gehen nicht selten nun mit Wohnmobilen auf Tour. Die heute 60-70-jährigen sind offensichtlich körperlich und geistig noch längst nicht am Ende. Die mittlere Lebenserwartung liegt bei rund 80 Jahren, viele werden 90 Jahre alt werden. Und diese Altersgruppe wird immer wichtiger: In 5 Jahren werden rund 25% der deutschen Bevölkerung (rund 21 Mill.) über 65 Jahre alt sein, davon ca. 1,8% (rund 0,4 Mill.) aktive oder ehemals aktive Segler.
Untersuchung der IBoaT
Warum wollen oder können sie nicht mehr segeln? Dieser Frage geht eine umfangreiche Untersuchung des Institutes für Boots-Tourismus (IBoaT) in Bonn nach: www.iboat.de/iboat-report. Der Bundesverband Wassersportwirtschaft (BWVS) unterstützt ein Forschungsvorhaben des Institutes für Boots-Tourismus (IBoaT). Das gemeinsame Ziel: auf der Grundlage wissenschaftlicher Untersuchungen sollen Vorschläge für eine zielgruppengerechte Gestaltung von Segelyachten für die Altersgruppe 55+ entwickelt werden.
Viele Bootseigner im fortgeschrittenen Alter
Der allgemeine Eindruck trügt nicht. Wer mit offenen Augen durch die Yachthäfen geht, wird schnell den Eindruck gewinnen, dass sich viele Bootseigner im fortgeschrittenen Alter befinden und in den nächsten Jahren wohl den Bootssport aufgeben werden. Wollte man es zugespitzt ausdrücken: die Haarfarbe der Bootseigner entspricht immer häufiger dem zumeist strahlenden Weiß ihrer Yachten.
Ältere Bootsfahrer halten
Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten, dem erwarteten Schwund entgegenzuwirken. Zum einen müssen mehr jüngere Einsteiger für den Bootssport gewonnen werden und zum anderen müssen alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden, um ältere Bootsfahrer möglichst lange an ihren Sport zu binden. Die zweite Alternative hat einen erheblichen Vorteil. Es darf vermutet werden, dass es bedeutend einfacher ist, überzeugte Bootsfahrer weiterhin an den Sport zu binden als neue, häufig Quereinsteiger, dafür zu gewinnen.
Die Bootsbranche überaltert
Nach einer Studie des Verbandes liegt der Altersdurchschnitt der Bootssportler erheblich über dem Altersdurchschnitt der allgemeinen Bevölkerung. 46% der Bootsfahrer sind älter als 55 Jahre. In den nächsten Jahren werden also überproportional viele Bootseigner aus Altersgründen ihren Sport aufgeben. Die Bootsbranche muss daher ein Interesse daran haben, Boote und Yachten so zu konstruieren und auszustatten, dass auch ältere Menschen mit nachlassender Körperkraft und Gelenkigkeit den Bootssport weiter ausüben können.
Bootsbranche profitiert von wissenschaftlicher Forschung
Das Institut für Boots-Tourismus (IBoaT) unter der Leitung von Herrn Dipl.-Ing. Dr. Wolf-Dieter Mell führtin Kooperation mit dem BWVS sowie den Universitäten Kiel und Amsterdam ein in seiner Art einmaliges Forschungsprojekt durch. Durch sportmedizinische Untersuchungen soll die Gesundheitsrelevanz des Fahrtensegelns wissenschaftlich festgestellt, Nutzungsschwellen durch die Untersuchung von Belastungsprofilen auf Fahrtenseglern ermittelt und auf der Grundlage dieser Untersuchungen Konsequenzen für die Konstruktion, technische Ausstattung und ergonomische Gestaltung von Booten und Yachten gezogen werden.
Unterschiede an 2 typischen Segelyachten
Die Untersuchungen sollen an zwei typischen Segelyachten durchgeführt werden. Einer kleinen Fahrtensegelyacht mit 7,5 m Bootslänge mit Pinnensteuerung und einer Yacht der 12 m Klasse mit Radsteuerung, um die verschiedenen Belastungssituationen adäquat messen zu können. An- und Ablegemanöver, manövrieren auf engsten Raum, Segelmanöver bei unterschiedlichen Windrichtungen und -stärken gehören ebenso zu den typischen Belastungs- und Stresssituationen wie die Begehbarkeit von Salon, Deck und Cockpit. Sind die Belastungsprofile einmal ermittelt, können Vergleichsuntersuchungen bei Modifizierungen durchgeführt werden.
Umsatzplus durch zielgruppengerechte Angebote
Mit einem möglichen Vorurteil soll an dieser Stelle gleich aufgeräumt werden. Es geht bei diesen Untersuchungen nicht um das geriatrisch empfehlenswerte Schiff. Es geht darum, auf der Grundlage wissenschaftlicher Untersuchungen die Anforderungen einer großen Nutzergruppe angemessen zu berücksichtigen. Die Bedeutung für die Bootsbauindustrie ist gar nicht hoch genug einzuschätzen. Wenn es gelingt, das "Seglerleben" nur um fünf Jahre zu verlängern, eröffnen sich der Bootsbranche erhebliche zusätzliche Umsatzpotentiale in einer Altersgruppe, die über vergleichsweise hohe Einkommen und Vermögen verfügen.
Breite Resonanz
Das Projekt ist in der Bootsbranche auf breite Resonanz gestoßen. Werften, Konstrukteure, Innendesigner und Ausrüster haben ihre Unterstützung zugesagt. Die benötigten Yachten und Ausrüstungsfeatures und, mindestens ebenso wichtig, Branchen-Know-How, stehen zur Verfügung. Mit den Untersuchungen soll im Frühjahr 2006 begonnen werden. Die endgültigen Ergebnisse sollen 2007 ebenso vorgestellt werden, wie eine nach den neuesten Erkenntnissen aus- und umgerüstete Yacht. Unternehmen, die sich an dem Forschungsprojekt beteiligen wollen, wenden sich an die Geschäftstelle des BWVS. Ansprechpartner: Herr Tobias Formanski 0221/59 57 114.
Quelle: Wassersport Wirtschaft
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