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Interview - Bernard Stamm im Gespräch mit dem Sailing Journal</07.07>

Velux 5 Oceans

Interview - Bernard Stamm im Gespräch mit dem Sailing Journal

 
 

SJ: Los geht's. Eine der klassischen Einstiegsfragen: Wie lief das Rennen?
BS: Das Rennen ist gut gelaufen, denn ich habe gewonnen. Im Grunde fiel die Entscheidung gleich zu Beginn. Wir segelten in einen Sturm und alle meine Mitsegler hatten Probleme und mussten verschiedene Häfen anlaufen, um notrwenige Reparaturen durchzuführen. Für jeden Stopp bekommt man eine 48 Stunden Zeitstrafe aufgebrummt und so konnte ich einen großen Vorsprung heraussegeln. Obwohl ich vor dem Start des Rennens nicht als Favorit galt, die Rollen hatten Mike Golding und Alex Thomson inne, konnte ich mich durchsetzen. Manchmal hängt der Sieg nur an einsamen Entscheidungen oder an einer Portion Glück, das immer mitsegelt. Und das, obwohl beide schnellere Boote als ich hatten. Allerdings hängt es nicht immer nur von der Geschwindigkeit ab, sondern auch von den richtigen Entscheidungen zum richtigen Zeitpunkt. Nach dem zweiten Tag hatte ich einen Riesenvorteil und musste mir damit das Rennen ganz anders einteilen als ich vorhatte. Im Grunde musste ich das ganze Rennen über diesen Vorteil verteidigen und ins Ziel bringen. Das heißt, ich musste aufpassen, dass an Bord nichts zu Bruch ging. Das heißt nicht, dass ich langsamer segeln oder übermäßig trödeln konnte, nur die Manöver konnte ich vorsichtiger fahren. Es war das erste Mal, dass ich auf diese Art und Weise segeln konnte. Zum Beispiel war das Wetter bei der Überquerung der Doldrums (Äquator) nicht ganz einfach. Ich konnte es mir leisten, nach der Hälfte in Richtung eines Hochdruckgebietes bei St. Helena (Südafrika) abzudrehen und lieber langsamer, dafür aber sicher segeln. Alex und Mike mussten volles Risiko gehen. Alex verlor seinen Kiel und Mike rettete ihn. Das passiert, wenn man unter Zeitdruck steht, denn das Rennen wurde nicht nach einem Punktesystem, sondern nach einem Zeitsystem bewertet. Das heißt, dass du ruhig mit zwei Minuten als Zweiter ins Ziel kommen kannst. Solange der Abstand beim nächsten Abschnitt aufzuholen ist, ist das kein großes Problem. Ich hatte 800 Meilen Vorsprung, selbst bei guten Bedingungen sind das zwei Tage. Das war für die Anderen kaum zu schaffen. Da Mike und Alex ihre Probleme hatten, kristallisierte sich Kojiro (Shiraishi) als mein größter Konkurrent heraus. Auf dem zweiten Part beging er allerdings einen Fehler, als er sich für die falsche Seite eines Hochdruckgebietes entschied. So durchquerte er den Südpazifik ohne Wind, und ich erreichte Norfolk knapp zwei Wochen früher als er.




SJ: Hört sich an, als ob alles perfekt lief. Aber lief es wirklich perfekt?
BD: Das mag sich so anhören, aber was heißt schon perfekt. Normalerweise habe ich zu den anderen Booten Kontakt. Und genau aufgrund dieses Kontaktes macht man Fehler, weil man versucht, sich gegenseitig zu ebendiesen Fehlern zu zwingen. Diesmal war ich auf mich allein gestellt - das zweite Leg segelte ich völlig allein. Da wird es mitunter schwierig, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Zum Glück machte ich keine großen Fehler, aber man muss aufpassen, dass man seine Konzentration behält. Man hat Zeit, das Wetter zu studieren und kann sich viel mehr Zeit lassen. Auf dem ersten Leg machte ich zwischen den Kanarischen Inseln und den Kapverden einen Fehler. Innerhalb einer Stunde musste ich mich entscheiden, ob ich nach Osten unter Land an der Mauretanischen Küste oder draußen auf dem Atlantik segeln sollte. Ich traf die falsche Entscheidung, in dem ich sie eine Stunde zu spät traf. Sie kostete mich einen Tag, den ich benötigte, um wieder ins Rennen zu kommen.

SJ: Ein Wetterrouter war nicht erlaubt?
BS: Nein. Es war erlaubt, einen Meteorologen vor dem Start und nach dem Ziel hinzuziehen. Wir durften nur öffentliche Wetterseiten im Internet oder Wetterberichte im Radio oder via Satellit benutzen. Im Grunde durften wir keinerlei Hilfe von außen annehmen.

SJ: Hattest Du irgendeinen Offboard-Kontakt?
BS: Ich brauchte nicht soviel Kontakt zu meinem Shoreteam. Da ich das Boot selbst gebaut habe, kenne ich es in- und auswendig und war so auf wenig Hilfe von außerhalb angewiesen. Während des kompletten Rennens habe ich mein Shoreteam nur zehnmal angerufen. Und manchmal muss man einfach nur "Hallo" sagen und fragen, wie es geht. Meine Frau arbeitete im Kommunikationsteam, ein Grund mehr, mich einmal am Tag zu melden. Aber nicht zu lange, denn ein Satellitentelefon kostet ein Vermögen.

 
 



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SJ: Wie viel Zeit nahm die Vorbereitung für dieses harte Rennen in Anspruch?
BS: Ich begann, mich nach Ende des vergangenen Rennens mit den Velux 5 Oceans auseinander zu setzen. Im Grunde segeln wir eine Rennserie. Ob Transat Jaques Vabre oder Route de Rhum - nach dem Rennen ist vor dem Rennen. Ich begann, schon im Jahre 2005 nach dem Transat Jaques Vabre mich und das Boot auf dieses Rennen vorzubereiten. Allerdings lagen noch andere Rennen dazwischen.

SJ: Hast Du das Boot nur für das Rennen gebaut?
BS: Ich habe das Boot nicht nur für dieses Rennen gebaut, sondern für das Vendee Globe. Wir segeln in einer eigenen Wertung, ähnlich wie die Yachten in der America's Cup Rule. So kann ich das Boot auch in anderen Rennen segeln.

- Zum zweiten Teil...
 
 

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