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High Seas High School </02.04>

Features Charter- & Fahrtensegeln

High Seas High School


Die "Thor Heyerdahl" unter
vollen Segeln

So spannend kann Schule sein
23 Schüler fuhren fast sieben Monate lang mit dem Segelschiff "Thor Heyerdahl" um die halbe Welt. "High Seas High School" heißt das Projekt, in dem Schule an Bord und mitten im Geschehen stattfindet. Ein Filmteam des ZDF war ohne Unterbrechung dabei. Entstanden ist eine zwölfteilige Serie von fesselnder Authentizität und Spannung – so nah am Geschehen, dass die Filme ohne Kommentar auskommen. Was passiert, spricht für sich. Nichts ist inszeniert, alles ist echt. "Junge Herzen – Auf großer Fahrt ins Leben" erweist sich dabei als eine Serie, die niemanden spektakulär zur Schau stellt.

Eine Serie von fesselnder Authentizität
Neun Mädchen und dreizehn Jungs hatten sich für ein ungewisses Abenteuer entschieden. Fast sieben Monate lang durchkreuzten sie stürmische Meere, landeten an fernen Küsten und begegneten fremden Kulturen. Sie erlebten Krisen und Gefahren – und eine Menge Glück. Schüler aus ganz Deutschland, 15 bis 18 Jahre alt, zusammen mit einer jungen Schiffsmannschaft, fünf Lehrern und dem Kapitän an Bord des Seglers "Thor Heyerdahl". Ein mutiges Projekt mit Schule mitten im Geschehen – fern der Heimat bis zu den Trauminseln der Karibik. Wer an dieser Reise teilgenommen hat, konnte unschätzbare Erfahrungen sammeln und seine Grenzen kennen lernen.




Die große Fahrt
Die "Thor Heyerdahl" ist rund 50 Meter lang und sechseinhalb Meter breit – auf diesem Schiff kann niemand dem anderen ausweichen. Alle an Bord müssen irgendwie miteinander auskommen, so verschieden sie auch sind. Das Leben unterwegs auf den Weltmeeren wird nicht nur durch gefährliche Orkane "auf den Punkt gebracht", sondern genauso durch die eingeschränkten Lebensbedingungen auf dem Schiff. Hohen Komfort hat der betagte Dreimast-Toppsegelschoner nicht zu bieten. In den winzigen, stickigen Kojen lernen manche erst zu schlafen, wenn sie vor Erschöpfung umfallen. Für Intimsphäre ist kein Raum. Da bleibt nichts lange verborgen. Und Reibereien sind nicht zu vermeiden. Niemand kann selbst bestimmen, wo er schläft. Darüber entscheidet die Schülerversammlung.

 
 

An Bord ist Hand anlegen gefragt,
drücken kann sich hier keiner

Die Schülerversammlung bestimmt auch, wer wann zur Wache, zum Küchendienst oder anderen Arbeiten eingeteilt wird. Disziplin und das Befolgen strenger Regeln sind an Bord ein Muss. Nicht aus Prinzip, sondern weil es wichtig sein kann zum Überleben – besonders wenn das Schiff bei der Atlantiküberquerung wochenlang weit entfernt von jeder Hilfe ist. Dann wird neben dem Kapitän auch der Schiffsarzt besonders gefordert, ein "Land"-Arzt, den es gereizt hat, bei einem solchen Unternehmen dabei zu sein.

Zu den ersehnten und zugleich gefürchteten Höhepunkten der Reise gehört es, wenn die Schülerinnen und Schüler das Schiff selbst übernehmen dürfen. Dazu müssen sie Wetter- und Gezeitenkunde sowie Navigation beherrschen. Auch das Segel-Handwerk muss ihnen wie im Schlaf von der Hand gehen. Dann kommandiert die Schülercrew für einige Zeit das Schiff. Tag und Nacht, bei Wind und Wetter. Nur in höchster Not springt der Kapitän mit seiner Stammbesatzung ein.




Die "große Fahrt ins Leben" geht um die halbe Welt: Von Deutschland durch die stürmische Nordsee in den Atlantik zu den Kanarischen Inseln, dann weiter durch die Karibik nach Guatemala, nach Kuba und die USA. Von dort auf der gefürchteten Nordatlantikroute über die Azoren zurück in die Heimat. Landgänge in fernen Ländern fordern den Einzelnen immer wieder viel ab. Abenteuerliche Expeditionen wie im Regenwald von Guatemala zu einem Stamm, der noch nie Fremde gesehen hat, oder drei Wochen lang tief im Inneren von Kuba sind besondere Erlebnisse.

Die Idee eines "segelnden Klassenzimmers"
Hinter der spannenden Expedition steckt nicht die clevere Strategie eines Outdoor-Veranstalters. Es war der Schuldirektor der Hermann Lietz-Schule Spiekeroog, Dr. Hartwig Henke, der die Idee zu dem mutigen Projekt hatte. "High Seas High School" wurde das Unternehmen getauft. Vorbild waren hoch gesteckte Ziele der Erlebnispädagogik. Sie wurde ursprünglich schon in den 20er Jahren von Kurt Hahn entwickelt, dem das sture Einpauken von Wissen zu wenig war. Er plädierte für die Stärkung des Selbstbewusstseins und den Willen, in der Gemeinschaft Verantwortung zu übernehmen – durch "Lernen mit Herz, Hand und Verstand", wie es Hermann Lietz, der zweite Stammvater der Erlebnispädagogik, ausdrückte.

 
 

Verschnaufpause für die
"Thor Heyerdahl"

Für solche Ziele bieten die schicksalsträchtigen Planken eines schwankenden Schiffes beste Voraussetzungen. An Bord des Seglers "Thor Heyerdahl" gaben eine Lehrerin und vier Lehrer während der knapp sieben Monate praxisnahen Unterricht – es sei denn, in einem Sturm wurde gerade jede Hand gebraucht. Mathematik und Physik wurden beim Segeln, Navigieren und astronomischen Beobachtungen lebendig. Erdkunde ließ sich beim Betreten ferner Länder, dem Besteigen von Gebirgen und Vulkanen förmlich ertasten. Geschichte und Politik gewannen auf historischen Routen großer Entdecker und Seefahrer, in fremden Staaten und Kulturen eine fesselnde Kraft. Und beim Hochseeangeln oder den Tauchkursen wurde Biologie zum faszinierenden Abenteuer.

Das neue Format
Die monatelange Schiffsreise ohne Unterbrechung von einem Filmteam begleiten und daraus eine mehrteilige Dokuserie entstehen zu lassen – das war ein kühner Gedanke, dessen Umsetzungsweg mit einem längeren Hürdenlauf verglichen werden kann. Nicht nur wegen des Risikos, das bei einem solchen ungewissen Langzeitunternehmen für das ZDF, für die Produktionsfirma De Campo Film und für die beiden Filmemacher an Bord verbunden war, sondern auch wegen der Neuartigkeit des Dokuformates, mit dem es keine Erfahrungen gab.


Das Filmteam sollte während der abenteuerlichen Reise ausschließlich teilnehmend beobachten, also keinesfalls in Handlungsabläufe eingreifen, geschweige denn irgend etwas inszenieren. Aufgabe war es zudem, mit Kamera und Ton so nah an dem Geschehen zu sein, dass die Dokuserie ohne Kommentar auskommen kann. Dass durch dieses Konzept bis zum Ende der Reise eine gewaltige Menge an Drehmaterial entstehen würde, war abzusehen. 600 Stunden standen schließlich zur Verfügung.

 
 

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