Sie befinden sich hier: Segeln. Reviere & Törns. Reviere & Törns im Überblick. Mittelmeer.
Liparische Inseln - Freudentanz auf dem Vulkan </06.11>
Mittelmeer
Liparische Inseln - Freudentanz auf dem Vulkan

Törn mit der Familie
Romantisch, lebensfroh, exotisch: Die Liparischen Inseln im Süden Italiens sind ideal für den Familientörn. Ein Törnbericht von Detlef Jens für das segelJOURNAL:
Segeln mit Kindern ist wunderbar, vor allem in Süditalien. Fast jeder Erwachsene, ob Frau oder Mann, liebt die blonden Bambini. »Che belli«, ruft mehr als nur eine Insulanerin verzückt aus und tätschelt einem unserer Zwerge das blonde Haar, womit auch wir Erwachsenen oft zu Gesprächen und Freundlichkeiten kommen, die wir alleine wohl nicht erlebt hätten. Unser Boot liegt an einer der vielen Mooringbojen vor Stromboli. In einer milden, lauen Spätsommernacht sind wir hinüber gesegelt, von Tropea am Festland aus, nur wenig mehr als 30 Seemeilen. Während die Familie unter Deck selig schläft, nähere ich mich morgens um drei unter einem sternklar funkelnden Himmel bei stiller See dem Vulkan.
Ich kann das Land riechen, bevor ich es sehe, es ist allenfalls zu erahnen als massige schwarze Silhouette, hinter der die Sterne verlöschen. Das legendäre natürliche Leuchtfeuer kann ich von dieser Seite, also aus Osten kommend, nicht sehen. Dieser Vulkan ist einzigartig in der Welt, weil er, und das schon seit zwei Jahrtausenden, regelmäßig spuckt. Alle Viertel- bis halbe Stunde etwa gibt es eine kleine Eruption, die allerdings nur im Dunkeln spektakulär ist, tagsüber deutet bloß die ständig am Gipfel hängende Wolke auf derlei Aktivitäten hin. Um dieses Schauspiel zu erleben, motoren wir mit unserem Schiff an einem weiteren, windstillen Abend auf die andere Seite der Insel - gemeinsam mit zwei oder drei Ausflugsdampfern und einer weiteren Yacht. Die See ist so still, dass wir auf dem Cockpittisch Billard spielen könnten, wäre dort nicht unser köstliches italienisches Picknick für den Abend aufgebaut. Dann, es ist bereits dunkel, passiert es. Aus dem Berggipfel steigt ein Feuerwerk auf, geräuschlos zumindest für uns, dauert einige Minuten, erlischt wieder - und beginnt etwa zwanzig Minuten später erneut.
Es ist ein unwirkliches, unglaubliches Erlebnis. Wir drehen unsere Kreise vor der Flanke des Berges, genannt Sciara del Fuoco, an der die heiße Lava gut sichtbar hinabrutscht, und können uns kaum satt sehen an immer wieder neuen Feuerfontänen, die in den nächtlichen Himmel steigen. Kein Wunder, dass die Seefahrer der Antike den Berg als Leuchtfeuer nutzten, Odysseus natürlich auch. Immerhin, gut 900 Meter hoch ist der Krater und damit in den klaren Nächten des Mittelmeeres weithin sichtbar. Nur selten gab es große Eruptionen, die letzte wirklich verheerende im Jahr 1930. Sechs Menschen wurden damals getötet, die Lava begrub zahlreiche Häuser unter sich; viele Bewohner flüchteten auf das Festland und blieben dort. Warum ein so aktiver Vulkan überhaupt besiedelt wird, ist eine Frage, die wohl immer wieder gestellt und auch immer wieder nur ansatzweise beantwortet wird. Die dunkle Lavaerde sei besonders fruchtbar, heißt es; dafür ist das Fischen von dieser Insel aus mühsam, weil es keinen Hafen gibt, noch nicht einmal eine schützende Mole für die Fischerboote, die immer noch auf Rundhölzern auf den schwarzen Strand gezogen werden.
Stromboli ist die nördlichste Insel des Archipels und langsam, langsam wegen des fehlenden Windes und dann doch auch immer wieder unter Motor machen wir uns auf, die anderen Eilande zu erkunden. Lipari, nach denen die Gruppe benannt ist, beeindruckt durch seine Größe und einen der wenigen Yachthäfen in diesem Revier. Die Inseln haben übrigens noch einen Namen, die »Äolischen«, was von dem Windgott Aeolus rührt, der angeblich hier seinen Hauptwohnsitz habe. Glauben können wir es schon wegen des Windmangels nicht. Doch die Distanzen zwischen den Inseln sind kurz, und so stört die Flaute kaum.

Ankerplatz vor San Vincenzo
Im Gegenteil, eigentlich sind wir froh darum, können wir so doch nachts überall in ruhigem Wasser ankern - Stromboli bei Seegang zum Beispiel ist einfach nicht möglich. Anders, wie gesagt, Lipari. Dort liegen wir im geschützten Yachthafen und marschieren in die lebhafte Stadt; dies ist das Zentrum der Inseln, wo es sogar gut gefüllte Supermärkte und viele andere Geschäfte gibt. Sehenswert ist der Ort auch ohne Shopping-Ambitionen, schon wegen der vielen Cafes und dem idyllischen Stadthafen, der jedoch von Fischer- und Ausflugsbooten voll belegt ist. Das archäologische Museum in der Stadt, sagen uns andere Segler, sei das bedeutendste Italiens. Uns ist es gleich, die Kinder wollen lieber echtes italienisches Eis essen und die Eltern ihre Aperitifs genießen.
Genießen ist das zentrale Thema dieses Törns. Die Inseln sind oft wahrhaft herzzerreißend schön, das Wasser glasklar zum Schwimmen und Schnorcheln und die gastronomische Infrastruktur an Land, wie ja fast überall in Italien, famos. In dieser Hinsicht eher enttäuschend ist einzig Vulcano, zum Ausgleich liegen wir hier in einer der romantischsten Ankerbuchten, die wir seit langem erlebt haben. Wie der Name es unmissverständlich andeutet, ist auch hier ein aktiver Vulkan am Werk; dieser beschränkt sich jedoch darauf, stark nach Sulfat (faulen Eiern!) riechende Gase abzusondern. Dennoch zieht Vulcano mehr Touristen an als Stromboli, was wir dankbar registrieren, es liegt wohl an den ziemlich originellen Bio-Schlammbädern an der Bucht Porto di Levante. Dies sind heiße Schlammquellen, denen dubiose heilende Wirkungen nachgesagt werden, und so tauchen immer wieder - verzweifelte? - Menschen in den blubbernden Schlamm ein.
Dann Panarea, das Juwel. Stille Gänge, weiße Kuben als Häuser, Blumenduft überall. Gelächter und Wein. Laue Abende am stillen, schwarzen Wasser. Fast möchten wir nicht weiter, zurück an Bord, warum! Die Eindrücke auf dieser Insel vermischen sich mit Erinnerungen an andere kleine, zauberhafte und ebenfalls sehr spezielle Inseln. Diese jedoch ist für mich neu. Eine uralte Insel, die älteste des Archipels, die entdeckt werden will. Entstanden in dunkler Vorzeit als glühender Gesteinsbrocken, dann verschoben, zerborsten, zersplittert zur heutigen Form. Entsprechend wild ist die Landschaft noch, nur der äußerste Süden und ein Flecken im Osten sind besiedelt, hier liegt der Hauptort San Pietro.
Gerade weil sie bis vor wenigen Jahren noch so schwer zugänglich war und so romantisch ist, hat sich Panarea zum St. Barth des Mittelmeeres entwickelt. Hotel- und Immobilienpreise, Boutiquen und auch die Restaurants und Bars zeigen deutlich, dass sich hier ein anderes Klientel aufhält als beispielsweise auf Vulcano. Das Hotel Raya ist das Kulthotel der Insel. Es ist auf jeden Fall das wohl älteste und es wird noch immer liebevoll betrieben. Auf der Terrasse des wirklich hervorragenden Restaurants leuchten abends nur bescheidene Petroleumlampen, weil das von Anfang an so gewesen ist. Der Anfang, das war in den 1960er Jahren, als es hier weder Elektrizität noch fließendes Wasser gab ... Das gibt es heute, natürlich, viel hat sich aber sonst offenbar nicht geändert. Ich könnte hier gerne noch Zeit verbrauchen, doch die Familie drängt zum Aufbruch - sie möchten noch einmal zurück nach Stromboli, dem freundlichen Vulkan, bevor unser Urlaub vorbei ist. Vermutlich ist es besser so, denn ich alleine auf Panarea, wer weiß, vielleicht wäre ich immer noch dort.
Weitere spannende und informative Revierberichte finden Sie in den
Ausgaben des segelJOURNAL und auf www.segeljournal.com
Weitere Reviere & Törns im Überblick













