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Segeln: Soldini und Herrmann setzen erstes Ausrufezeichen - in knapp elf Tagen von Cadiz nach San Salvador
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Segeln: Soldini und Herrmann setzen erstes Ausrufezeichen - in knapp elf Tagen von Cadiz nach San Salvador
15.02.2012
Zehn Tage, 23 Stunden, neun Minuten und zwei Sekunden – so schnell überquerte die Hochseeyacht „Maserati“ mit dem italienischen Skipper Giovanni Soldini und Navigator Boris Herrmann aus Oldenburg den Atlantik von Cadiz/Spanien nach San Salvador auf den Bahamas. Am Montagmittag (13. Februar) hatte die achtköpfige internationale Mannschaft die 3.884,8 Seemeilen (mehr als 7.000 Kilometer) lange Strecke hinter sich und dabei durch einen schnelleren Zickzackkurs vor dem Wind 4.632 Seemeilen zurückgelegt. Das bedeutete 17,6 Knoten (32,5 km/h) Durchschnittsgeschwindigkeit auf dieser Route und eine starke Referenzzeit für Einrumpfboote, die noch vom World Speed Sailing Record Council WSSRC offiziell ratifiziert wird. Höhepunkt des Projekts wird der Angriff auf den prestigeträchtigen Transatlantik-Rekord von New York nach Lizard Point (Großbritannien), den die „Maserati“ Ende März/Anfang April in sechseinhalb Tagen brechen will.
Hektische Nacht
„Wir sind wirklich glücklich und zufrieden“, sagten Soldini und Herrmann im Ziel übereinstimmend, „wir haben eine exzellente Zeit aufgestellt, die schwer zu schlagen sein wird.“ Hektisch wurde es nur in der letzten Nacht auf See, als das Kielhydrauliksystem ausfiel. „Alle Mann waren durchgehend wach, und wir segelten mit in Mittelstellung fixiertem Kiel“, so Soldini, „dadurch waren wir natürlich langsamer als zuvor. Trotzdem hätte es kaum besser laufen können. Die Wetterstrategie hat gestimmt, und ich bin mit der Performance des Boots und des Teams hochzufrieden.“
Rhythmus und Präzision
Mit einer angebrochenen Rippe, aber ebenso stolz auf die Leistung und fasziniert von Rhythmus und Präzision der Crew resümierte der 30-jährige Herrmann seine erste Rekordfahrt. „Wir haben funktioniert wie eine militärische Blaskapelle, da gab es keine Sperenzien“, so der einzige Deutsche an Bord. Es gab vier Wach-Duos, von denen immer zwei gleichzeitig an Deck waren zum Trimmen und Steuern. Essen, Umkleiden, Reparaturen und Wetteranalyse, aber auch Videoschnitt und Emailverkehr laufen in den vier Stunden Freiwache.
Sternstunden seien die nächtlichen Hochgeschwindigkeiten unter Vollmond gewesen, so Herrmann weiter. Bei 20 bis 24 Knoten Wind, also Stärke fünf bis sechs, lief die „Maserati“ 20 bis 27 Knoten Bootsspeed. „Am Steuerrad stehe ich etwas erhöht und sehe voraus die Wellenberge im Mondschein. Am besten gelingt für einige Minuten ein Surf den Wellenberg hinunter, ohne dass der Bug sich ins Wasser bohrt. Solange ist es trocken im Cockpit. Eine kleine Unaufmerksamkeit aber reicht, um nicht nur Gischt und Schaum übers Deck zu treiben, sondern zehn Zentimeter grünes Wasser, das die Segeltrimmer mit 50 Sachen in ihre Gurte drückt.“ In so einem Moment erwischte es auch den Navigator, als er durch das Cockpit gespült wurde und schmerzhaft mit der unteren Rippe aufprallte.
Eine andere Welt
Für Boris Herrmann, der 2008-09 das Portimão Global Ocean Race zu zweit in fünf Etappen um die Welt gewann und voriges Jahr als erster deutscher Teilnehmer beim Barcelona World Race nonstop um den Globus Fünfter wurde, ist das Segeln auf der „Maserati“ eine völlig neue Erfahrung. „Acht Mann statt zwei, 70 Fuß lang statt 60 und zehn Tage statt 100 unterwegs – eine ganz andere Welt für mich“, bloggte der Extremsegler, der im November bei der Vendée Globe erstmals allein um die Welt jagen möchte. Herrmann: „Ich kann gar nicht behaupten, dass die Törns mit großer Mannschaft mir besser oder schlechter gefallen, so schwer sind sie miteinander vergleichbar.“ Die Arbeit im Team sei jedoch leicht und gleitend, die Routine subtil. Die unterschiedlichen Charaktere an Bord, vom Clown über den Entertainer bis zum Ernst-Konzentrierten ergänzten sich gut. „Wir haben alle großen Spaß an und bei der Herausforderung“, so Herrmann, „auch wenn die pure Konzentration bei mehr als 30 Knoten Wind zuweilen nackter Anspannung weicht.“
24-Stunden-Weltrekord im Visier
Die nächste Referenzzeit will das Maserati-Soldini-Segelteam im März über 947 Seemeilen von Miami/Florida nach New York setzen. Die größte Herausforderung wartet dagegen auf dem Nordatlantik. Exakt 2.925 Seemeilen ist die Strecke vom Ambrose-Leuchtturm vor New York nach Lizard Point, der Südwestecke Großbritanniens, lang. Sechs Tage, 17 Stunden, 52 Minuten und 37 Sekunden sind zu unterbieten, 18,05 Knoten im Schnitt, aufgestellt 2003 von der doppelt so langen, britischen Mega-Yacht „Mari Cha IV“. Außerdem haben Soldini und Herrmann den 24-Stunden-Weltrekord im Visier. Den hält der Brasilianer Torben Grael seit 2008 mit der VO70 „Ericsson 4“, als er 596,6 Seemeilen, das sind 1.100 Kilometer, an einem Tag schaffte. Die Durchschnittsgeschwindigkeit betrug 24,85 Knoten, entsprechend fast 46 km/h.
Rekordfahrten im Internet
Die Rekordfahrten der Maserati sind im Internet unter www.maserati.soldini.it zu verfolgen. Die Seite enthält News auf Englisch und Italienisch sowie Videos und Fotos vom Alltag der Crew an Bord. Außerdem werden die Wetterdaten auf See beobachtet sowie die Position und die Geschwindigkeit der Maserati durch Online-Tracking abgerufen. Ständige Updates werden auch über die Twitter-Accounts @borisherrmann und @giovannisoldini (56.000 Verfolger) sowie deren Facebook-Seiten verbreitet.
Quelle: www.borisherrmannracing.com
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