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Interview mit Alinghi-Sportdirektor Jochen Schümann

America's Cup 2007

Interview mit Alinghi-Sportdirektor Jochen Schümann


Ihr Team Alinghi hat in der vergangenen Woche die letzte Generalprobe vor dem 32. Duell um den America's Cup souverän gewonnen. Wie bewerten Sie die Chancen einer erfolgreichen Cup- Verteidigung?

Schümann: In der letzten Vorregatta wollten wir uns vor allem mit den starken Teams ein letztes Mal vergleichen. Obwohl wir gewonnen haben, haben wir auch einige klare Fehler gemacht, sind aber insgesamt zufrieden mit unseren Erkenntnissen. Es ging in Act 13 vor allem darum zu sehen, wo man seglerisch und technisch steht. Es hätte mich überrascht, wenn uns jemand auf dem linken Fuß erwischt hätte. Wir haben unsere Führungsrolle als Verteidiger nie aufgegeben. Ich bin sicher, dass Alinghi ein starker Verteidiger sein wird.

Sie sind einer der drei Steuerleute ihres Teams, waren aber während der letzten Vorregatta überhaupt nicht an Bord. Wird sich das bis zum America's-Cup-Match ab 23. Juni wieder ändern?

Schümann: Wir befolgen in unserem Team ein Rotationsprinzip. Da sind bis zum Ende jederzeit Änderungen möglich. Niemand ist gesetzt. Wir wollen uns da gar nicht festnageln lassen. Das Rotationsprinzip gilt für alle. Auch für mich. Da muss ein Sportdirektor mit gutem Beispiel vorangehen. Ich konzentriere mich darauf, die Mannschaft zusammenzuschweißen und das Beste aus ihr herauszuholen.


Jochen Schümann (links) und sein Team Alinghi

Können Sie Ihren Aufgabenbereich als Sportdirektor kurz beschreiben?

Schümann: Ich koordiniere die sportlichen Abläufe im Team. Ich kümmere mich um die Anstellung von Leuten, die täglichen Crew-Listen für Training und Regatten, erstelle Kurz- und Langzeitpläne. Ich koordiniere unsere Segeleinsätze mit der Landmannschaft, damit die Zeit auch dann optimal genutzt werden kann, wenn technisch an den Booten gearbeitet werden muss. Es gehört auch zu meinen Aufgaben, einzelne Egos hinter dem großen Ziel zu formieren und darauf zu achten, dass am Ende Spaß und Erfolg für alle steht.

Zu den spannendsten Fragen im laufenden America's Cup zählt die nach dem zukünftigen Austragungsort. Hat Ihr Team sich im Falle eines erneuten Sieges diesbezüglich schon entschieden?

Schümann: Stimmt, die Frage wird täglich aktueller. Aber die Antwort kann erst der Sieger geben, der den nächsten Austragungsort bestimmen kann. Jedes Team hat wohl prinzipiell entschieden, wohin es den Cup im Falle des Sieges bringt. Ich rechne im Anschluss an das Cup-Match Anfang Juli mit einer schnellen Entscheidung. Es wäre wohl ideal für alle, wenn der Cup noch einmal in Europa bliebe.

Team Germany tut sich bei der deutschen Cup-Premiere schwer. Leiden Sie mit, wenn es für Skipper Jesper Bank und seine Mannschaft nicht so gut läuft?

Schümann: Natürlich schaue ich aus der Ferne an, wie es für die deutsche Mannschaft läuft. Ein wichtiger Meilenstein ist gemacht: Das Team segelt zuverlässig mit dem neuen Boot. Ich denke, es wird trotz der enttäuschenden Resultate in der letzten Vorregatta Bedingungen geben, in denen sie sich mit Yachten aus dem Mittelfeld vergleichen können. Aber ich stimme mit Jesper überein: Es wäre äußerst überraschend, wenn sie eine der Top-Yachten schlagen könnten. Die Jungs müssen jetzt alles in die Waagschale werfen, denn für die Zukunft deutscher Cup-Engagements zählen jeder Sieg und jede gute Vorstellung.

Es gibt immer wieder Gerüchte, dass Ihr Team Alinghi mit neuen Wundersegeln operiert. Was ist da dran?

Schümann: Wir glauben nicht an Wunder. Wer das tut, müsste Wunder abrufen können. Und wer sich darauf verlässt, der ist verlassen.

Glauben Sie, dass der deutsche Segelsport vom ersten deutschen Team im America's Cup profitiert?

Schümann: Das Fernsehen wird viel für den Segelsport tun. Auch in Deutschland, denn ARD und ZDF senden viel. Nach wie vor sind TV- Bilder die beste Art, die Menschen zu uns an Bord zu holen. Ich hoffe, dass die Fans diese einzigartige Gelegenheit nutzen.

Quelle: dpa

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