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Bernard Stamm - Sieger des Velux 5 Oceans 2007</07.07>
Velux 5 Oceans
Bernard Stamm - Sieger des Velux 5 Oceans 2007

Im elterlichen Wohnzimmer stand eine Uhr, auf der stand folgendes Motto: Lass die Leute reden - mache du deinen Job so gut wie du kannst. Man könnte behaupten, dass Bernhard sich dieses Mottos zu Eigen gemacht hat. Gradlinigkeit zieht sich durch sein Leben, wie es gradliniger nicht sein könnte. Verständnis spendet der väterliche Satz: "Unsere Familie ist eine Gruppe von Individualisten." Dennoch gingen sie zusammen auf dem Genfer See segeln. Dort, zwischen Genf und Lausanne, wuchs Bernhard mit einem exorbitanten Freiheitsdrang auf. Die Schule samt Hausaufgaben wurde schnell langweilig. Bernhard war wissbegierig und ungeduldig, wollte lieber raus in die Natur anstatt am Schreibtisch sitzen. Sperrten ihn die Eltern zum Aufgabenmachen ein, hing er sich an das Balkongeländer im ersten Stock und drohte, hinunter zu springen.
Zwei Jahre ununterbrochen auf dem Meer
Er sprang nicht, aber ging dafür mit 15 von der Schule, um Holzfäller zu werden. Natürlich nicht irgendein Holzfäller, sondern ein Spezialist für schwierige Fällarbeiten im Gebirge. Ganz nach dem Geschmack Bernhards - schwierig, herausfordernd und ein Job, bei dem man nicht viel reden muss. Alsbald schaffte er sich eine 125er KTM an und zog durchs Gelände. Wie, kann sich jeder mittlerweile wohl vorstellen. Soviel sei verraten: Als er 1995 als Dritter vom Mini Transat nach Hause kam, musste er für drei Tage ins Gefängnis - aufgrund der vielen Strafzettel. Nach sechs Jahren in den Bergwäldern und in der Schweizer Marine (ja, es gibt eine!) schloss sich der Kreis des Wassers. Er verpflichtete sich für vier Jahre, von denen er zwei ununterbrochen auf dem Meer absolvierte, ohne auch nur einen Fuß an Land zu setzen. In dieser Zeit umrundete er 16 mal Kap Horn und überquerte 18 mal den Atlantik.

Beginn einer Karriere
Danach gab es eigentlich nur noch eine logisch konsequente Herausforderung: Einhandrennen. Am besten non-stop. Schon 1995 begann er, mit Pascal Haegler (Boubi) und Pierre Rolland einen 6,50 Meter Mini fürs Mini Transat zu bauen und segelte in dieser Klasse mehrere Jahre siegreich. Sein nächstes Ziel war klar umrissen: Bau eines 60 Füßers für das Vendee Globe im Jahre 2000. Danach purzelten die Rekorde. 2001: Rekord der Atlantiküberquerung im Team (8 Tage - 20 Stunden - 55Minuten). 2002: Gewinner der ersten und zweiten Etappe des Around Alone, Einhandrekord der Atlantiküberquerung (10 Tage - 11Stunden - 55Minuten), Rekord (60 Füßer) für die Strecke England - South Africa. 2003: Gewinner Around Alone, Weltmeister Fico/Imoca (Open 50 und 60 Klasse). Und 2006: Mitinhaber der Jules Verne Trophy (an Bord von Bruno Peyrons ORANGE II) und so weiter...
Nächster Start zum Barcelona Race
Fast wäre man geneigt zu sagen: Tough stuff oder lieber einen Vergleich mit den Bäumen im Gebirge ziehen, die zwar biegen, aber niemals brechen? Heute ist der 42-Jährige verheiratet, Vater von zwei Kindern und lebt in Saint- Renan in Frankreich. Er ist ruhiger und geselliger geworden. Schätzt mittlerweile die Gesellschaft von anderen Menschen, wenn er nicht allein auf den Ozeanen unterwegs ist. Menschen wie Bernhard ziehen ihre Lebenskraft aus dem Alleinsein. Während sich manche Menschen auch in der Gesellschaft anderer entspannen können, regeneriert er sich durchs Alleinsein. Die Zeit bis zum nächsten Start im Herbst dieses Jahres beim Barcelona Race vertreibt sich Bernhard u.a. auf Bruno Peyrons ORANGE II. Denn der kann es kaum erwarten, dass Bernhard endlich wieder zur Verfügung steht.
Bernard Stamm im Gespräch
Beim Interview in Bilbao präsentiert er sich denn auch redefreudiger als erwartet. Wir sitzen in einem Cafe im Hafen oberhalb der Steganlage, an der sein Boot liegt. Nieselregen, tief hängende Wolken und eine leichte Brise sorgen für wenig Ablenkung. Zwischendurch kommen Mitarbeiter des Shoreteams von Sir Robin Knox-Johnston vorbei und gratulieren. Zwei Segler sind noch draußen und werden erst in den kommenden Tagen erwartet. Robin und der Baske Unai Basurko fehlen noch. Die anderen sind ausgeschieden. So auch Graham Dalton, der dieses Rennen seinem vor kurzem an Krebs gestorbenen Sohn widmete. Leider brach Dalton vor Kap Horn der Mast, sodass er aufgeben musste. Zurück in den Nieselregen. Kaum das Bernhard mit den beiden Kaffeetassen am Tisch sitzt, sprudelt auch schon eine Frage heraus: Warum habt ihr in Deutschland keine Einhandsegler? Ich erwidere, dass es da ein bis zwei Segler gäbe, die das Zeug dafür hätten. Aber professionell unterstützt wird zumindest noch keiner. Noch nicht.
Quelle: Sailing Journal













