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Jeito Brasileiro: Der brasilianische Weg </03.07>

Trendsport Reviere

Jeito Brasileiro: Der brasilianische Weg

 
 

Stell dir vor, du bist in einem Land, in dem dir die gebratenen Tauben quasi in den Mund fliegen. So zart, so saftig, dass du es kaum glauben magst. Das Zauberwort? Churrasceria. Ein Restaurant, in dem die Kellner alle zwei Minuten mit einem gigantischen Spieß am Tisch auftauchen. Voll beladen mit Hühnerherzen, Medaillons, Lamm, Rumpsteaks. Fingerfertig, in hauchdünnen Scheiben, ziehen sie die kleinen tierischen Leckereien direkt auf den Teller. Solange bis man nicht mehr ja sagen will oder kann.


Nicht nur die Fingerfertigkeit der Kellner, auch deren Zungenfertigkeit ist tief im brasilianischen Süden bemerkenswert: In gebrochenem Deutsch signalisiert uns ein Kellner seine Sympathie. Die seiner Kollegen folgt in den nächsten Stunden. Es ist nicht an der Tagesordnung, dass sich Gäste aus dem Mutterland vieler Einwanderer hierher verirren. - Seit der ersten Welle um 1850 sind immer wieder deutsche Emigranten in dieses Land gekommen. Vorzugsweise nach den allseits bekannten Kriegen. Auf Schritt und Tritt treffen wir auf die deutsche Vergangenheit, die sich oft nur noch im Familiennamen widerspiegelt. Jetzt in der dritten Generation wird kaum noch Deutsch gesprochen, doch der deutsche Einfluss reicht noch weiter zurück. 1580 bis Mitte des siebzehnten Jahrhunderts stand Brasilien unter spanisch-habsburgischer Herrschaft. Ungefähr zur gleichen Zeit wurden die ersten Kaffeebohnen ins Land des Zuckerrohrs geschmuggelt, das bis dahin die Landwirtschaft dominierte. Erst um 1850 wurde Kaffee wichtigstes Exportgut vor Zuckerrohr und Baumwolle. - Auch andere europäische Einflüsse sind in Südbrasilien spürbar: Während sich Deutsche und Italiener vorwiegend im Landesinneren ansiedelten, ließen sich an der Küste hauptsächlich Portugiesen nieder.

 
 



Vor allem die angenehmen subtropischen Klimaverhältnisse und die gute Bodenbeschaffenheit bewogen die Einwanderer zum bleiben. Mächtige Gesteinschichten vulkanischen Ursprungs überziehen weite Teile des Südens. Gigantische unterirdische Explosionen führten vor rund 130 Mio. Jahren zu enormen Verschiebungen in der Erdkruste. Die 7400 Kilometer lange Atlantikküste ist immer wieder von Buchten geradezu zerschnitten. Diese dienen Walen als Geburtsstätte der Kälber. Mit etwas Glück trifft man sie im Oktober und November dicht unter Land. Als Windsurfer sollte man um diese Zeit aufpassen. Wer aus den Buchten heraussurft kann sich selbst schon einmal vor einem grauen Berg wiederfinden.

 
 



Wir sind in Iberaquera, dem vermeintlich besten Windsurfspot Südbrasiliens. Eine weit geschwungene Bucht, die an Römö in Dänemark erinnert. Flach abfallender Strand. Recht viele Beachbreaks. Der Nordwind wird hier zwischen Strand und einer vorgelagerten Insel beschleunigt. Das bringt Dampf und Spaß. Eine Flussmündung sorgt für ausreichend Strömung, so das wir uns ein bisschen wie Zuhause fühlen. Wenn da nicht dieser "pico-bello brechende righthander" wäre.

 
 



Tief unter der Insel zu brechen anfangend baut sich erst eine steile Section auf, wird dann langsamer und zum Schluss wieder etwas schneller. Selbst jetzt, bei relativ bescheidenen Bedingungen, macht sich das Potential bemerkbar. Ohne Probleme sind vier bis fünf Turns auf einer Welle möglich. Wir wagen es kaum uns vorzustellen, wie es ist, wenn das Ding an ist. Sobald Wind ist, treffen wir viele brasilianische Windsurfer, die hier für ihre Regatten trainieren.

 
 



Das Iberaquera ein echtes windsurferisches Highlight ist, bestätigt auch Kauli Seadi, der es in seinem Heimatland zu einem gewissen Wohlstand gebracht hat, mit seiner Anwesenheit: Sein Haus thront in Sichtweite des Strandes am unteren Hang. Mehrere Hotels und Pensionen, die sich auf Windsurfer spezialisiert haben, liegen am Anfang des riesigen Strandes (wie Römö mit dem Auto befahrbar). Vom Bett aufs Brett bekommt hier zwar keine neue Bedeutung, unterstreicht aber die These, dass es überall auf der Welt diese Traumbedingungen gibt, auch wenn sie abseits der eingefahrenen Touristenrouten liegen.

 
 

Es sind kaum 30 Kilometer zu unserer Basis in Garopaba, einem kleinen Dorf, das dazu neigt als verschlafen tituliert zu werden. Die rund 13.000 Einwohner leben hauptsächlich von Touristen, die sich hier von Dezember bis März in Massen aufhalten. Der zweitgrößte Arbeitgeber ist die Firma Mormaii. Morongo, der Firmengründer, hat sich hier ein kleines Imperium geschaffen: Eine Neoprenfabrik, Neoprenherstellung, Brillen- und Bekleidungsfabrik. Dazu kommen noch Uhren und andere Merchandiseartikel. Ähnlich wie Jack OŽNeill, hatte er es satt im winterlichen Wasser zu sitzen und zu frieren. So schneiderte er sich einen Anzug. Das Unweigerliche folgte: Alsbald wollte ein Freund auch einen Anzug. Ein anderer wollte plötzlich Zehn, noch ein anderer 20. So musste sich Morongo entscheiden, ob er als Arzt oder Anzughersteller seinen Lebensunterhalt verdienen wollte. Die Antwort kann man sich wohl denken. Wie in der dritten Welt üblich, sind die Menschen Meister des Improvisierens. Wir möchten jetzt nicht auf Einzelheiten eingehen, aber die eine oder andere Unachtsamkeit der Zollbehörde wurde schamlos ausgenutzt. Der "Jeito Brasileiro" bedeutet Adaption statt Konfrontation. Statt sturem Kadavergehorsam neue Regeln erfinden.

 
 

Das hiesige Leben spielt sich relativ gelassen ab. Straßencafes, Surfshops, Restaurants: Pünktlich um ein Uhr gehen alle zum Mittagessen. Wer auf Fleisch steht, sollte sich das Essen vorher genauer anschauen, denn viele Restaurants bieten nur vegetarische Kost an. Yogaenthusiasten finden von Freitag bis Sonntag (jeweils abends) ihr Nirvana. Alles in allem scheint der Süden nicht Brasiliens Bild zu entsprechen. Kriminalität ist zwar kein Fremdwort, aber wir fühlen uns zu keiner Minute unwohl oder haben gar zwiespältige Begegnungen. Wer sich an die Grundregeln hält wird hier keine Problem bekommen. Kein Vergleich zum Norden. Willkommen in der Welt des Unerwarteten. Der Offshorewind streicht durch die Palmen am Strand von Ferrugem, einer der konstantesten Beachbreaks in Südbrasilien. Kinder rennen hin und her, deren Mütter spielen derweil Fußball. Die älteren Surfer sitzen an den Felsen und diskutieren über Gott, die Welt und übers Surfen. Ein Junge sitzt Gitarre spielend am Strand, seine Zuhörerinnen schmunzeln entzückt und kichern. Ein anderer ist tief in seine Yogaübungen versunken und steht Kopf. Ähnlich wie ich, der dieses Szenario nicht erwartet hätte.

 
 



Entspannt sitzen wir im Strandrestaurant, blicken aufs Meer und trinken kaltes Bier. Plötzlich kommt einer der Surfer und erzählt, er kenne Deutschland (mittlerweile hat es sich wie ein Lauffeuer verbreitet, das wir aus Deutschland kommen). München. Köln. Hamburg. Mit Kiel indessen kann er nichts anfangen. Ungläubig schaut er uns an, als wir erzählen, dass es bei uns eine Surfszene und Shops gibt. Natürlich gestehen wir ein, dass Surfen in Brasilien einen anderen Stellenwert hat. Firmen wie Mormaii unterstützen Programme bzw. regelrechte Surfakademien, in denen Kids auf eine professionelle Karriere vorbereitet werden. Ihnen stehen Psychologen, Ärzte, Masseure, Trainer für Praxis und Theorie zur Verfügung. Insgesamt ein 15 Mann Team. Die bis dato erfolgreiche Nachwuchsarbeit soll auf diesem Wege fortgesetzt und sogar noch intensiviert werden.

 
 



Mittlerweile sind die Kids im Wasser und zeigen, was in den kommenden Jahren von ihnen zu erwarten ist. Wenig ist es nicht. Wie die Großen "floaten" und "cut backen" sie. Natürlich nicht ohne Trainer, der ihnen Anweisungen und Tipps zubrüllt. Nach 15 Minuten kommen sie vom Wasser und die Nächsten gehen raus. Solche Trainingswettkämpfe finden fast jedes Wochenende statt. In der Woche steht die Schule an, denn nur auf dem Wasser gut sein reicht nicht.

 
 



Bleiernd liegt ein Schlechtwettergebiet über uns. Die vom Dschungel bewachsenen Berghänge sind kaum noch zu erkennen. Die weiten, von grasenden Rinderherden besiedelten, Ebenen verschwimmen in den tief hängenden Wolken. Straßen werden zu kaum bezwingbaren Safari-Wegen. Von dieser wetterbedingten Fessel liegen wir, zur Untätigkeit verdammt, am sprichwörtlichen Boden. Wir warten und hoffen. Auf eine Verbesserung. Fahren von Spot zu Spot. Checken Wettervorhersagen. Schieben unsere Gedanken wie notwendige, aber ungeliebte Arbeit vor uns her. Das sind die Momente, die auf fast jeder Reise auftauchen. Wenn man, wie Wassersportler, von der Natur abhängig ist, braucht man Geduld. Ungeduld wird zu einer harten Prüfung mit sich selbst.

 
 



Egal wie schlecht die Bedingungen auch sein mögen, die Brasilianer stürzen sich mit einem Enthusiasmus ins Wasser, dass es einem schon Angst und Bange werden kann. "Happiness" raunt mir dann auch ein älterer Surfer entgegen, als er an mir vorbei ins Wasser läuft. Die Welle ist zwar nicht höher als die Hüfte, aber dennoch seine Spielwiese. Möglichst kleingemacht, eine hohe Linie surfend versprüht er nicht nur jede Menge Spray bei seinen Cut Backs und Floatern, sondern auch den Esprit und den Charme des brasilianischen Weges, dem Jeiro Brasileiro.

Side Orders

Wetter: Subtropisch, d.h. mehr Regen im Winter als im Sommer. Im Winter stürmische Winde, dagegen kann es im Sommer zu Gewittern am Nachmittag kommen. Wassertemperatur ist das ganz Jahr über recht konstant (um 21°C). 3/2er oder Shorty reichen.
Windsurf: Beste Monate November/Dezember. Temperaturen liegen zwischen 20 und 26°C. Südwind ist kalt - Nordwind ist warm. Im Sommer (Okt. bis März) herrscht Ostwind. Im Winter (April bis Sept.) Nordost bis Südwest.
Surf: April bis Oktober: Süd bis Südwestswell (2 bis 10 Fuß). Die besten Swells kommen von Tiefdruckgebieten, die von Cap Horn in die Antarktis laufen. Ostswell entsteht durch Hurricans vor Afrika und ist relativ inkonstant. Oktober bis April: kleinerer Swell aus Ost.
Zeit: - 5/6 Stunden MEZ
Tide: Minimal. Wirkt sich auf die Spots kaum aus.

Text und Photos: Koerber

www.freemagazin.de

 
 

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