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Rapfen - Wölfe im Schafspelz</11.07>

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Rapfen - Wölfe im Schafspelz

 
 

Wolf im Schafspelz – er gehört zu den Friedfischen, ist aber ein waschechter Räuber und Wegelagerer für Brutfische: der Rapfen! Willem Stolk entführt Sie in die Welt des wilden Gesellen, zeigt, wo er lebt und wie Sie ihn am besten ans Band bekommen. Hecht, Zander und Barsch – das war gestern! Am Horizont taucht ein weiterer Kämpfer auf, der mehr und mehr unsere Gewässer und Herzen erobert: der Rapfen. In Strömen wie Maas, Rhein, Main, Neckar, Mosel, Donau und Elbe fühlt er sich wohl und bietet spektakuläre Drills. Aspius aspius, so lautet sein lateinischer Name – ein starker Gegner und hungriger Räuber. In den Niederlanden heißt er „Roofblei”, was übersetzt „Raubbrassen” bedeutet. Er ist eigentlich ein Friedfisch, der überall in Mitteleuropa vorkommt und dessen Verbreitungsgebiet bis zum Ural reicht. Junge Rapfen ernähren sich von Wasserflöhen, Insekten und später von kleinen Krebsen. Dann zeigt sich ihre wahre, räuberische Ader – mit zwei Jahren startet die Jagd auf ihre Leibspeisen: Fischbrut und kleinere Weißfische. Dabei wachsen Rapfen sowohl in fließenden als auch in stehenden Gewässern schnell ab, entwickeln sich dabei immer mehr zu Einzelgängern – der Wolf im Schafspelz hetzt die Meute! In vielen Revieren steht es gut um diesen Räuber, der jedoch bei vielen Anglern ein Schattendasein führt. Völlig zu Unrecht, denn diese Fischart ist einzigartig an der Rute!


Auch so können Friedfische aussehen! Dieser gewaltige Rapfen
ging vom Boot aus auf der Ijssel in Holland an den Haken

Rapfen-Reviere
Die großen Flüsse sind seine erste Heimat. Dort sollte jeder Rapfenbändiger zuerst nach Buhnen Ausschau halten. Und die Jagdreviere? Kehrwasser, Rückstrom und die Strömungskante am Buhnenkopf. Auf dem Buhnenkopf fischt man am besten in beide Richtungen. Im Buhnenfeld ist fächerförmiges Abfischen am erfolgreichsten. Künstliche Hindernisse wie Pfähle, Pfeiler, Stege und Wehre geben immer einen Hinweis auf seine Anwesenheit, dort ist reichlich Nahrung und Kleinfisch im Wasser. Achten Sie darauf, dass Rapfen äußerst scheue Fische sind, vorsichtiges Nähern ist angesagt. Das gilt auch für Bootsangler. Bevor Sie die angepeilte Räuber-Buhne erreichen, sollte deshalb der Außenborder rechtzeitig abgestellt und vorsichtig mit dem Elektromotor weitermanövriert werden. Werfend gleitet man so ins Buhnenfeld hinein und hält dabei das Echolot im Auge, damit zu flaches Wasser den Angeltörn nicht abrupt beendet. Die besondere Strömung im Buhnenfeld ist ebenfalls zu beachten. Ankern ist deshalb die sicherere Alternative. So hat man mehr Zeit, alles richtig abzusuchen. Sorgen Sie dafür, dass für den Notfall ein Messer bereitliegt, um das Ankerseil schnell kappen zu können.

 
 

Extratipp: Bei Niedrigwasser an tidenabhängigen Flüssen entdeckt man die interessantesten Strukturen. Achten Sie auf Erhöhungen im Sand, Basaltblöcke und Kiesbänke – die bevorzugten Jagdreviere der Rapfen bei auflaufendem Wasser. Doch Flüsse sind nur ein Bereich seines vielfältigen Lebensraumes – Einläufe, zum Beispiel an Baggerseen, strömungsreiche Abschnitte in Kanälen und Seen, die eine Verbindung zu Flüssen oder Bächen haben, sind viel versprechende Rapfen-Stellen. Sie jagen dort am liebsten über flachem Sand- oder Kiesboden. Schleusen, Ausläufe und Pumpwerke: auch eine Bank bei der gezielten Suche nach dem Räuber. Dort kommt viel Sauerstoff ins Wasser, der große Mengen Fischbrut anzieht. Entwässerungsrohre, die in vielen Überschwemmungsgebieten großer Flüsse zu finden sind, sorgen dafür, dass das Wasser immer in Bewegung bleibt und sind für Rapfen-Angler eine weitere Adresse. Auch vorbeifahrende Schiffe bieten Chancen. Das Wasser im Uferbereich steigt, gerät in Bewegung und zieht Kleinfische an – genau die richtigen Voraussetzungen für den Wegelagerer. Achten Sie an diesen Stellen auch auf jagende Seeschwalben oder Möwen. Sie verraten zielgenau die Anwesenheit von Jungfischen – und damit auch deren Jäger.

- Weiter zum zweiten Teil: Jagdzeit für Rapfen
- Weiter zum dritten Teil: Technik, Taktik, Köder-Tuning
 
 

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