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Urlaub mit Biss - Angeln am Mittelmeer </06.01>

Angelziele in Europa

Urlaub mit Biss - Angeln am Mittelmeer


Typische Mittelmeerküste - hier
auf der Insel Ibiza

Immer die gleiche Frage: "Was packe ich an Angelzeug ein, wenn ich in den Urlaub ans Meer fahre?" Dabei ist sie recht einfach zu beantworten, sofern es sich beim Urlaubsziel um ein Land handelt, das ans Mittelmeer grenzt. Wenn ich vom Ufer aus angeln möchte, reichen in den meisten Fällen eine Brandungs- und eine Spinnrute völlig aus. Kunstköder können Sie, vielleicht abgesehen von einigen kleinen Jigs, Paternostern und Blinkern, getrost zu Hause lassen. An Mittelmeerküsten wird größtenteils mit Naturködern geangelt, und die gibt's frisch vor Ort.


Ein Angler mit Riesen-Palometa
aus dem Ebro-Delta

Von vielen Hafenstädten oder Fischerdörfern aus starten Angelfahrten mit kleineren und größeren Booten, beispielsweise in Frankreich, Italien und neuerdings sogar in Kroatien. Am einfachsten ist es, sich am Urlaubsort zu erkundigen. Oftmals gibt es schon Hinweisschilder direkt am Hafen. Die Palette reicht von ganz normalen Ausfahrten, bei denen man beispielsweise Makrelen oder verschiedene Barsch- und Brassenarten erbeuten kann, bis hin zu Big-Game-Ausfahrten auf Tun, Schwertfisch oder verschiedene Haiarten, zum Beispiel Blau- oder Fuchshai. Manchmal müssen Sie gar nicht weit hinausfahren, da vielerorts das Wasser bereits in Küstennähe sehr tief sein kann, dunkelblau und kristallklar. Ich habe einmal in Sichtweite von Nizza meterlange Tune an der Oberfläche rauben sehen. Leider befand ich mich da auf einer Dienstreise mit einem Forschungsschiff und hatte keine Möglichkeit zum Angeln. Noch heute kribbelt es mir in den Fingern, wenn ich nur daran denke.

 
 



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Stattlicher Blaubarsch am Gaff

Von der Küste
Typisch fürs Mittelmeer sind schroffe Felsküsten mit steil abfallenden Kanten und teilweise malerisch schönen Buchten. Es gibt aber auch kilometerlange Sandstrände, zum Beispiel an der nordafrikanischen Küste oder in Italien. Hier lohnt es sich in jedem Fall, eine Brandungsrute im Gepäck zu haben. Streifenbarben, typische Sandbodenbewohner, die übrigens im gesamten Mittelmeerraum vorkommen, werden bis zu drei Pfund schwer und sind hervorragende Speisefische. Sie beißen am besten auf Seeringelwürmer oder Muschelfleisch. In der Abenddämmerung kann man mit großen Stachelrochen rechnen, die beim Jagen bis ins knietiefe Wasser vordringen. Deshalb sollte man seinen Fetzenköder sicherheitshalber am Stahlvorfach anbieten. Nicht zuletzt auch wegen der Wolfsbarsche, die stellenweise direkt in der Brandung stehen.


Häfen sind erfolgversprechende Angelplätze, wenn sie nicht verschmutzt sind

Angeln von Steilküsten
An der spanischen Ostküste habe ich einheimische Angler beobachtet, die 50 Meter über dem Meeresspiegel auf den Klippen standen und "blind" fischten. Sie hatten zwar weit ausgeworfen, konnten aber nicht sehen, wo die Schnur ins Wasser tauchte. Trotzdem fingen sie, die lange, mit Fischfetzen oder Seeringelwürmern beköderte Rute ständig in der Hand haltend, ihre Meerbrassen, Lippfische, Meerjunker und Petermännchen. Bei Letzteren muß man aufpassen, da sie oben an den Kiemendeckeln über zwei Giftstachel verfügen, die sehr schmerzhafte Verletzungen verursachen können. Im ungünstigen Fall kann das sogar zu einem Krankenhausaufenthalt führen. An Vorsprüngen vor Steilküsten ziehen manchmal Schwärme von Makrelen oder Blasenmakrelen vorbei, denen man bequem vom Ufer aus mit Paternostern oder Posenangeln nachstellen kann.

 
 

Ein Mega-Palometa

In den Gewässern der Griechischen Inselwelt ist der Befischungsdruck sehr hoch und demzufolge die Durchschnittsgröße der zu erwartenden Fänge vom Ufer aus eher gering. Aber Brassen und Lippfische lassen sich auch hier fangen. Ebenso Hornhechte, die sich mit Fetzen oder schlanken Blinkern im gesamten Mittelmeer in Oberflächennähe überlisten lassen. Hierbei handelt es sich übrigens um dieselbe Art, die auch bei uns in Nord- und Ostsee vorkommt.

Hafenangeln
Was ich persönlich immer wieder sehr spannend finde, ist das Angeln in Häfen. Sofern diese nicht übermäßig verschmutzt sind, bergen sie in vielen Fällen eine überraschende Artenvielfalt. Ganz gleich, in welchem Land man sich befindet: Immer gibt es einige Einheimische, die auf irgendwelchen Molen oder Booten sitzen und eine Rute oder Leine in der Hand halten. Meist fangen sie verschiedene Meerbrassenarten, oft direkt auf Sicht. Ein sehr beliebter Hafenfisch ist auch die Dicklippige Meeräsche, die sich leicht mit Brotkrumen, Stückchen vom Seeringelwurm oder Klippenasseln, die überall auf den Molen umherkrabbeln, überlisten läßt.


Prächtige Amberjacks werden besonders beim Schleppangeln erbeutet

Aber Vorsicht! Im Spanischen Peniscola habe ich einmal einige Äschen geangelt, filetiert und später im Apartment in die Pfanne gehauen. Statt des erwarteten Duftes nach gebratenem Fisch machte sich aber bestialischer Dieselgestank in der Küche breit. Die Filets waren ungenießbar! Bei Meeräschen, die aus Häfen stammen, sollte man sowieso vorsichtig sein, da sie die Angewohnheit haben, Algen und Kleinkrebse von Bootsrümpfen abzuweiden. Dadurch können sie gefährliche Mengen der Giftstoffe aus den Antifouling-Farben der Boote in ihrem Muskelfleisch anreichern. Ich warne daher vorm Verzehr.

 
 


Guter Schleppköder:
Tintenfischwobbler

Unter der Laterne
Wenn an Hafenmauern Straßenlaternen stehen, lohnt immer ein Angelversuch bei Dunkelheit: Die Fische haben gelernt, dass Plankton, Flohkrebse und Jungfischschwärme von diesen Lampen angelockt werden. So finden sich im weiteren Umkreis oft Sardinen oder Stöcker (Stachelmakrelen), die sich dann leicht mit einem ganz normalen Heringspaternoster überlisten lassen. Auf diese Weise habe ich schon eimerweise Sardinen geangelt. Auch Tintenfische versammeln sich im Bereich außerhalb des Lichtkegels und lassen sich gezielt mit Tintenfischwobblern anwerfen. Sie verfolgen diese dann in den hellen Bereich, und man kann beim "Anbiss" zusehen und sofort reagieren. Im Hafen von Villefranche sur Mèr habe ich gesehen, wie ein Mann einen meterlangen Kraken im Lampenschein auf Sicht geangelt hat. Vom Grund bei etwa sechs bis sieben Metern Wassertiefe, allerdings mit einer Handleine.

 
 

In Spanien und Frankreich wird gern
von steilen, hohen Felsen geangelt

Fix was los am Ebro
Nicht nur Wallerfans bekommen beim Namen Ebro feuchte Hände - auch Meeresangler können dort, wo der berühmte, spanische Fluss ins Mittelmeer mündet, kämpferische Fische ans Band bekommen. Die beliebtesten im Ebro-Delta sind Palometa und Blaubarsch (Bluefish; lat.: Pomatomus saltatrix). Den Palometa, eine
Stachelmakrelenart, nennen die Spanier Palometón (lat.: Lichia amia). Der Name Palometa, der eigentlich eine kleinere Fischart bezeichnet, hat sich bei den deutschen Urlaubern aber eingebürgert. Palometa und Blaubarsch sind aggressive Räuber und kommen hauptsächlich von April bis Oktober im Delta vor.

Boot Voraussetzung
Palometas können dort über 50 Pfund schwer werden, Blaubarsche bis etwa 20 Pfund. Auf die kampfstarken Burschen kann mit geschleppten Köderfischen und auch Wobblern geangelt werden. Voraussetzung für den Erfolg ist ein Boot. Ebenfalls top: das Grundfischen und Posenangeln vom verankerten Boot aus. Während Blaubarsche die gesamte Saison über im Delta umherkurven, gelangen Palometas auf ihren ausgedehnten Fresszügen schubweise ins Gebiet. Mit ihnen kann man nicht jeden Tag rechnen. Blaubarsche haben messerscharfe Zähne (Stahlvorfach!) und schmecken ausgezeichnet. Benötigtes Gerät: 2,5 Meter lange Rute, Wurfgewicht um 150 Gramm, 300 Meter 0,50er starke monofile Schnur, kräftige Stationär- oder Multirolle. Drillinge 3/0 bis 5/0; Grundbleie zwischen 30 und 200 Gramm. Mögliche Beifänge beim Fischen im Delta: Bonitos bis acht, Goldmakrelen bis 10, Amberjacks (Stachelmakrelenart) bis 50 und Wolfsbarsche bis 20 Pfund.



Quelle: Rute & Rolle 6/2001
Text:Michael Janke
Fotos: Michael Janke, Rainer Korn, Mike Millman, Herbert Frei, Kornblum

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