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Harter Job, harte Männer
boot daily 2010
Harter Job, harte Männer
30.01.2010
Oberleutnant zur See, Jens Höner.
Nebel wabert über die Bühne, AC/DC-Sound donnert aus den Boxen, dazu flimmern Bilder von detonierenden Minen und vermummten Kampfschwimmern über die Leinwand. „Ein erster Eindruck von unserem Job“, erklärt Jens Höner. Der Oberleutnant zur See der Spezial-Einsatzkräfte Marine (SEKM) stellt am Tauchturm in Halle 3 die Berufe seiner Einheit vor: Minentaucher, Kampfschwimmer und die Boarding-Kompanie. Mit verbundenen Augen müssen diese vom Zehn-Meter-Brett springen, sich durch eine enge Röhre zwängen und in voller Montur durchs Becken tauchen. Und das ist erst das Training! Wer Mitglied der SEKM werden will, muss eine extrem harte Ausbildung durchlaufen. „70 bis 80 Prozent steigen vorzeitig aus“, sagt Höner, der sich immer wieder für seinen Traumjob entscheiden würde. Denn was im Imagefilm wie ein Abenteuercamp wirkt, ist Extrembelastung pur: Absprünge aus dem Helikopter, Flugzeug oder Schnellboot, Tauchgänge zu Minen und Wracks oder rasante Geländefahrten. „Wer sich bei uns bewirbt, sollte nicht älter als 25 sein, das Sportabzeichen besitzen und diverse Tauchübungen absolvieren können“, erklärt Höner. Die Ausbildung zum Kampfschwimmer dauert drei, die zum Minentaucher fast fünf Jahre. Höner selbst hat beide absolviert. „Meinen Job zu beschreiben, geht gar nicht in wenigen Minuten“, erzählt er. „Wir werden im zivilen Bereich angefordert, beispielsweise bei Seeunglücken, Hochwasser oder Leichenbergungen, aber natürlich haben wir unsere militärischen Einsätze.“ Die Minentaucher sind beispielsweise im Libanon oder in Afghanistan im Einsatz, die Boarding-Kompanie in Somalia bei der Piratenbekämpfung. Wo genau sich seine Kollegen, die Kampfschwimmer, zurzeit aufhalten, darf der Oberleutnant nicht verraten. „Nur so viel: Wer in den Medien das aktuelle politische Geschehen verfolgt, kann sich denken, wo wir gerade im Einsatz ist.“ Von einem geregelten Privat- und Berufsleben müssen sich die Spezialeinsatzkräfte verabschieden. „Wir sind Individualisten, die Scheidungsrate in unserer Kompanie spricht für sich.“ Millionär kann man mit dem extremen Job auch nicht werden, obwohl die Männer und Frauen immer wieder ihr Leben aufs Spiel setzen. Der Nettoverdienst eines Oberleutnants zur See liegt bei rund 3000 Euro, hinzu kommen Prämien und während eines Einsatzes zusätzlich 110 Euro steuerfrei täglich. Er rät interessierten jungen Menschen, sich vor dem Ausbildungsstart unbedingt umfassend zu informieren, damit nicht mittendrin das böse Erwachen kommt. Seit neuestem bieten die SEKM übrigens ein viertägiges Praktikum an. Für ausführliche Informationen stehen Höner und seine Kollegen auf der boot bereit. Auch eine Wasserbombe, einen Roboter und eine Mine können die Besucher sich dort aus der Nähe anschauen.
Halle 3/D92
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