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Die Klamm des Naranjo auf Costa Rica </2001>

Kanutouren im Überblick

Die Klamm des Naranjo auf Costa Rica

Nach einem sonnenumfluteten Kajak-Surftag in Dominical an der Pazifikküste Costa Ricas zieht es uns im Rahmen unserer Rundreise wieder in das Gebirge, wo wir dem relativ unbekannten Rio Naranjo unseren Besuch abstatten. Schnell ist in der Dämmerung ein idyllischer Platz für die Zelte gefunden und das Lagerfeuer entfacht.


Fast jedes Costa-Rica-Abenteuer beginnt mit der Überquerung der Surapiqui-Brücke


Bei Vollmond nehmen wir, nach dem rustikalen Grillen (der Kühlergrill des Land Rover musste als Grillrost herhalten) noch ein Bad in den Fluten des Baches. Der Wasserstand ist recht gut, sodass Peter zu fortgeschrittener Stunde die Idee kommt, morgen doch mal die nahezu unbekannte Klamm oberhalb der Standardstrecke zu probieren. Zwar sind schon einige Kilometer ober- und einige unterhalb des Kernstücks der Klamm befahren worden, jedoch wartet die reinrassige Klamm, aus der es kaum ein Entkommen gibt, zumindest bei derartig gutem Wasserdurchlauf wohl noch auf einen ersten Befahrungsversuch (bei Niedrigstwasser sollen schon Befahrungen geglückt sein).


Ein kleiner Katarakt
Bei strahlendem Sonnenschein knechten wir am frühen Morgen über eine Kuhweide Richtung Klammeingang, die letzten Meter seilen wir die Boote ab. Glasklares, bläulich schimmerndes, weiß gischtendes Wildwasser, unterbrochen von tiefen, ruhigen Pools, blinzelt zu uns herauf. Der Blick flussab wird durch einen riesigen Fels versperrt. Was uns wohl dahinter erwartet?! Die ersten kleinen Katarakte zeigen bereits ein beachtliches Gefälle, die Durchfahrten sind jedoch vom Boot aus noch erkennbar. Ein weiterer, riesiger Felsbrocken lässt das Wasser nur noch rechts an sich vorbei und zwingt uns zur Besichtigung das erste Mal aus dem Boot.

Ein Katarakt führt direkt in die Klamm, in der sich der Fluss in einem Pool kurz beruhigt, um einen kleinen, linksufrigen Wasserfall, der direkt aus dem Grün des Dschungels hervorsprudelt, aufzunehmen. Der folgende Flussverlauf ist von hier aus nicht einsehbar und auch nicht erkundbar. Wir entschließen uns dennoch, über den Katarakt in die Klamm einzufahren.

Erleichtert stellen wir aus dem nächsten Kehrwasser heraus fest, dass in der Kurve keine böse Überraschung lauert. Noch einige hundert Meter paddeln wir vorsichtig flussab, immer ein "letztes" Kehrwasser im Auge, bis eine Abbruchkante unseren Vorwärtstrieb abrupt bremst. Mit einer Klettereinlage wird der folgende Abfall besichtigt. Linksseitig eines Felsriegels schießt das Wasser ca. 2,5 m tief direkt in eine Ansammlung stattlicher Felsbrocken, während die rechte Seite einen bei diesem Wasserstand nicht gerade einladenden Rücklauf präsentiert.

 
 

Landschaft pur - der Naranjo kurz
hinter der Einstiegsstelle

Kein Weg zurück
Während wir uns schon versuchen, innerlich mit dem Rücklauf anzufreunden, schreckt die folgende Stelle auf das heftigste ab. Der komplette Bach wird in eine verwinkelte nur ca. einen Meter breite Durchfahrt gepresst, deren Befahrung unter dem gegebenen Wasserdurchfluss aller Wahrscheinlichkeit nicht glücklich ausgehen würde.

Bei der Erkundung der Folgestrecke schlagen wir uns linksufrig durch dichten Dschungel, stets darauf bedacht, auf dem schlammigen Boden nicht in die Klamm zu stürzen. An allen erdenklichen Stellen werden wir von Dornen zerkratzt, und die uns Großstädtern wohl anerzogene Angst vor allem giftigen Getier lässt uns hektisch hin- und heräugen, um letztlich, beim Erklimmen eines Felsvorsprunges, in einen von Ameisen besetzten Baum zu packen ein wahrlich prickelndes Gefühl!

Trotz aller Anstrengungen lässt sich der weitere Flussverlauf nicht erkunden und ein Umtragen des unter den vorhandenen Umständen wohl unfahrbaren einen Meter engen "Nudlers" ist unmöglich (außerdem wissen wir nicht, was uns noch im folgenden Flussverlauf erwartet). Resigniert klettern wir zurück zu den Booten, im letzten vermeintlichen Kehrwasser vor der "Katastrophe", wo Hermann bereits sehnsüchtig auf uns wartet. Es hilft alles nichts, man kann nicht immer Sieger sein! Wir müssen den Befahrungsversuch leider abbrechen. Doch leichter gesagt als getan. Zwar haben wir zu viert das letzte "rettende" Kehrwasser erwischt, jedoch lässt sich die Klamm von hier aus nicht verlassen. Besonders schwierig scheint es sich rechtsufrig zu gestalten (was natürlich zu erwarten war, da wir nur auf dieser Flussseite durch den Dschungel zur Piste und damit zum Landy kommen).

Eine Seilfähre führt ins sichere kleine, rechtsufrige Kehrwasser kurz vor dem folgenden Abfall. In ca. 1,5 m Höhe zeigen sich ein paar "Griffe" im Fels, über die man die Niedrigklamm bis zu einem Felsbalkon überwinden kann. Von dort aus ließe sich durch einen kleinen Bachlauf eventuell Kulturland erreichen. Aus dem Boot heraus könnte ich die "Griffe" gerade noch erwischen, jedoch könnte ich nicht gleichzeitig das Kajak halten und falls ich abrutsche? . . . am besten nicht daran denken!


Back to the route
Wir wählen letztendlich die sicherste Lösung, indem sich unser Youngster Sebastian, von den beiden linksufrig befindlichen Kameraden per Seil gesichert, auf mein Kajakheck schwingt und ich ihn vor die rechte Felswand in Position bringe. Beim zweiten Versuch ist es vollbracht. Einen Fuß auf dem Hurricane, einen im Fels und beide Hände in den besagten "Griffen"; schon ist der Balkon erklommen und eine sichere Seilverbindung hergestellt. Nach und nach wechselt die Mannschaft auf die rechte Flussseite, um sich nach angemessener Pause durch den engen Bachverlauf zur Piste durchzuschlagen. Dank der Hitze und des Anstiegs recht erschöpft, erreichen wir das Anwesen eines mürrischen Amerikaners, der uns aber immerhin noch sein Grundstückstor, welches den Weg zur Piste verschließt, öffnet.

Nicht einmal 1,5 Kilometer sind wir an jenem Tag in die Klamm vorgedrungen, dennoch waren wir von jener beeindruckenden Natur derartig begeistert, dass wir bei entsprechendem Niedrigwasser erneut antreten werden, um die herrliche Klamm des Naranjo, die eine gelungene Symphonie aus der Piemonter Cannobino mit der tropischen Umrahmung Costa Ricas bildet, zu befahren. Zur Entspannung, als Ausklang des Tages, dümpeln wir bei schwindendem Tageslicht die Standardstrecke des Naranjo hinab, um nach dem Verladen der Boote weitere der unzähligen, warmen Traumwildwasser Costa Ricas aufzusuchen.


Text & Fotos: Heinz-Georg Luxen

Quelle: kanu sport

 
 

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