boot Ratgeber - Saisonvorbereitung & Bootspflege

Teil 9: Seekarten berichtigen

So machen Sie Ihre Yacht fit für eine gelungene Saison an Bord!



Das Schiff ist überholt, aufgetakelt und im Wasser, die Saison kann beginnen. Wo soll es im Sommer oder gleich am nächsten Wochenende hingehen? Es gibt für mich kaum etwas Schöneres, abgesehen natürlich vom Bootfahren selbst, als die Seekarten hervorzuholen und darauf Kurse und Entfernungen abzustecken, mögliche Ziele auszusuchen, Häfen und Buchten anzuschauen.















Das Berichtigen, allerdings, geht in gemütlicher Form, nämlich am Salontisch mit einem Kaffee oder Wein dabei, nur auf den guten alten Papierseekarten. Nun ist diese Serie nicht dazu gedacht, die Vor- oder Nachteile von elektronischen und Papierkarten abzuwägen. Doch auch bei der Saisonvorbereitung spielt das eine Rolle. Seekarten, egal ob digital oder gedruckt, sollten möglichst auf dem neuesten Stand sein. Entweder sind sie für die Saison frisch gekauft – dazu gleich mehr -, oder sie werden berichtigt.

Bei einigen elektronischen Karten gibt es Uploads, die sich, mal mehr und mal weniger, automatisch installieren und die Karte auf dem jeweils neuesten Stand halten – allerdings nur dann, wenn man auch wirklich mit passender Signalstärke online ist. Im Umkehrschluss sollte man daher jetzt nicht annehmen, dass alle digitalen Karten deswegen immer automatisch auf dem neuesten Stand wären, denn das ist natürlich nicht der Fall. Über die Möglichkeiten der Kartenaktualisierung muss man sich daher leider individuell beim Hersteller der verwendeten Karten informieren.

Foto: © garmin
Foto: © TCCC / Detlef Jens

Echte Handarbeit

Die Berichtigung gedruckter Karten ist dagegen noch echte Handarbeit. Auch die Offiziere (meist der dritte Offizier) von Berufsschiffen müssen diese Arbeit noch leisten, sofern diese Schiffe nicht mit zwei völlig unabhängig voneinander arbeitenden elektronischen Systemen ausgerüstet sind: Papierkarten sind da immer noch billiger und so haben, neben dem täglich benutzten elektronischen System, viele Schiffe auch immer noch Papierkarten als Backup an Bord. Diese müssen dann zum Beispiel durch die vom Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie, BSH, herausgegebenen „Nachrichten für Seefahrer“ auf dem jeweils aktuellen Stand gehalten werden. Die Korrekturen werden entsprechend dieser Nachrichten eingezeichnet oder es werden kleine Überdeckblätter mit den neuen Daten an die jeweils betroffenen Stellen der Karte geklebt. Wie gesagt, eine relativ zeitraubende Arbeit, die nicht jedem Spaß macht.

Unverzichtbares Backup
Obwohl auf kommerziellen Schiffen zwei voneinander redundante Systeme vorgeschrieben sind und viele Schiffe daher noch Kartenmaterial aus Papier an Bord haben, geht die Herstellung dieser Karten weltweit dramatisch zurück. Viele nationale hydrografische Dienste stellen schon jetzt oder in naher Zukunft nur noch Karten der eigenen Gewässer her, in den Niederlanden hat es eine Saison lang gar überhaupt keine neuen Papierkarten gegeben. Das ist ein wie ich finde bedauernswerter Trend, denn Papierkarten sind nicht nur als Backup, sondern eben wie eingangs erwähnt auch für die Törnplanung eigentlich unverzichtbar.
Foto: Seekarte berichtigen
 Elektronische Karte - Foto: © GARMIN
Foto: Kartentisch
Foto: pixabay
Elektronische Karten - Foto: © GARMIN

Praktische Komplettlösungen

Glücklicherweise füllen zunehmend private Unternehmen die Lücken, die jetzt oder in Zukunft von den hydrografischen Diensten gelassen werden: In England zum Beispiel das Traditionsunternehmen Imray, in Deutschland auch der Verlag Delius Klasing und, vor allem, der NV-Verlag aus Eckernförde. Letzterer ist seit Jahrzehnten aktiv und der vermutlich weltweit größte private Seekartenhersteller überhaupt. Er bietet derzeit Karten für europäische und amerikanische Gewässer an (inklusive Karibik) – ein Hinweis auf die Qualität der NV-Karten ist die Tatsache, dass seit Jahren sogar die US-Coast Guard nur mit diesen Seekarten unterwegs ist.  

Für die Nutzung an Bord von Sportbooten gibt es bei NV-Charts die praktischen Komplettlösungen: Papierkarten in einem besonders nutzerfreundlichen Format im Kombipack mit einem Hafenlosten auf Papier und digital, einem digitalen Landgangslotsen sowie dem Navigationsprogramm und die NV-charts App für die elektronische Navigation auf dem Laptop oder anderen Geräten. Die Papierkarten gibt es auch als Atlanten, also Hefte im Format A3: Das ist im Bordalltag viel praktischer als die losen Blätter eines herkömmlichen Seekartensatzes. Aufgeklappt haben die Karten das gleiche Format und der „Atlas“ liegt auch aufgeklappt plan auf dem Kartentisch.

Foto: © TCCC / Detlef Jens
Foto: pixabay
Foto: © TCCC / Detlef Jens
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Berichtigungsservice
In jedem Fall dabei, um beim Thema zu bleiben, ist auch der kostenlose monatliche Berichtigungsservice – laut NV Verlag erfährt im Durchschnitt jede Seekarte fünf navigatorisch wichtige Änderungen pro Jahr. Der Berichtigungsservice ist im Jahr des Erscheinens der Karte kostenlos und wird dem Nutzer per E-Mail zugesandt; nach dem ersten Jahr ist der Service dann kostenpflichtig. Die Karten der Ost- und Nordsee beispielsweise erscheinen beim NV-Verlag jährlich neu; vor allem in der Nordsee ändert sich so viel, dass eine längerfristige Berichtigung kaum sinnvoll erscheint.

Neukauf oft wirtschaftlicher
Einfacher und, dank moderater Preise für die Karten und einiger guter Angebote auch wirtschaftlicher – vor allem, wenn man seiner eigenen Zeit beim Berichtigen auch einen Wert beimisst – ist es da schon, die Karten regelmäßig neu zu kaufen. Für die Ostsee bietet der NV-Verlag zum Beispiel einen so genannten „Premium Tausch“ an: Wer seine alten Karten gegen neue tauscht, erhält einen Rabatt von 40 Prozent! Denn eins sollte man auf keinen Fall machen: Mit veraltetem Seekartenmaterial zur See fahren.

 

Autor: Detlef Jens

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