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Kanutouren im Überblick
Faltboote - ein Stück deutscher Geschichte
Jörg Ringer ist ambitionierter Flusswanderer und 'Falter'. Auf der boot Düsseldorf berichtet er im Ausstellungsbereich der Deutschen Museumswerft in ausführlichen und bildreichen Vorträgen über verschiedene Aspekte dieser Leidenschaft. Denn zum einen haben das Faltboot und das Flusswandern eine bewegte und spannende Geschichte, in welche Jörg Ringer hier einen Einblick gibt. Zum anderen passt das 'Faltbooteln' als entspannendes Naturerlebnis ohne Handy, Uhr und drückenden Leistungsgedanken im Hinterkopf ebenfalls sehr gut als Ausgleich und auch Gemeinschaftserfahrung in die heutige Zeit.
Schiffe schreiben Geschichte – Boote auch?
Das Faltboot in den Ursprüngen seiner Existenz und Aufkommens ist uns sowohl von dem Pyramidenbau, als von den „Kanada-Indianern“, von den Eskimos oder den Aleuten bekannt. Diese archäologisch/ethnologisch dokumentierten Boote zeigen bereits alle Konstruktionsmerkmale nötiger Binnen- und Seefahrt auf. Der Siegeszug des Faltbootes in seiner heutigen Gebrauchsform begann in Deutschland Anfang 1900. Bekannt muss es uns seit dem Mittelalter sein. Faltboote waren bis zu diesem Zeitpunkt Arbeits- und Transportboote, die von Trappern in Französisch Kanada, Binnenhändlern, oder Robben- und Waljägern der Polarvolksgruppen benötigt wurden. So gesehen muss es verwundern, warum ausgerechnet ein faltbares, spartanisches Boot nach der vorletzten Jahrhundertwende zu einem Synonym für Sport und Freizeit wurde. Synonym für Freiheit in einem elitebewussten Europa.

Ein „Ethnoboot“ als neuzeitlicher Ideenträger?
Ein Versuch es kurz zu fassen: Mit dem „Wilhelminismus“ war dem Sport eine neue Bedeutung beigemessen worden. Eine neue Generation Jugendlicher der Mittel-Oberschicht sollte Loyalität und Leistungsfähigkeit mit Mannschaftssport entwickeln. „Korpsgeist“ war das Schlagwort. Die Glanzzeit der schlagenden (Korps-)Studentenverbindungen und Rudervereine nach britischem Vorbild war gekommen. Der Wilhelminismus lies - außer dem Soldaten - die übrigen Schichten und „Stände“ der Gesellschaft eher im Schatten der Wahrnehmung. Besonders eindeutig Chancen- und Aufstiegslos war das Gros der Arbeiter. Die Arbeiterjugend war um 1900 wesentlich zahlreicher als die Menge der Kinder einer geförderten Mittel- und Oberschicht – und sie hatten Träume. Träume von einer besseren Welt, und davon als Mensch fernab der schneller, lauter und leistungsorientierter werdenden Umwelt ihren Selbstwert und ihre Bestimmung zu finden. Die Gründung der Wandervögel im Arbeiterrevier Berlin-Steglitz trug uns heute noch bekannte Parolen in die Gesellschaft: „Auf Brüder zur Sonne, zur Freiheit“, oder „Heraus aus grauer Städte Mauern“. Eine Generation Jugendlicher lebte eine größtenteils unpolitische Gegenkultur, die geprägt war von Rückbesinnung auf die eigene Volksidendität, zwanglosem Umgang der Geschlechter, Rollenvariabilität, alternativer Lebens- und Sozialformen, und Rückbesinnung auf die eigene „Geschöpflichkeit“. Im Zentrum darf man das jugendliche Suchen nach dem Selbst vermuten.
Faltboot als Identifikationsmittel
Wandervogelzeit war Zeit neuer Ideen in einer eng werdenden Gesellschaft. Die Wandervögel entdeckten auch den Fluss, damals typischerweise noch mit mehreren verwachsenen Seitenarmen als Ort gesellschaftlicher und individueller Freiheit, den es zu nutzen und zu erwandern gab. Hier konnte ohne Fremdkontrolle gelebt werden, was in der Mietkaserne undenkbar war. Ein erster Freizeitbegriff der Arbeiterschaft war geboren: Wasser, Boot und Zelt. Zeitgleich entsanden 1910-1920er Jahre immer wieder erste Bootsvereine. Meine Recherchen vom Oberrhein besagen, dass nicht selten ein Dutzend Jugendlicher mitsamt dem Segen wohlmeinender Eltern erste „Hadernkähne“ zusammen flickschusterten. Vermöbelt aus alten Obstkisten und Bohlen; Jutesäcken mit Wachs, Öl und Teer immer wieder neu bestrichen, als Haut, und doch nie dicht. Erste zurechtgehauene Prügel dienten als eine Art Stechpaddel. Diese ersten Boote wurden in Schuppen am Wasser, alten Trafohäuschen und Ähnlichem untergestellt. Diese „Paddelfreunde“ oder sich - aus gegebenem Anlass - auch als „Brüder“ bezeichnenden Grüppchen waren zu diesem Zeitpunkt ziemlich überschaubar. Hier aber erfüllte sich was aller „Korpsgeist“ der gebildeten Schicht nicht vermochte: Eine straffe, freiwillige Organisation von Jugendlichen und Kinder in einer heute unvorstellbaren Verbindlichkeit. Der 1914 gegründete Deutsche Kanu Verband war für diese Arbeiterschicht Anfangs weit weg. Auf dem Gründungsfoto des DKV sieht man nur bürgerliche Personen.
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Tag 2: Sonntag 22.01.
Tag 3: Montag 23.01.
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Tag 5: Mittwoch 25.01.
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